Justizministerium NRW
Quelle: Justiz NRW

Grußwort von Staatssekretär Dirk Wedel anlässlich der Amtseinführung der Leiterin der Justizvollzugsanstalt Willich II, Regierungsdirektorin Charlotte Adams-Dolfen

20.11.2017

Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede,

zunächst darf ich Sie alle in der Justizvollzugsanstalt Willich II ganz herzlich begrüßen. Es freut mich sehr, heute mit Ihnen gemeinsam die neue Leiterin dieser Behörde, Frau Regierungsdirektorin Charlotte Adams-Dolfen, willkommen zu heißen.

Frau Adams-Dolfen tritt hier in Willich-Anrath die Nachfolge von Frau Regierungsdirektorin Ulrike Böhm an, die Ende September diesen Jahres in den Ruhestand getreten ist. Wegen eines lange geplanten Urlaubs kann Frau Böhm heute leider nicht selbst anwesend sein. Dennoch möchte ich es nicht versäumen, für ihre erfolgreiche Arbeit in den sechs Jahren, in denen sie die Anstalt leitete, ausdrücklich zu danken.

Mein Dank gilt an dieser Stelle auch ihrem Vertreter, Herrn Regierungsrat Muth, der die Aufgaben der Anstaltsleitung nach dem Weggang seiner Chefin fachkundig und verantwortungsvoll ausgeübt hat und nun Ihnen, Frau Adams-Dolfen, den Einstieg erleichtern wird.

Sehr geehrte Frau Adams-Dolfen, nicht alle der heute hier Anwesenden werden Sie persönlich kennen. Gestatten Sie mir daher zunächst, Sie kurz vorzustellen und Ihren beruflichen Werdegang zu schildern.

In Bergheim geboren sind Sie dem rheinischen Teil Nordrhein-Westfalens immer treu geblieben. Nach dem Abitur haben Sie sich für ein Jurastudium in Köln entschieden und sind im Jahr 1988 nach dessen erfolgreichem Abschluss in den öffentlichen Dienst eingetreten.

Zu Beginn Ihrer beruflichen Laufbahn sind Sie als Verwaltungsjuristin beim Versorgungsamt Köln tätig gewesen und haben dort die Aufgaben einer Dezernentin in der Rentenversorgung wahrgenommen. Nachdem die Versorgungsämter im Zuge einer Umorganisationsmaßnahme aufgelöst worden sind, wechselten Sie Anfang 2008 zum Landesamt für Personaleinsatzmanagement.

Wir konnten Sie dann im Jahr 2009 für eine Tätigkeit im Justizvollzug gewinnen. Mitte 2009 haben Sie Ihren Dienst bei uns in der Justizvollzugsanstalt Siegburg aufgenommen. Es folgte ein neunmonatiger Einsatz in der Justizvollzugsanstalt Remscheid. Ende 2010 wechselten Sie in die Justizvollzugsanstalt Wuppertal – heute Wuppertal-Vohwinkel - und nahmen dort als Stellvertreterin der Anstaltsleiterin bereits Führungsaufgaben im Justizvollzug wahr.

Nach einer einjährigen Station im Justizministerium, wo Sie aufsichtsbehördliche Erfahrungen sammeln konnten, wechselten Sie schließlich Anfang 2013 zur Justizvollzugsanstalt Aachen. Dort sind Sie seither als Vertreterin der Anstaltsleiterin tätig gewesen.

Nach den langjährigen Erfahrungen, die Sie in vertretender Anstaltsleiterfunktion in zwei unserer größeren Justizvollzugsanstalten sammeln konnten, haben Sie, sehr geehrte Frau Adams-Dolfen, sich nun dafür entschieden, in die erste Reihe zu treten und als Behördenleiterin die Verantwortung für eine ganze Justizvollzugsanstalt zu übernehmen. Die Leitung der einzigen selbstständigen Frauenhaftanstalt des Landes vertraut Ihnen Minister Biesenbach in dem Wissen an, dass Sie diese verantwortungsvolle Aufgabe aufgrund Ihrer fachlichen und persönlichen Kompetenzen professionell und mit der erforderlichen Sensibilität wahrnehmen sowie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sicher und motivierend führen werden.

Anrede,

der Frauenvollzug ist – und das nicht nur in Nordrhein-Westfalen – in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes.

Obwohl der Frauenanteil in der Bevölkerung statistisch betrachtet recht stabil bei 50 Prozent liegt, geraten Frauen nur vergleichsweise selten in Haft. Seit Jahren macht  der Frauenanteil an der Gesamtbelegung im Justizvollzug nur etwa 5 bis 6 Prozent aus. Dementsprechend sind von den rund 19.000 Haftplätzen, die uns aktuell in nordrhein-westfälischen Justizvollzugseinrichtungen zur Verfügung stehen, auch nur etwa 1.000 Plätze für die Unterbringung weiblicher Gefangener vorgesehen. Diese Plätze verteilen sich auf sieben Justizvollzugseinrichtungen des Landes, von denen einzig die Justizvollzugsanstalt Willich II ausschließlich für die Unterbringung weiblicher Gefangener zur Verfügung steht. Damit ist Willich II eine von nur sechs selbständigen Frauenvollzugsanstalten bundesweit. Der Frauenvollzug am Standort Willich-Anrath hat eine überaus lange Tradition.

Die vollzugliche Historie reicht weit über 100 Jahre zurück und begann im Jahr 1900 mit der Errichtung eines damals so bezeichneten „Weibergefängnisses“. Schon zwei Jahre später wurde die Haftanstalt um den Bau eines Männergefängnisses erweitert, das – deutlich größer als das Frauenhaus – die Gesamtanlage und den Vollzug in Willich prägte. Fortan und über viele Jahre bildete das Frauenhaus damit lediglich einen Teil der Gesamtanstalt Willich. Die Trennung beider Anstalten erfolgte erst sehr viel später, im Jahr 1985. In diesem Jahr wurde die Justizvollzugsanstalt Willich II organisatorisch selbstständig und ist es bis heute.

Anrede,

das ist keine Selbstverständlichkeit.  

Im Zuge der etwa zehn Jahre zurückliegenden Planungen für einen Anstaltsneubau ist die Frage der Selbstständigkeit des Frauengefängnisses unter den Gesichtspunkten von Aufgabenbündelung und Effizienzerzielung intensiv diskutiert worden. In Anerkennung der besonderen Anforderungen, die die Unterbringung und Behandlung von weiblichen Gefangenen mit sich bringen, ist aber seinerzeit bewusst entschieden worden, die Justizvollzugsanstalt Willich II als eigenständige Einrichtung zu erhalten.

Dem Effizienzgebot sind wir dennoch gerecht geworden. Wie Sie beim Betreten der Anstalt sehen konnten, sind beispielsweise die Männer- und die Frauenanstalt in Willich von einer gemeinsamen Umwehrungsmauer umgeben und werden über nur eine Anstaltspforte erschlossen.

Die seinerzeitigen Bauplanungen führten im Übrigen dazu, dass die JVA Willich II als kompletter Ersatzbau für die alte Frauenanstalt neu errichtet worden ist.

Dieser Neubau konnte im September 2009 in Betrieb genommen werden. Damit verfügt die Anstalt heute über 264 Haftplätze, von denen 66 Plätze für eine Unterbringung im offenen Vollzug vorgesehen sind.

Von den reinen Zahlen einmal abgesehen, weist der Frauenvollzug Besonderheiten auf, denen wir besondere Aufmerksamkeit widmen müssen.

Straffällig gewordene Frauen unterscheiden sich in Sozialisation, Haftdauer und insbesondere auch in ihrem vollzuglichen Verhalten auf vielfältige Weise von inhaftierten Männern. Daher hat es sich als notwendig erwiesen und bewährt, im Strafvollzug auf diese Unterschiede zu reagieren und hier geschlechterorientiert zu differenzieren.
 
Inhaftierte Frauen neigen dazu, sich im Vollzug zu „beheimaten“. Tendenziell arrangieren sie sich mit der Situation und richten sich leichter auf ein Leben im Vollzug ein. Konflikte werden hier überwiegend gewaltfrei gelöst.

Auch sonstige Regelverstöße sind im Frauenvollzug in deutlich geringerem Umfang zu verzeichnen. Ein sichtbares Zeichen dieser besonderen Rahmenbedingungen ist zum Beispiel, dass weibliche Gefangene bereits seit langem auch im geschlossenen Vollzug Privatkleidung tragen dürfen.

Dennoch soll an dieser Stelle nicht verkannt werden, dass wir auch im Frauenvollzug in den vergangenen Jahren zunehmend mit Gefangenen konfrontiert werden, die  besondere Problemstellungen oder speziellen Behandlungsbedarf aufweisen. Das macht es erforderlich, auch hier hocheffiziente Behandlungsmöglichkeiten anzubieten.

Anfang 2016 ist hier in der Justizvollzugsanstalt Willich II die erste Sozialtherapeutische Abteilung des Landes für Frauen in Betrieb genommen worden. Das Behandlungsangebot der Abteilung mit 16 Haftplätzen wird seit ihrer Eröffnung gut angenommen. Die Abteilung ist nahezu durchgängig voll belegt.

Hier wird ein wichtiger Beitrag für den Schutz der Allgemeinheit vor neuen Straftaten und für die Sicherheit der Bevölkerung geleistet. Dafür möchte ich an dieser Stelle  den Kolleginnen und Kollegen vor Ort herzlich danken, die durch ihre engagierte und anspruchsvolle tägliche Arbeit einen erfolgreichen und nachhaltigen Resozialisierungsvollzug ermöglicht haben.

Mit Frau Adams-Dolfen bekommen Sie heute eine kompetente Verstärkung Ihres Teams. Daher bin ich zuversichtlich, dass Sie gemeinsam die hier in Willich bereits so erfolgreich begonnene Arbeit zur Entwicklung inhaltlicher Behandlungskonzepte für den Frauenvollzug souverän fortsetzen und weiterentwickeln werden.
 
Für Ihre neuen Leitungsaufgaben wünsche ich Ihnen, sehr geehrte Frau Adams-Dolfen, alles erdenklich Gute und auch das Quäntchen Glück, das im Vollzug letztlich immer dazugehört!

Zum Abschluss meiner Ausführungen möchte ich Ihnen den Versetzungserlass aushändigen, mit dem Sie nun auch ganz offiziell in Willich angekommen sind.   

Ihnen allen danke ich für die Aufmerksamkeit.

Für Fragen, Kommentare und Anregungen steht Ihnen zur Verfügung: pressestelle@jm.nrw.de