Justizministerium NRW
Quelle: Justiz NRW

Grußwort von Justizminister Kutschaty anlässlich der Verabschiedung des Präsidenten des Verwaltungsgerichts a.D. Dr. Ulrich Morgenstern und der Ernennung des neuen Präsidenten des Verwaltungsgerichts Jürgen Jaenecke in Arnsberg

13.01.2016


Es gilt das gesprochene Wort!

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

es ist mir eine große Freude, heute mit Ihnen hier im schönen Sauerland den Wechsel an der Spitze des Verwaltungsgerichts Arnsberg feiern zu dürfen. Der bisherige Präsident, Dr. Ulrich Morgenstern, ist vor gut zwei Wochen in den wohlverdienten Ruhestand getreten. Ihm heute zu danken, ist mir ein besonderes Anliegen. Zugleich möchte ich seinen Nachfolger, Herrn Jürgen Jaenecke, in das Amt einführen.

Sehr geehrter Herr Dr. Morgenstern,

zunächst gebührt Ihnen Dank und Anerkennung für ihre Leistungen in der Justiz unseres Landes. Bemerkenswerte 22 ½ Jahre haben Sie das Verwaltungsgericht Arnsberg erfolgreich geleitet. Sie sind damit einer der am längsten amtierenden Verwaltungsgerichtspräsidenten. Dass ein Richter über einen Zeitabschnitt solch nachhaltiger Dauer das Amt eines Präsidenten innehat, bedarf wahrlich besonderer Erwähnung.

Nicht nur hier in Arnsberg, sondern in der gesamten Verwaltungsgerichtsbarkeit stellt man daher zu Recht fest, dass mit Ihrem Abschied eine „Ära“ zu Ende geht.

Nachdem Sie im vergangenen Jahr Ihr 40-jähriges Dienstjubiläum gefeiert haben, vollendet sich nun mit Ihrem Eintritt in den Ruhestand eine herausragende juristische Karriere. Wenngleich viele der hier Anwesenden Sie bestens kennen, möchte ich die wichtigsten Stationen Ihres Werdegangs noch einmal kurz nachzeichnen.

Geboren wurden Sie in Clausnitz im Erzgebirge. Kurz nach Ihrer Einschulung flüchtete Ihre Familie aus der DDR und Sie fanden in Nordrhein-Westfalen eine neue Heimat. Ihr Studium der Rechtswissenschaft absolvierten Sie im Herzen des Ruhrgebiets in Bochum. Mit der Ruhr-Universität waren sie zunächst als Wissenschaftlicher Assistent und darüber hinaus noch für lange Zeit als Lehrbeauftragter eng verbunden.

Ihre richterliche Laufbahn begannen Sie 1981 am Verwaltungsgericht Düsseldorf, wo Sie bereits ein Jahr später zum Richter am Verwaltungsgericht ernannt wurden. Im Hinblick auf Ihre − so heißt es in Ihrer Personalakte so nett − „hervorstechenden Examensergebnisse“ erschien es - so damals wörtlich - „vertretbar“, auf „die Anforderung der Personalakten der Ruhr-Universität zu verzichten“. Dieses „mutige“ Vorgehen hat sich wahrlich sehr rasch als unschädlich erwiesen.

Ihr weiterer Werdegang führte Sie im Mai 1985 für etwas mehr als drei Jahre in das Justizministerium des Landes Nordrhein-Westfalen. Hier waren Sie in der Abteilung II vor allem für das Gerichtsverfassungs- und Verfahrensrecht der Verwaltungs- und Finanzgerichtsbarkeit zuständig. Noch während Ihrer Abordnung wurden Sie im September 1987 zum Richter am Oberverwaltungsgericht ernannt. Dort wurde Ihnen neben den Rechtsprechungsaufgaben auch die Funktion des Organisationsdezernenten übertragen. Im Juni 1993 übernahmen Sie sodann im Alter von 42 Jahren als Präsident die Leitung des Verwaltungsgerichts Arnsberg.

Neben Ihrer hauptberuflichen Tätigkeit waren Sie gut 15 Jahre lang ehrenamtlich Mitglied der Verwaltungskammer der Evangelischen Kirche von Westfalen, also des kirchlichen Verwaltungsgerichts der Evangelischen Kirche. Zehn Jahre davon in der Rolle des Vorsitzenden. Im vergangenen Jahr haben Sie zur Verabschiedung aus diesem Ehrenamt das Bronzekreuz der westfälischen Landeskirche erhalten.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich Ihre über 20 jährige Tätigkeit als Vorsitzender von Prüfungskommissionen des Landesjustizprüfungsamtes. Hier haben Sie sich tatkräftig in der Zweiten juristischen Staatsprüfung engagiert und leisteten damit auch an dieser Stelle Ihren Beitrag für den juristischen Nachwuchs. Generationen von Rechtsreferendarinnen und -referendaren wurden von Ihnen mündlich geprüft. Wer kann das von sich behaupten! Und es freut mich besonders, zu hören, dass Sie dem Prüfungsamt weiterhin verbunden bleiben.

Bei all diesen Aufgaben haben Sie erkennen lassen, dass Ihnen nicht nur das Verwaltungsrecht, sondern vielmehr noch die Menschen und vor allem die Ihnen als Gerichtspräsident anvertrauten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ans Herz gewachsen sind. Ihre offene und unkomplizierte Art sowie Ihre besondere Fähigkeit im Umgang mit Menschen waren für die Ausübung Ihres Amtes kennzeichnend. Sie genießen nicht zuletzt deshalb allseits höchste Achtung und Wertschätzung, was durch die große Zahl der heutigen Gäste eindrucksvoll belegt wird, darunter viele Ihrer Weggefährten. Unter diesen befinden sich − soweit ich dies heute richtig sehe − auch einige der ehemaligen Dezernenten des Oberverwaltungsgerichts, aus deren Kreis sich − wie ich gehört habe − seit Jahrzehnten ein jährliches Wochenendtreffen gemeinsam mit den Ehefrauen etabliert hat.

Sehr geehrter Herr Dr. Morgenstern,

von Ihrem Namensvetter, dem Schriftsteller Christian Morgenstern, stammt das Zitat: „Wir stehen an einem Ende, wir sind ein Anfang.“

Zweifelsohne können Sie auf Ihre beeindruckende Karriere mit Stolz zurückblicken. Der jetzt beginnende Lebensabschnitt wird Ihnen dafür allerdings mehr Zeit für Freunde und Familie lassen. Dem Vernehmen nach zeichnet Sie eine musikalische Vorliebe für Blechbläser und klassische Musik sowie für Museumsbesuche jeglicher Art aus. Auch habe ich gehört, dass Sie häufig nach Berlin fahren, um dort Ihr Enkelkind zu besuchen. Mit diesem sollen Sie regelmäßig „gemeinsam“ den einen oder anderen Berliner Kinderspielplatz einer „ordnungsrechtlichen“ Überprüfung unterziehen. Sicherlich werden Sie sich jetzt erst recht die Zeit nehmen, so manchen Kinderspielplatz − wie man es bei einem Verwaltungsrichter im Ruhestand erwarten darf − genauestens unter die ordnungsrechtliche Lupe zu nehmen.

Sehr geehrter Herr Dr. Morgenstern,

für Ihr langjähriges Wirken im Dienst der Justiz unseres Landes danke ich Ihnen sehr herzlich und wünsche Ihnen für Ihren wohlverdienten Ruhestand alles erdenklich Gute und viele glückliche Stunden im Kreis Ihrer Familie!

Sehr geehrter Herr Jaenecke,

mit dem heutigen Tag treten Sie an die Spitze des Verwaltungsgerichts Arnsberg. Ich freue mich sehr, dass ich heute für die Landesregierung die Aufgabe wahrnehmen darf, Sie zum neuen Präsidenten dieses Gerichts zu ernennen. Mit Ihrer Ernennung kehren Sie − nach einer äußerst abwechslungsreichen Tour durch vielfältige Wirkungsstätten − dorthin zurück, wo Ihre berufliche Karriere ihren Ausgang genommen hat.

Bei all den Wegen und Stationen, die Sie bisher schon gemeistert haben, verwundert es kaum, dass Sie − das darf ich vorweg verraten − auch privat gerne „auf Achse“ sind. Abgesehen von so mancher Wandertour ist es vor allem die Leidenschaft des Motorradfahrens, die man mit Ihnen verbindet. Dem Vernehmen nach sollen Sie sogar mit Begeisterung Motoroad-Oldtimer restaurieren − zuletzt wohl eine BMW R 25/3, Baujahr 1955.

Wenngleich auch Sie, lieber Herr Jaenecke, Vielen der hier Anwesenden bereits bestens vertraut sind, möchte ich gleichwohl noch einmal alle auf Ihre bisher absolvierte „Tour“ mitnehmen.

Sie wurden als „Kind des Rheinlandes“ in Köln geboren und sind zunächst dort und anschließend in Rheinbach aufgewachsen. Nach Ihrem Abitur waren Sie Zeitsoldat und Reserveoffizier bei der Flugabwehr im Bergischen Land und zwar in Wuppertal. Das Studium der Rechtswissenschaften absolvierten Sie an der Universität in Bonn. 1989 traten Sie sodann − hier in Arnsberg − als Verwaltungsrichter in den Dienst unseres Landes ein, wo sie auch zum Richter auf Lebenszeit ernannt wurden. Noch während Ihrer Probezeit waren Sie ein Jahr an die Kreisverwaltung in Lüdenscheid abgeordnet. Privat zog es Sie und Ihre Familie zu jener Zeit ebenfalls in das Sauerland und zwar letztendlich an den schönen Möhnesee.

Auch wenn der Möhnesee eher zum „Verweilen“ einlädt − Ihre „Tour“ war längst noch nicht zum Stillstand gekommen. Ganz im Gegenteil. Man möchte sagen, dass Sie noch einmal „ordentlich Fahrt“ aufgenommen hatten.

Im Zuge der personellen Hilfe des Landes Nordrhein-Westfalen bei dem Aufbau der Justiz des Landes Brandenburg haben Sie sich 1994 für ein Jahr an das Oberverwaltungsgericht in Frankfurt a.d. Oder abordnen lassen. Direkt anschließend folgte im Januar 1995 die neunmonatige Abordnung zur Erprobung an das Oberverwaltungsgericht in Münster. Von dort ließ man Sie noch einmal zurück nach Arnsberg ziehen, dies allerdings nur noch für wenige Monate bis zu Ihrer Ernennung zum Richter am Oberverwaltungsgericht im Januar 1996. Dort übernahmen Sie im Jahr 2000 die Funktion des Dezernenten für die Gerichtsorganisation sowie 2011 die Aufgaben des Personaldezernenten. Bereits 2005 waren Sie zum Vorsitzenden Richter am Oberverwaltungsgericht ernannt worden.

Auch und gerade in der Gerichtsverwaltung haben Sie an vielen wichtigen Projekten mitgewirkt und dabei für die Verwaltungsgerichtsbarkeit − zum Teil auch für die gesamte Justizverwaltung − ganz wesentliche Akzente gesetzt. Dies gilt vor allem für die Projekte zur Einführung des elektronischen Rechtsverkehrs, der elektronischen Akte und des elektronischen Richterarbeitsplatzes.

Als Leiter einer entsprechenden Arbeitsgruppe waren Sie zuletzt maßgeblich an der Erstellung des Personalentwicklungskonzeptes der nordrhein-westfälischen Verwaltungsgerichtsbarkeit beteiligt. Man möchte mithin sagen, Ihr „Antrieb“ ist ungebremst. Dabei ist inzwischen der „Gepäckträger“ bestens gefüllt mit allem was Sie für die zukünftigen Aufgaben, die in Ihrem neuen Amt auf Sie zukommen, benötigen. Und mit den tatkräftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Verwaltungsgerichts Arnsberg − um im Bild zu bleiben: auf dem „Soziussitz“ − kann und wird Sie zweifelsohne so schnell auf der weiteren „Tour“ nichts aus der Kurve werfen. Dies gilt erst recht in Anbetracht Ihrer freundlichen und hilfsbereiten Art, die Sie als Kollege, als Senatsvorsitzender, als Personaldezernent und als Mediator stets ausgezeichnet hat und nunmehr nicht minder auch als Präsident auszeichnen wird.

Sehr geehrter Herr Jaenecke,

das Verwaltungsgericht Arnsberg gewinnt mit Ihnen nicht nur einen exzellenten Juristen und Verwaltungsfachmann mit beeindruckenden Führungsqualitäten, es gewinnt auch einen zielstrebigen, souveränen Präsidenten, der bei alledem − ebenso wie sein Vorgänger − sein Herz am rechten Fleck hat. Ich bin mir deshalb sicher, dass Sie genau der Richtige für die auf Sie wartenden Aufgaben sind!

Sehr geehrter Herr Dr. Morgenstern,

sehr geehrter Herr Jaenecke,

ich darf Sie nun beide zu mir nach vorne bitten, damit ich Ihnen − Herr Dr. Morgenstern − nachträglich Ihre Ruhestandsurkunde und Ihnen − Herr Jaenecke − Ihre Ernennungsurkunde aushändigen kann.

Ihnen, meine sehr verehrten Damen und Herren, danke ich für Ihre Aufmerksamkeit.

Für Fragen, Kommentare und Anregungen steht Ihnen zur Verfügung: pressestelle@jm.nrw.de