Justizministerium NRW
Quelle: Justiz NRW

Grußwort des Ministers der Justiz Peter Biesenbach anlässlich der Amtseinführung von Dr. Stefan Weismann als Präsident des Landgerichts Bonn

07.07.2017

Es gilt das gesprochene Wort!

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich freue mich sehr, dass ich Sie heute im schönen Bonn begrüßen darf, um den Wechsel an der Spitze des Landgerichts feierlich mit Ihnen zu begehen. Die bisherige Präsidentin, Margarete Gräfin von Schwerin, ist Anfang des Jahres zur Präsidentin des Oberlandesgerichts Köln ernannt worden. Als neuen Präsidenten des Landgerichts Bonn möchte ich Ihnen heute Herrn Dr. Stefan Weismann vorstellen und ihn in sein Amt einführen.

Sehr geehrte Frau von Schwerin,

Ihre bisherigen Verdienste um die Justiz des Landes Nordrhein-Westfalen hat mein Amtsvorgänger erst im Januar anlässlich Ihrer Einführung als Chefpräsidentin in Köln eingehend gewürdigt. Viele der hier Anwesenden waren auch damals zugegen. Auf eine Darstellung Ihres Werdeganges darf ich deshalb verzichten. Nicht versäumen möchte ich allerdings, Ihnen noch einmal herzlich für Ihr überaus erfolgreiches Wirken in den letzten sechs Jahren als Präsidentin hier in Bonn zu danken und Ihnen zugleich für Ihre neue Aufgabe in Köln weiterhin viel Erfolg und alles Gute zu wünschen.

Sehr geehrter Herr Dr. Weismann,

wenn ich Ihnen gleich die Urkunde über Ihre Versetzung aushändige, wird die Verantwortung für das Landgericht Bonn in Ihren Händen liegen. Bis es soweit ist, möchte ich Sie für all diejenigen, die Sie bisher noch nicht kennengelernt haben, kurz vorstellen:

Geboren wurden Sie 1958 in Würzburg. Aufgewachsen sind Sie jedoch hier in Bonn, wo Sie nach dem Abitur an einem Erzbischöflichen Gymnasium in Beuel zum Wintersemester 1976/1977 auch das Studium der Rechtswissenschaft aufnahmen und später Ihren Referendardienst absolvierten. Nach glänzendem Bestehen der zweiten Staatsprüfung widmeten Sie sich zunächst mehrere Jahre der Wissenschaft an einem Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Arbeitsrecht und Zivilprozessrecht der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität und wurden mit einem arbeitsrechtlichen Thema promoviert, bevor Sie im Juni 1988 dann doch noch - zum Leidwesen für Forschung und Lehre, aber zum Glück für die Rechtspraxis - den Weg in den richterlichen Probedienst fanden und eine Stelle am Landgericht Düsseldorf antraten.

Wie üblich erfolgte Ihr erster Einsatz in einer Zivilkammer. Sehr schnell erkannten Ihre damaligen Dienstvorgesetzten allerdings Ihre Talente jenseits der Rechtsprechung und so wurden Sie schon bald zur Wahrnehmung von Verwaltungsaufgaben an das Oberlandesgericht Düsseldorf abgeordnet. Hier wie auch bei ihren Einsätzen in verschiedenen erstinstanzlichen Zivilkammern des Landgerichts Düsseldorf erwarben Sie sich einen exzellenten Ruf.

Dieser wurde bald auch im Justizministerium wahrgenommen, an das Sie Anfang des Jahres 1994 berufen wurden. Als Leiter des damaligen Referats II B 5 waren Sie vornehmlich mit der Gesetzgebung der ersten drei Bücher des BGB befasst. Schwerpunkte Ihrer Tätigkeit betrafen insbesondere die Reformvorhaben im Schuldrecht, darunter etwa die Rückführung des zersplitterten Mietrechts in eine geschlossene Kodifikation, die Sie aufgrund eines sicheren Gespürs für das rechtspolitisch Wesentliche und zugleich realpolitisch Erreichbare maßgeblich beeinflussen konnten.

Noch während Ihrer Abordnung wurden Sie im Juli 1996 zum Richter am Oberlandesgericht ernannt und traten kurz darauf Ihre neue Stelle am Oberlandesgericht Düsseldorf an. Neben Ihrem Einsatz in verschiedenen Zivilsenaten mit ganz unterschiedlichen Spezialmaterien wurden Sie dort mit der Leitung des zum 1. Januar 1997 neu geschaffenen und für die Angelegenheiten der Informationstechnik zuständigen Dezernats 8 betraut. Dank Ihrer Innovationskraft und Ihres organisatorischen Geschicks gelang es Ihnen, binnen kürzester Zeit eine effizient und erfolgreich arbeitende Verwaltungseinheit zu schaffen, die in der Lage war, die Informationstechnik auf die justizspezifischen Belange auszurichten. Heute leben wir in einer weitgehend digitalisierten Welt, die alle Bereiche der Gesellschaft durchdringt, insbesondere auch das Arbeitsleben. Vor 20 Jahren aber betraten Sie weitgehend Neuland.

Im September 2003 wurden Sie zum Vizepräsidenten des Landgerichts Duisburg ernannt, wo Sie neben Ihren Verwaltungsgeschäften den Vorsitz in einer zweitinstanzlichen Zivilkammer übernahmen. Vier Jahre später, im September 2007, war es dann schließlich so weit, dass Sie als Präsident mit der Leitung des großen Landgerichts Aachen betraut wurden. Einige Aspekte Ihrer dortigen erfolgreichen Tätigkeit möchte ich heute gerne hervorheben. So besteht eine Besonderheit am Justizstandort Aachen unzweifelhaft im dortigen Justizzentrum, das unter einem Dach insgesamt sechs Behörden vereint, deren Angehörige bei allen Gemeinsamkeiten aus doch sehr unterschiedlichen „Justizkulturen“ stammen. Nach seiner Grundordnung obliegt dem Präsidenten des Landgerichts die Leitung der Zentralen Dienstleistungsstelle. Sie selbst bezeichnen das Justizzentrum gerne als „Wohngemeinschaft“. Es ist inzwischen aber weit mehr, denn bei Wahrung ihrer jeweiligen Eigenständigkeit verstehen sich alle Behörden im Justizzentrum Aachen heute als eine Einheit. Daran haben Sie, Herr Dr. Weismann, großen Anteil.

Besonders erwähnen möchte ich darüber hinaus die gemeinsam mit weiteren Akteuren aus der Justizwelt, aus Wissenschaft, Wirtschaft und Medien ins Leben gerufene Veranstaltungsreihe „Recht im Zentrum“, die auf Ihre Initiative zurückgeht und große Resonanz gefunden hat.
Sie zeigt beispielhaft, dass Ihre Überlegungen nicht bei der Binnenorganisation der Justiz enden, sondern dass der Dialog zwischen Justiz und Gesellschaft Ihnen ein Herzensanliegen ist. Die Reihe gibt ganz unterschiedlichen rechtlichen Themen ein Forum, zuletzt etwa unter der Überschrift „Hinter Gittern - Was leisten Gefängnisse zum Schutz der Bürger?“. Es sind ausnahmslos Themen am Puls der Zeit, die die Menschen im Land heute bewegen.

Sehr geehrter Herr Dr. Weismann,

als Präsident sind Sie Dienstvorgesetzter aller Angehörigen Ihres Bezirks. Die damit verbundene Aufgabe der Personalentwicklung verfolgen Sie mit großer Leidenschaft. Mit aller Kraft setzen Sie sich für die Belange der Ihnen anvertrauten Bediensteten ein, die neben Ihrer Kollegialität vor allem Ihre unbedingte Verlässlichkeit besonders schätzen. Besondere Aufmerksamkeit widmen Sie seit jeher der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, insbesondere den Arbeitsbedingungen für Teilzeitkräfte, sicherlich auch weil Sie selbst ein „absoluter Familienmensch“ sind.

Darüber hinaus fördern Sie in besonderer Weise den „Blick über den Tellerrand“ und setzen sich mit Nachdruck dafür ein, dass die Angehörigen Ihres Bezirks Erfahrungen auch rechts und links des herkömmlichen beruflichen Weges sammeln können, und zwar gerade auch im europäischen und sogar im internationalen Umfeld. Ich kann Ihnen versichern, letzteres ist auch aus Sicht des Justizministeriums ein besonders wichtiges Anliegen, das uneingeschränkte Unterstützung verdient. In Deutschland leben wir seit nunmehr sieben Jahrzehnten in einem Rechtsstaat. Dieser Rechtsstaat sichert unsere Freiheit, unsere Sicherheit und unseren Wohlstand. Der Blick schon in das europäische Ausland, erst recht aber in weitere Regionen der Welt zeigt, dass dies keine Selbstverständlichkeit ist.

Sehr geehrter Herr Dr. Weismann,

Sie sind nicht nur Richter und Behördenleiter aus innerer Überzeugung. Als Familienvater stehen Sie darüber hinaus fest verwurzelt mitten im Leben. Nicht nur Sie, sondern auch Ihre Familie wird es sicher zu schätzen wissen, wenn Sie in Zukunft nicht mehr im Stau ins weit entfernte Aachen pendeln müssen, sondern den kurzen Weg zur Arbeit genießen können. Wie ich mir habe sagen lassen, wollen Sie ihn auf dem Sattel eines Fahrrades zurücklegen - nach fast 30 Jahren des Pendelns sicher eine ganz neue, vielleicht sogar sportliche Erfahrung!

Persönlich sind Sie Bonn immer verbunden geblieben, doch nun kehren Sie auch beruflich an den Ort zurück, an dem Sie einst Ihre juristischen Wurzeln geschlagen haben. Dabei sehe ich Sie für Ihre neue Aufgabe in jeder Hinsicht bestens gerüstet und wünsche Ihnen für Ihr neues Amt eine immer glückliche Hand sowie viel Freude und Erfolg! Ich darf Sie daher nun zu mir nach vorne bitten, damit ich Ihnen die Urkunde über Ihre Versetzung aushändigen kann.

Ihnen, meine sehr verehrten Damen und Herren, danke ich für Ihre Aufmerksamkeit.


Für Fragen, Kommentare und Anregungen steht Ihnen zur Verfügung: pressestelle@jm.nrw.de