Justizministerium NRW
Quelle: Justiz NRW

Grußwort von Minister der Justiz Peter Biesenbach anlässlich der Verabschiedung von Dr. Stefan Weismann als Präsident des Landgerichts und der Ernennung seiner Amtsnachfolgerin Christiane Fleischer

21.02.2018

Es gilt das gesprochene Wort!

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich freue mich sehr, Sie heute im Atrium des Justizzentrums Aachen begrüßen zu dürfen, um den Wechsel an der Spitze des Landgerichts feierlich mit Ihnen zu begehen. Seit Juli vergangenen Jahres leitet der bisherige Präsident, Herr Dr. Stefan Weismann, das Landgericht Bonn. Als neue Präsidentin des Landgerichts Aachen möchte ich Ihnen heute Frau Christiane Fleischer vorstellen und in ihr neues Amt einführen.

Sehr geehrter Herr Dr. Weismann,

Ihre bisherigen Verdienste um die Justiz des Landes Nordrhein-Westfalen habe ich bereits anlässlich Ihrer Einführung in das Amt des Präsidenten des Landgerichts Bonn würdigen können. Viele der hier Anwesenden waren auch damals zugegen. Auf eine Darstellung Ihres Werdegangs möchte ich deshalb verzichten. Die Aachener kennen Sie ohnehin bestens.

Wichtig ist es mir jedoch, auch an dieser Stelle noch einmal herauszustellen, dass Sie, sehr geehrter Herr Dr. Weismann, in Aachen nahezu ein ganzes Jahrzehnt vorzügliche Arbeit geleistet und das Landgericht mit großem Erfolg geleitet haben.

Man kann nach dieser langen und erfolgreichen Zeit in Aachen gut nachvollziehen, dass Sie im letzten Jahr die Herausforderung gesucht haben, Präsident des Landgerichts in Bonn zu werden, in Ihrer Heimatstadt, in der Sie auch aufgewachsen sind und die Universität besucht haben.

Sicherlich genießen Sie es inzwischen, quasi mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren zu können.

Was Sie aber vielleicht vermissen, ist Ihre „Wohngemeinschaft“. So haben Sie gern den hiesigen Justizstandort bezeichnet, an dem seit etwa zehn Jahren unter einem Dach sechs Behörden - fünf Gerichte und eine Staatsanwaltschaft - ihr gemeinsames Zuhause gefunden haben. Nach der Grundordnung oblag Ihnen als Präsident des Landgerichts die Leitung der Zentralen Dienstleistungsstelle im Justizzentrum. Diese Rolle haben Sie mit Ihrer Persönlichkeit geprägt.

Das Justizzentrum haben Sie gelebt und mit Leben erfüllt. Der rege Austausch in den Runden mit den Leitungen aller sechs Behörden sowie mit den Richter- und Personalvertretungen hat Ihnen immer sehr am Herzen gelegen. Daran, dass sich alle Behörden hier im Justizzentrum, die aus so unterschiedlichen „Justizkulturen“ stammen, heute als eine Einheit verstehen, haben Sie, sehr geehrter Herr Dr. Weismann, einen maßgebenden Anteil.

Auch über das Justizzentrum hinaus haben Sie den gewinnbringenden Austausch mit anderen immer gepflegt und sich in Aachen und Umgebung bestens vernetzt. Die Liste von wichtigen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern, die Sie Ihrer Nachfolgerin überlassen haben, soll unfassbar lang sein.

Zugleich haben Sie sich für das Wohl der Ihnen anvertrauten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer mit aller Kraft eingesetzt.

Die Reihe „Gesundheit im Zentrum“ mit seinen vielfältigen Angeboten zur Förderung der Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Justizzentrums gab es lange, bevor das betriebliche Gesundheitsmanagement landesweit eingerichtet wurde. Als Familienmensch haben Sie sich schließlich auch dank eigener Erfahrungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie stark gemacht. Beispielhaft sei hier das seit fünf Jahren erfolgreich pilotierte Projekt zur gerichts- bzw. behördennahen Kinderbetreuung erwähnt.

Auf der Grundlage eines mit der Städteregion Aachen geschlossenen Kooperationsvertrages können in einer hier in Aachen betriebenen Kindertageseinrichtung jedes Jahr Plätze für Kinder in Anspruch genommen werden, deren Eltern Bedienstete im hiesigen Justizzentrum sind. Die Plätze in dieser „Betriebskita“ erfreuen sich großer Beliebtheit. Dank Ihrer Erfahrungen in der Informationstechnik konnten beim hiesigen Landgericht aber auch wichtige Lösungen auf dem Weg zur elektronischen Akte erfolgreich pilotiert werden.

Sehr geehrter Herr Dr. Weismann,

als Rotarier werden Sie der Stadt Aachen sicher weiter eng verbunden bleiben. Gewissermaßen bleiben Sie sogar, wie ich hörte, noch „Präsident in Aachen“, da Sie die Präsidentschaft im Aachener Rotaryclub übernommen haben.

Für die vielfältigen Leistungen, die Sie hier in Aachen erbracht haben, möchte ich Ihnen, sehr geehrter Herr Dr. Weismann, meinen herzlichen Dank und meine Anerkennung aussprechen.

Für Ihre anspruchsvolle Aufgabe in Bonn wünsche ich Ihnen weiterhin viel Tatkraft, Erfolg und alles Gute.

Vor der Ernennung Ihrer Nachfolgerin möchte ich noch einen Dank abstatten, der mir sehr wichtig ist. Der Dank gilt Ihnen, sehr geehrter Herr Dr. Voormann. Als Vizepräsident haben Sie mit Ihrem Team das Landgericht in den letzten Monaten umsichtig geleitet. Hierfür danke ich Ihnen herzlich.

Sehr geehrte Frau Fleischer,

wenn ich Ihnen gleich die Ernennungsurkunde aushändige, wird die Verantwortung für das Landgericht Aachen in Ihren Händen liegen. Bis es soweit ist, möchte ich Sie für all diejenigen, die Sie bisher noch nicht kennenlernen durften, etwas näher vorstellen:

Geboren in Mülheim an der Ruhr verbrachten Sie Ihre Kindheit und Jugend in Krefeld. Das Jurastudium nahmen Sie 1983 in Bonn auf. Das Referendariat absolvierten Sie im Oberlandesgerichtsbezirk Düsseldorf. Ihr Werdegang als Richterin beginnt 1993 bei dem Landgericht Mönchengladbach, wo Sie - nach einer Station beim Amtsgericht Viersen - im Juli 1996 auch Ihre erste Planstelle erhielten. Dort wurden schon bald Ihre Talente auch jenseits der Rechtsprechung entdeckt. Sie wurden mit Verwaltungsaufgaben betraut, unter anderem als Personaldezernentin.

Nach Ihrer Erprobung in einem Zivilsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf wurden Sie im September 2002 zur Richterin am Oberlandesgericht ernannt. In den folgenden fünf Jahren waren Sie neben Ihrer Tätigkeit in mehreren Zivilsenaten in verschiedenen Dezernaten der Verwaltungsabteilung des Oberlandesgerichts eingesetzt. Anfang 2005 übernahmen Sie als erste Richterin des Oberlandesgerichts Düsseldorf die Bearbeitung der Angelegenheiten des richterlichen Dienstes.

Um die Einarbeitung junger Richterinnen und Richter zu erleichtern, entwickelten Sie eine auf die Verhältnisse des Düsseldorfer Bezirks zugeschnittene umfangreiche Informationsschrift - das „Manual 2007“ - das seither einer ständigen Aktualisierung und Überarbeitung unterliegt und noch heute Berufseinsteigern eine wertvolle Stütze beim Einstieg in den Richterberuf ist.

Erste Erfahrungen in der Gerichtsleitung sammelten Sie als Vizepräsidentin des Landgerichts Duisburg, wo Sie im Februar 2008 - und insoweit wiederholt sich heute die Geschichte - die Nachfolge von Herrn Dr. Weismann antraten, nachdem dieser zum Präsidenten des hiesigen Landgerichts ernannt worden war. Ihre exzellente Arbeit, die Sie gut fünf Jahre beim Landgericht Duisburg leisteten, blieb nicht unbemerkt und führte im Mai 2013 zu Ihrer Ernennung zur Vizepräsidentin des Oberlandesgerichts Düsseldorf.

Als solche waren Sie mit einer Vielzahl von bedeutsamen Verwaltungsaufgaben befasst, hatten den Vorsitz in einem mit Rechtsstreitigkeiten aus dem Sachenrecht befassten Zivilsenat inne und waren stellvertretendes Mitglied des Verfassungsgerichtshofs für das Land Nordrhein-Westfalen.

Zuletzt wurden Sie im September 2014 mit dem Amt der Präsidentin des Landgerichts Krefeld betraut, wo Sie in den vergangenen 3 ½ Jahren wirkten und neben Ihren Verwaltungs- und Leitungsaufgaben auch den Vorsitz in einer zweitinstanzlichen Zivilkammer übernahmen.

Sehr geehrte Frau Fleischer,

Ihr beeindruckender Werdegang belegt eine außergewöhnliche Doppelbegabung: Sie sind nicht nur eine herausragende Richterin, sondern beherrschen die gesamte Klaviatur der Justizverwaltung in außergewöhnlichem Maße. Sachverstand, Ideenreichtum, Geradlinigkeit, ein ausgeprägtes Fingerspitzengefühl sowie ein untrüglicher Blick für das Wesentliche und Machbare zeichnen Sie aus. Mit Ihrer verbindlichen, frischen und menschlichen Art vermögen Sie offen auf andere zuzugehen und Sie für gemeinsame Ziele zu gewinnen.

Offen haben Sie sich für die Modernisierung der Justiz gezeigt: So wird beim Landgericht Krefeld schon ab dem nächsten Monat die elektronische Akte in Zivilsachen pilotiert. Anfang 2017 wurde das Landgericht Krefeld - als erstes Gericht in der nordrhein-westfälischen Justiz überhaupt - mit seinen Daten und Fachverfahren erfolgreich in die zentrale IT-Betriebsstelle der Justiz in Münster migriert.

13 Landgerichte und ein Sozialgericht sind dem seither gefolgt. Hier in Aachen ist die Migration zu meiner Freude frisch vollbracht: Seit Montag arbeiten die hiesigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der neuen Umgebung. Ich freue mich sehr, dass Sie, sehr geehrte Frau Fleischer, hier in Aachen damit auf eine Ihnen bereits bestens vertraute Arbeitsumgebung treffen.

Sehr geehrte Frau Fleischer,

es ist kein Geheimnis, dass die Ihnen in Krefeld anvertrauten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Sie nur höchst ungern haben ziehen lassen. Dies wundert nicht: Der persönliche Kontakt zu den Angehörigen aller Dienstzweige ist Ihnen ein besonderes Anliegen. Beispielhaft sei das gemeinsame „Wachtmeisterfrühstück“ erwähnt, mit welchem Sie sich zum Jahresende bei den Krefelder Wachtmeisterinnen und Wachtmeistern für die während des Jahres geleistete Arbeit zu bedanken pflegen.

Ebenso war es Ihnen ein echtes Bedürfnis, sich am gestrigen Tag mit einem Fest bei Mitarbeitern, Ehemaligen und Weggefährten in Krefeld zu verabschieden.

Sehr geehrte Frau Fleischer,

nicht nur beruflich, sondern auch privat sind Sie unglaublich aktiv. Als leidenschaftliche Tennisspielerin trainieren Sie nicht nur regelmäßig im heimischen Tennisverein, sondern sind auch Teilnehmerin der Medenspiele.

Auch sonst sind Sie ein sportlicher Mensch, der Wanderurlaube in Südtirol schätzt und gern die Welt bereist. Die ein- oder andere Wandertour soll Sie auch schon in das Hohe Venn geführt haben. Sicherlich werden Sie in Zukunft reichlich Gelegenheit haben, den Aachener Gerichtsbezirk und seine Umgebung weiter zu erkunden. Vermutlich werden Sie hierfür allerdings nicht auf Ihre Wanderschuhe, sondern auf Ihr Cabrio zurückgreifen, mit welchem Sie in Zukunft die Anfahrt vom Niederrhein zu meistern haben werden.

Mit an Bord wird gewiss stets Ihre Begeisterung für den Fußball und die Mönchengladbacher Borussia sein. Als Jahreskarteninhaberin soll man Sie gemeinsam mit Ihrem Ehemann häufig im Stadion sehen. Ich bin zuversichtlich, dass Ihre Leidenschaft - wenn auch nicht bei vielleicht anwesenden Kölner FC-Fans - so aber doch hier bei den Aachenern auf viele Sympathien treffen wird.

Sehr geehrte Frau Fleischer,

nachdem Sie sich bei der Leitung des Landgerichts Krefeld herausragend bewährt haben, wird Ihnen heute die Leitung des großen Landgerichts Aachen anvertraut.

Ich bin mir sicher, dass Sie die anstehenden Aufgaben gemeinsam mit den hiesigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern glänzend meistern werden.

Für Ihr neues Amt wünsche ich Ihnen eine immer glückliche Hand sowie viel Freude und Erfolg!

Ich darf Sie daher nun zu mir nach vorne bitten, damit ich Ihnen die Ernennungsurkunde aushändigen kann.

Ihnen, meine sehr verehrten Damen und Herren, danke ich für Ihre Aufmerksamkeit.

Für Fragen, Kommentare und Anregungen steht Ihnen zur Verfügung: pressestelle@jm.nrw.de