Bildungsangebot

Den weiblichen Gefangenen stehen in allen Einrichtungen des Frauenstrafvollzuges (Bielefeld-Brackwede, Gelsenkirchen, Köln und Willich II) Angebote zur beruflichen Orientierung und Qualifizierung mit insgesamt rund 170 Ausbildungsplätzen in 10 Berufsfeldern offen. Darüber hinaus haben weibliche Gefangene des offenen Vollzuges generell auch die Möglichkeit zur Teilnahme an Bildungsmaßnahmen außerhalb der Anstalten. Die JVA Bochum-Langendreer (Berufsförderungsstätte) bietet im Wege der Koedukation weiblichen Gefangenen die Teilnahme an den dortigen Bildungsmaßnahmen für Männer an. Voraussetzung für eine Teilnahme an diesen Maßnahmen ist eine Verlegung in die offene Einrichtung für weibliche Gefangene der Justizvollzugsanstalt Gelsenkirchen. Ebenfalls im Wege der Koedukation können entsprechend gelockerte weibliche Gefangene der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede an Bildungsmaßnahmen für männliche erwachsene Gefangene der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede teilnehmen.

Für die jungen männlichen Gefangenen stehen in allen fünf Jugendstrafanstalten (Heinsberg, Herford, Hövelhof, Iserlohn und Wuppertal-Ronsdorf) berufliche Ausbildungsmöglichkeiten mit insgesamt 896 Teilnehmerplätzen zur Verfügung. Junge Gefangene in den offenen Einrichtungen können ebenfalls die Möglichkeit nutzen, an Ausbildungs- oder beruflichen Qualifizierungsmaßnahmen außerhalb des Vollzuges teilzunehmen.

Berufliche Bildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen für männliche erwachsene Strafgefangene werden in 15 Anstalten des offenen und geschlossenen Vollzuges (mit insgesamt 733 Ausbildungsplätzen) durchgeführt bzw. werden den Gefangenen - soweit die Maßnahmen außerhalb des Vollzuges stattfinden - in den Einrichtungen des offenen Vollzuges ermöglicht.

Schwerpunkt des vollzugseigenen Angebots bilden dabei für Gefangene aus allen Anstalten des Landes die zentralen Bildungseinrichtungen der Justizvollzugsanstalten Bochum-Langendreer (Berufsförderungsstätte im offenen Vollzug mit 175 Plätzen zzgl. 12 Plätzen zur beruflichen Vorförderung) und Geldern (Berufsbildungszentrum im geschlossenen Vollzug mit 230 Plätzen zzgl. 32 zeitweise besetzbaren Plätzen für Trainings-, Orientierungs- und Fortbildungsmaßnahmen).

Das vollzugliche Angebot an beruflichen Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen orientiert sich ausschließlich an den Bedürfnissen des freien Arbeitsmarktes. Die vermittelten Berufsbildungsinhalte entsprechen den Ausbildungsordnungen des Handwerks und der Industrie. Die Angebotspalette beinhaltet sowohl hoch qualifizierte als auch niederschwellige Bildungsgänge, Kurzmaßnahmen (6-8 Monate) sowie Langzeitmaßnahmen mit Ausbildungszeiten bis zu 42 Monaten.

Den an Bildungsmaßnahmen interessierten Gefangenen stehen zu Fragen der beruflichen Bildung in allen Vollzugsanstalten Bedienstete beratend und zugleich als Koordinatorinnen/Koordinatoren für die organisatorische Planung und Vorbereitung beruflicher Bildungsmaßnahmen zur Seite. Diese arbeiten eng mit den Ausbildungseinrichtungen im Vollzug und außervollzuglichen Arbeitsmarktakteuren zusammen; bei der individuellen Bildungs- bzw. Berufsberatung der Gefangenen werden sie regelmäßig von den örtlichen Agenturen für Arbeit bzw. Jobcentern unterstützt.

Zur Förderung der allgemeinen Beschäftigungsfähigkeit der Gefangenen wird die Vermittlung der rein fachlichen und berufsbezogenen Inhalte zusätzlich flankiert durch vollzugliche Rahmenbedingungen, die - soweit möglich - den Gegebenheiten in der Ausbildungs- und Arbeitswelt außerhalb des Vollzuges angeglichen sind.


Abschlüsse
Die Abschlussprüfungen werden vor denselben Gremien abgelegt, die auch für freie Auszubildende oder Umschüler zuständig sind. Dies sind die Prüfungsausschüsse der Industrie- und Handelskammern, der Handwerkskammern und - für Schweißer - des Deutschen Verbandes für Schweißtechnik.

Gefangene, die an Grund- oder Teilqualifizierungsmaßnahmen oder an modularen Ausbildungsabschnitten teilgenommen haben, erhalten Teilnahmebescheinigungen von den im Auftrag der Justizverwaltung in den Bildungseinrichtungen tätigen privaten Bildungsfachträgern, aus denen sich die vermittelten Ausbildungsinhalte und die erreichten Teilqualifikationen ergeben.

Die den Gefangenen ausgehändigten Gesellenbriefe, Gehilfenbriefe und Facharbeiterbriefe, die Prüfungszeugnisse sowie die Lehrgangs- und Teilnahmebescheinigungen enthalten selbstverständlich keinerlei Hinweis darauf, dass die Ausbildung im Justizvollzug durchgeführt worden ist.


Gesamtübersicht
Das berufliche Bildungsangebot im nordrhein-westfälischen Justizvollzug findet auch bei den Gefangenen eine hohe Akzeptanz. Die Ausbildungsplätze innerhalb der Anstalten waren im Jahresdurchschnitt 2015 zu rund 75 % belegt. Damit bewegt sich die Auslastung weiterhin auf einem hohen Niveau.

Im Jahr 2015 haben insgesamt 4.412 Gefangene (2014: 4.799) an Abschluss orientierten Maßnahmen der beruflichen Aus- und Weiterbildung teilgenommen. Von den 3.058 im Jahr 2015 beendeten Maßnahmen haben 1.758 (rd. 58 %) zu einem erfolgreichen Abschluss geführt.

Von den Gesamtteilnehmern setzen 1.354 Gefangene ihre Qualifizierungsmaßnahme im Jahr 2016 fort. Weitere 1.300 Gefangene haben während der Inhaftierung aus verschiedenen Gründen den angestrebten Abschluss nicht erreicht. Hiervon haben jedoch 43 Gefangene dennoch mindestens einen modularen Abschluss mit Trägerzertifikat erreicht, sodass insgesamt 1.801 Gefangene (= 58,89 %) einen auf dem Arbeitsmarkt verwendbaren Abschluss erreicht haben. Von den Gefangenen, die den angestrebten Abschluss nicht erreicht haben, konnten 278 (Vorjahr 323) Gefangene ihre Maßnahmen wegen vorzeitiger Entlassung aus dem Vollzug nicht beenden.