Sozialgericht Düsseldorf
Quelle: Justiz NRW

Sozialgericht Düsseldorf: Qualitätsmanagement trifft Wissenschaft

01.02.2016

Qualitätsmanagement trifft Wissenschaft

Es wird wieder geforscht am SG Düsseldorf

"Das rundum gute Gutachten" geht in die zweite Runde. Ergänzt wird die Untersuchung durch ein weiteres Projekt. Das wissenschaftlich begleitete Qualitätsmanagement des Sozialgerichts Düsseldorf hat es im Jahr 2012 in seiner Pilotstudie gezeigt: Begutachtung kann dabei helfen, dass Entscheidungen bei Gericht von den Verfahrensbeteiligten gemeinsam getragen werden und auch nachhaltiger sind. Mit Start der Feldphase im Februar 2016 sollen die Ergebnisse aus 2012 repliziert werden. Unter der Leitung von Dr. phil. Dipl.-Psych. Michaela Heinecke-Müller werden Studierende der Universität Koblenz-Landau Sachverständigengutachten untersuchen und sie anschließend dem Verfahrensausgang gegenüberstellen. Eine Fragebogenerhebung soll Auskunft von Klägern über das persönliche Erleben in Bezug auf die Begutachtung geben.

Zusätzlich werden die bereits gewonnenen Erkenntnisse aus 2012 im Zuge eines weiteren Projekts für die Konstruktion eines Kommunikationswerkzeugs genutzt. Standards sollen die Interaktion zwischen Kläger, Gericht und Sachverständigen verbessern.

Von 2010 bis 2012 wurden 264 Fälle aus den Kammern Unfall, Rente und Schwerbehinderung längsschnittlich untersucht - und darin 405 Gutachten auf ihre Qualität hin geprüft. Das Ergebnis war sowohl erfreulich als auch erstaunlich: Die meisten Gutachten am Sozialgericht Düsseldorf erfüllten die Qualitätskriterien gut. Das Dokument selbst war also in der Regel gut zu verwenden. Die "Zwei-Wege-Messung" bezog allerdings auch psychologische Faktoren mit ein. Das Gefühl etwa, gehört und verstanden worden zu sein, sich mit seinen Anliegen auch im Verfahren einbringen zu können ist für Kläger so wichtig, dass es Einfluss auf das Verfahrensergebnis nimmt. Damit konnten erste Hinweise auf Handlungsmöglichkeiten für den Umgang mit Begutachtung und die Herstellung nachhaltigen Rechtsfriedens gefunden werden. Es folgten interdisziplinäre Expertenrunden zum Thema. Konkrete Ansätze zur Förderung der Qualität von Begutachtung wurden diskutiert. Im Zentrum steht nunmehr die Qualitätssicherung in laufenden und zukünftigen Verfahren - mit der wesentlichen Ergänzung um Aspekte der Kommunikation:

In einem weiteren Projekt möchte man die Erkenntnis aus 2012 praxisnah und effizient nutzen. Im Sinne einer "Lernenden Organisation" sollen Experteninterviews mit Richtern und Sachverständigen die Kommunikationswege zwischen Richter, Sachverständigem und Kläger genauer beleuchten. Ziel soll es sein, die Abläufe rund um den Begutachtungsprozess zu optimieren. Die Konstruktion eines Kommunikationswerkzeugs kann dazu beitragen, die Beteiligten stärker zu vernetzen. Dadurch soll der Begutachtungsprozess an Transparenz gewinnen. Die Ergebnisse der interdisziplinären Forschergruppe werden mit Spannung erwartet und für die breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Können sie Gerichtsverfahren im Alltag besser machen?

Für Fragen, Kommentare und Anregungen steht Ihnen zur Verfügung: pressestelle@sg-duesseldorf.nrw.de