Justizministerium NRW
Quelle: Justiz NRW

Grußwort von Justizminister Thomas Kutschaty anlässlich der Amtseinführung des Leiters der Justizvollzugsanstalt Münster und Würdigung der Amtsvorgängerin

11.01.2016

Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede,

mehr als ein Jahr ist es her, dass Sie, liebe Frau Look, nach über 13 Jahren als Anstaltsleiterin hier in Münster Richtung Werl aufgebrochen sind. Hoffentlich ist niemand auf die Idee gekommen, mein Haus sei so sehr in die Standortsuche für einen Neubau der Anstalt eingebunden gewesen, dass das Stellenbesetzungsverfahren völlig ins Hintertreffen geraten sei. Eine solche  Annahme ginge völlig fehl, waren es doch gänzlich andere Gründe, die zur zeitlichen Verzögerung der Stellenbesetzung geführt haben. Umso mehr freut es mich, dass ich mit Ihnen, lieber Herr Heim, heute endlich den neuen Leiter der JVA Münster präsentieren kann. Leider kann ich Ihnen bezüglich des geplanten Neubaus immer noch keinen endgültigen Durchbruch vermelden.

Da dieses Projekt verständlicherweise aber das Thema in Münster ist, möchte ich die Gelegenheit gerne nutzen, mich zunächst hierzu zu äußern. Ich kann sehr gut nachempfinden, dass alle der JVA Münster beruflich oder ehrenamtlich Verbundenen die gegenwärtige Situation der Ungewissheit als sehr unbefriedigend, wenn nicht gar belastend erleben. Die große Resonanz auf die Standortsuche hat mir erneut vor Augen geführt, welchen hohen ideellen und auch materiellen Wert ein etablierter Justizvollzugsstandort wie Münster hat.

Ich weiß, dass Sie, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mehr als 150 Jahre währende Tradition eines erfolgreichen Justizvollzuges in Münster gerne auch zukünftig hier in der Gartenstraße fortsetzen würden. Und da scheint  Ihre Mitte des Jahres schriftlich an mich herangetragene Anregung, die mühsame Standortsuche zu Gunsten der Erneuerung der Bestandsanstalt ad acta zu legen, im wahrsten Sinne des Wortes naheliegend. Leider macht uns aber insbesondere der bauliche Zustand dieses doch großen Gebäudes einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Aber auch der Umstand, dass eine Sanierung der Liegenschaft nicht nur während der Umbauphase, sondern  dauerhaft eine deutliche Reduzierung der Haftplatzkapazität nach sich ziehen würde, spricht letzten Endes eindeutig gegen diesen Vorschlag. Denn wie Sie alle wissen, sieht das Justizmodernisierungsprogramm für Münster sogar eine Erhöhung der Haftplatzzahl von 528 auf 640 vor.

Meine Damen und Herren,

ich gebe zu: Die Suche nach einem geeigneten Standort für das geplante Neubauvorhaben hat sich als deutlich schwieriger als zunächst erwartet herausgestellt. Ich stehe nach wie vor zu meinem Bekenntnis zum Standort „Stadtgebiet Münster“! Gut Ding will aber bekanntlich einfach Weile haben. Ich werde mich weiterhin nach Kräften für eine Ansiedlung des Neubaus der JVA Münster in einem sehr überschaubaren Radius um das Land- und Amtsgericht einsetzen.  

In weiser Voraussicht, dass ein solches Bauvorhaben umso erfolgreicher gelingen kann, wenn von Anbeginn eine konstante Größe in der Leitung vorhanden ist, haben Sie, liebe Frau Look, sich im Jahr 2014 nochmal für eine vollzugliche Veränderung entschieden. Ihre Bewerbung überraschte damals Viele, ist in Vollzugskreisen doch hinlänglich bekannt, dass Sie die JVA Münster immer sehr gerne geleitet haben und als eingefleischte Münsteranerin sowohl an der Stadt als auch den Menschen hier „hängen“. Sie haben den Vollzug am Standort Münster über mehr als ein Jahrzehnt aktiv gestaltet, waren dessen anerkannte und geschätzte Repräsentantin. Nichts liegt Ihnen ferner als das bloße Verwalten des Ist-Zustands. Sie sind bekannt als eine Frau der Tat -  getreu dem Motto „Packen wir’s an!“. Und aus sicherer Quelle weiß ich, dass Sie diese Eigenschaften nicht hier zurückgelassen, sondern mit nach Werl genommen haben!

Liebe Frau Look,

natürlich hätten Sie auch die mit einem Neubau verbundene Mammutaufgabe dank Ihrer ungemeinen Energie, Ihrer anerkannten Fachlichkeit und nicht zuletzt Ihrer herausragenden persönlichen Kompetenzen bis zu Ihrem wohlverdienten Ruhestand in bekannter Weise bestens gemeistert.

Aber es ist Ausdruck Ihrer geschätzten Gradlinigkeit und Ihres Verständnisses für das Gesamtgefüge Justizvollzug, dass Sie im Jahr 2014 erklärt haben, den Staffelstab für die JVA Münster und deren Neubau in kompetente, jüngere Hände geben zu wollen.

Und mit Ihnen, lieber Herr Heim, haben wir eine Person gefunden, die diesem Anforderungsprofil bestens gerecht wird. Als Münsteraner mit vielen Jahren Pendlererfahrung dürfte mit der beruflichen Rückkehr in die Heimatstadt ein kleiner, vielleicht sogar ein großer Traum in Erfüllung gegangen sein. Dass Sie ein Kind der Stadt sind, veranschaulicht folgende Kurzdarstellung Ihres Lebenslaufs: Geboren in Münster, aufgewachsen in Münster, Studium der Psychologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Start Ihrer Karriere im Justivollzug hier bei der JVA Münster als Psychologe. Im November 1991 verschlug es Sie dann ins benachbarte Ruhrgebiet an die JVA Gelsenkirchen, die heutige Sozialtherapeutische Anstalt Gelsenkirchen. Nach mehreren Jahren als Anstaltspsychologe wurden Ihnen dort im Februar 2002 mit der Bestellung zum ständigen Vertreter des Anstaltsleiters erstmals verantwortungsvolle Führungsaufgaben übertragen.

Ab da ging es karrieremäßig steil bergauf! Bereits im Jahr 2005 wurden Sie zum Leiter der Sozialtherapeutischen Anstalt ernannt und sechs Jahre später standen Sie an der Spitze der 1998 in Betrieb genommenen JVA Gelsenkirchen.

Und da stoße ich neben der Verbundenheit zur Stadt Münster doch gleich auf weitere Parallelen zwischen Ihnen und Frau Look: Sie haben sich in den letzten Jahren als ebenso kompetenter wie erfolgreicher Anstaltsleiter erwiesen. Ausruhen ist für Sie ein Fremdwort. Sie bringen den Vollzug da, wo Sie sind, voran und gelten als Behördenleiter zum Anfassen! Organisations- und Personalentwicklung sehen Sie als ständige Aufgabe – Ihre Kollegin Look wird Ihnen auch in dieser Auffassung beipflichten. Sie, liebe Frau Look, haben anlässlich Ihres Wechsels nach Werl in einem Presseinterview eine – wie ich finde – sehr wahre Aussage getroffen: „Man muss Menschen mögen, um im Vollzug zu arbeiten!“ Ich bin davon überzeugt, dass diese Eigenschaft bei Ihnen beiden sehr deutlich ausgeprägt ist und in einer dienstlichen Beurteilung mit dem höchsten Grad „D“ zu bewerten wäre. Dass Sie beide gerne das Fahrrad als Fortbewegungsmittel nutzen, ist für Nicht-Münsteraner nett zu wissen; in Münster, der Fahrradhauptstadt Deutschlands, erfüllen Sie damit aber ein ungeschriebenes Merkmal des Behördenleiterprofils!

Lieber Herr Heim,

Ich habe keinen Zweifel daran, dass die JVA Münster auch bei Ihnen in sehr guten Händen sein wird. Mit dem geplanten Neubauvorhaben werden arbeitsintensive und anstrengende, aber auch spannende und herausfordernde Zeiten auf Sie zukommen. Vielleicht hat dies auch einen besonderen Anreiz für Ihre Bewerbung auf die Anstaltsleitung der JVA Münster gegeben. Gewiss werden Sie sich diesen Herausforderungen stellen und bestehende Hürden überwinden. Und in einem können Sie sicher gehen. Hinter Ihnen steht bei alledem eine motivierte und kompetente Belegschaft! Falls Sie sich fragen, wie ich zu dieser Überzeugung komme? Hier am Standort Münster wird seit jeher „ein guter Vollzug gemacht“ und in schwierigen Zeiten stehen die Münsteraner erst recht zusammen. Das haben Sie, lieber Herr Silwedel, in den letzten 15 Monaten einmal mehr mit Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Als der Übergangsanstaltsleiter haben Sie hier in durchaus unruhigen Zeiten - da denke ich auch an die Schließung der Zweiganstalt Coesfeld - das „Schiff tapfer auf Kurs gehalten“. Dabei hat Sie die Ungewissheit, wann die neue Anstaltsleiterin oder der neue Anstaltsleiter den Dienst wird aufnehmen können, zu keinem Zeitpunkt resignieren lassen. Dafür gebührt Ihnen allen von Herzen mein ganz besonderer Dank! 

Am Ende meiner Ausführungen möchte ich doch noch einmal den Bogen zu einer schon erwähnten Gemeinsamkeit der heutigen Hauptpersonen spannen: dem Fahrrad fahren. Gäbe es in Anlehnung an ein großes Radsportereignis eine „Tour de Vollzug Westfalen“, wären Sie als die Kapitäne starker Teams gesetzt. Für eine weiterhin erfolgreiche Tour wünsche ich Ihnen und Ihren Teams Werl bzw. Münster alles erdenklich Gute! Mögen Sie jeweils gemeinsam Höhen und Tiefen mit dem notwendigen Durchhaltevermögen bewältigen, um am Ende jeder einzelnen Etappe sagen zu können, es war der Mühe wert!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

 

 

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