Justizministerium NRW
Quelle: Justiz NRW

Grußwort des Ministers der Justiz Peter Biesenbach anlässlich der Amtseinführung des Leiters der Justizvollzugsanstalt Kleve, Oberregierungsrat Udo Gansweidt, und Verabschiedung des Regierungsdirektors a.D. Klaus Dieter Schweinhagen

30.10.2017

Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede,

es ist mir eine große Freude, Sie heute hier in der Justizvollzugsanstalt Kleve begrüßen zu dürfen. Ganz besonders freut es mich, dass ich nicht mit leeren Händen komme, sondern Ihnen auch gleich den neuen Leiter dieser Einrichtung, Herrn Oberregierungsrat Udo Gansweidt, vorstellen und ihn in sein neues Amt einführen darf. Bereits an dieser Stelle: Herzlich Willkommen, lieber Herr Gansweidt!

Doch zunächst möchte ich Sie, lieber Herr Schweinhagen, als ehemaligen Hausherren der Justizvollzugsanstalt Kleve herzlich an alter Wirkungsstätte begrüßen. Ende September sind Sie nach fast 36jähriger Tätigkeit im nordrhein-westfälischen Justizvollzug in den Ruhestand getreten. Wir möchten uns heute von Ihnen verabschieden und ich möchte Ihnen auch ganz persönlich für Ihre langjährige und verdienstvolle Arbeit in verschiedenen Funktionen im Justizvollzug des Landes danken.

Für all diejenigen unter uns, die Sie noch nicht kennen, lassen Sie mich kurz Ihren Werdegang schildern:

Sie sind gebürtiger Westfale, in Hamm geboren, doch schon in Ihrer Schulzeit hat es Sie ins südlichere Nordrhein-Westfalen, nach Siegburg, gezogen.

Nach der Schule verpflichteten Sie sich für acht Jahre bei der Bundeswehr, wobei Sie im letzten Jahr Ihrer Bundeswehrzeit bereits für ein Psychologiestudium an der Universität Bonn freigestellt worden sind. Nach dem Studienabschluss begann Ihre vollzugliche Karriere in der Justizvollzugsanstalt Geldern. Dort sind Sie 1981 als Anstaltspsychologe gestartet, zu Beginn noch im Angestelltenverhältnis, seit 1985 dann als Regierungsrat im Status eines Beamten. Der Justizvollzugsanstalt Geldern haben Sie lange Jahre und in verschiedenen Funktionen die Treue gehalten. Sie waren hier als Anstaltspsychologe, Abteilungsleiter und im Jahr 2001 schließlich als stellvertretender Anstaltsleiter tätig. Diese Führungsaufgabe übten Sie 12 Jahre aus, bevor Sie im Sommer 2013 an die Spitze der Justizvollzugsanstalt Kleve wechselten. Mit Ihnen war damit erstmals ein Psychologe mit der Leitung dieser Einrichtung betraut. Und auch in der Nachschau darf ich sagen: Das war eine gute Entscheidung!

Ich denke, auch im Namen Ihrer Kolleginnen und Kollegen hier in der Anstalt sprechen zu dürfen, Klaus Dieter Schweinhagen hat der Justizvollzugsanstalt Kleve gut getan. Ihr unaufgeregter Führungsstil, Ihre Ansprechbarkeit für dienstliche, aber auch persönliche Belange und Ihre in vielen Jahren vollzuglicher Tätigkeit erworbene und gefestigte Kompetenz haben Sie zu einem hoch respektierten Vorgesetzten und geschätzten Kollegen werden lassen.   

Lieber Herr Schweinhagen,

Sie haben einen langen und erfolgreichen Weg zurückgelegt und können heute zufrieden und zu recht mit Stolz auf ein erfülltes berufliches Leben zurückblicken. Für Ihr Engagement im nordrhein-westfälischen Justizvollzug danke ich Ihnen ausdrücklich.

Wie ich hörte, ist mit Ihrem Ruhestand indes keine Zeit des Müßiggangs angebrochen. Sie haben sich einen Traum erfüllt und einen Wohnwagen gekauft, um ihre neu gewonnene Freiheit nun auch spontan nutzen zu können. Für die hoffentlich zahlreichen und interessanten Reisen damit wünsche ich Ihnen schon jetzt viel Freude!

Damit möchte auch ich den Blick in die Zukunft richten, und Sie, lieber Herr Gansweidt, als Nachfolger und neuen Leiter dieser Einrichtung begrüßen. Für Sie schließt sich hier in Kleve der Kreis einer 40-jährigen beruflichen Tätigkeit im nordrhein-westfälischen Justizvollzug.

Im August 1977 war es die Justizvollzugsanstalt Kleve, in der Sie als Regierungsinspektoranwärter erste persönliche Eindrücke vom Alltag in einer Justizvollzugsanstalt  sammeln konnten.
Hier absolvierten Sie den praktischen Einführungsmonat, mit dem der dreijährige Vorbereitungsdienst für die frühere Laufbahn des gehobenen Vollzugs- und Verwaltungsdienstes regelmäßig startet. Nach dem Bestehen der Laufbahnprüfung sind Sie 1980 in der Nachbaranstalt, der Justizvollzugsanstalt Geldern, zum Regierungsinspektor z. A. - „zur Anstellung“ wie es seinerzeit noch hieß – ernannt worden. Die Justizvollzugsanstalt Geldern war es auch, die Ihr berufliches Wirken über 30 Jahre lang geprägt hat. Insoweit finden sich hier bereits erste Parallelen zu Ihrem Amtsvorgänger.

Sie haben in Geldern umfassende Erfahrungen in allen Bereichen der Verwaltung sammeln können. Erste Leitungserfahrungen zogen Sie insbesondere aus Ihrer Tätigkeit als Vollzugsabteilungsleiter und als Stellvertreter des dortigen Verwaltungsleiters. Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle Ihre Verdienste als langjähriger Leiter des Berufsbildungszentrums der Justizvollzugsanstalt Geldern. Mit ihrer  Schwerpunktsetzung auf die berufliche Bildung der Gefangenen hat sich die Justizvollzugsanstalt Geldern bundesweit einen Namen gemacht und im Behandlungsvollzug Maßstäbe gesetzt. Und das, lieber Herr Gansweidt, ist auch Ihr Verdienst.

Im Sommer 2014 sind Sie als Verwaltungsleiter an die Justizvollzugsanstalt Köln gewechselt. Damit waren Sie „Personalchef“ für fast 500 Bedienstete mit all den Herausforderungen und Beanspruchungen, die ein solches Amt mit sich bringt. An dieser Stelle muss wohl nicht gesondert erwähnt werden, dass Sie weder Verantwortung noch Arbeit scheuen. Auch Ihrem Geschick und Fingerspitzengefühl ist es zu verdanken, dass die Verwaltung in der größten geschlossenen Vollzugseinrichtung unseres Landes „rund“ läuft.

Darum gebe ich heute gern und mit gutem Gefühl die Verantwortung für die Justizvollzugsanstalt Kleve in Ihre Hände, lieber Herr Gansweidt.
 
Sie übernehmen eine Justizvollzugseinrichtung, die nunmehr bereits auf eine mehr als 100-jährige Geschichte zurückblicken kann. Am 11. September 2015 beging die Justizvollzugsanstalt Kleve in einem feierlichen Festakt ihr 100-jähriges Bestehen. Die Entscheidung, das ehemalige Gerichtsgefängnis des Landgerichts Kleve, der „Schwanenburg“, neu zu bauen, geht auf Kaiser Wilhelm II. zurück. Im Jahre 1909 sprach er sich angesichts des baulich maroden Zustands des alten Gerichtsgefängnisses für einen Neubau an anderer Stelle aus. Bereits im Folgejahr konnte das Grundstück für den Anstaltsneubau erworben werden – ein Zeitraum, den wir uns heute manchmal auch wünschen würden. Der Neubau selbst wurde in nur zwei Jahren errichtet und 1915 fertig gestellt. Seither hat die Anstalt natürlich viele bauliche Neuerungen und Verbesserungen erfahren. So hat Kleve zum Beispiel als eine der vier umlaufleitenden Transportbehörden in Nordrhein-Westfalen einen neuen Garagentrakt für den entsprechend großen Fuhrpark erhalten. Außerdem wurde die Anstalt um ein großes Werkstattgebäude erweitert, um gute Rahmenbedingungen für die gerade unter behandlerischen Gesichtspunkten so wichtige Beschäftigung der Gefangenen zu schaffen.

In diesem Bereich hat die Justizvollzugsanstalt Kleve einiges vorzuweisen. Trotz ihrer überwiegenden Vollstreckungszuständigkeit für kurzstrafige Inhaftierte und der damit naturgemäß verbundenen hohen Fluktuation hat die Beschäftigung von Gefangenen hier in Kleve einen hohen Stellenwert. Besonders erfreulich finde ich in diesem Zusammenhang, dass in der Anstalt neben den zweifellos notwendigen niederschwelligen Arbeitsplatzangeboten auch zahlreiche höher und hochqualifizierte Beschäftigungsmöglichkeiten für Gefangene geschaffen worden sind. Beispielhaft möchte ich dazu die anstaltseigene Schlosserei erwähnen. Insofern können Sie, lieber Herr Gansweidt, Ihre in vielen Jahren gesammelten Erfahrungen hier in Kleve bestens einbringen und an Bewährtes anknüpfen.

An dieser Stelle möchte ich es auch nicht versäumen, mich bei Ihnen, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Justizvollzugsanstalt Kleve, zu bedanken. Was die Anstalt vorzuweisen hat und ihr „geräuschloses“ Funktionieren gerade in Zeiten schwieriger Rahmenbedingungen – als grenznahe Anstalt sei insofern insbesondere auf den hohen Anteil ausländischer Inhaftierter oder die steigende Zahl an beruflich und schulisch unqualifizierten Inhaftierten hingewiesen  – kann nur durch das Engagement hoch motivierter und gut ausgebildeter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Justizvollzug erreicht werden. Hierfür gebührt Ihnen mein Respekt und mein herzlicher Dank!
 
Als Leiter einer unserer kleineren Justizvollzugsanstalten, wie es die Justizvollzugsanstalt Kleve mit den rund 230 Haftplätzen ist, müssen Sie, lieber Herr Gansweidt, sicher vieles von dem selbst erledigen, was in größeren Anstalten auf Mitarbeiter delegiert werden kann. Aber dafür gewinnen Sie mit der Übernahme einer „eigenen“ Behörde auch ein hohes Maß an Gestaltungsfreiheit. Sie können der Anstalt Ihre eigene, persönliche Prägung geben. Für diese interessante und fordernde Aufgabe wünsche ich Ihnen viel Erfolg und gutes Gelingen!

Ich bin zuversichtlich, dass Sie sich in Ihrem neuen Amt wohl fühlen werden.
Zusätzlich versüßen mag Ihnen die neue Tätigkeit vielleicht auch die Nähe zu unserem Nachbarland, den Niederlanden. Habe ich doch gehört, dass Sie für holländische Lakritze eine ganz besondere Vorliebe hegen. Ihr Wechsel nach Kleve wird die Nachschubbeschaffung insoweit deutlich erleichtern.

Zum Abschluss meiner Ausführungen möchte Ihnen, lieber Herr Gansweidt, den Versetzungserlass auszuhändigen, mit dem Sie nun dienstlich offiziell in Kleve angekommen sind.

Ihnen allen danke ich für die Aufmerksamkeit.

Für Fragen, Kommentare und Anregungen steht Ihnen zur Verfügung: pressestelle@jm.nrw.de