Justizministerium NRW
Quelle: Justiz NRW

Grußwort von Staatssekretär Karl-Heinz Krems anlässlich der Verabschiedung des Präsidenten des Landgerichts a.D. Dr. Günter Schwieren und der Einführung des Präsidenten des Landgerichts Klaus Petermann in Bielefeld

11.03.2016

Es gilt das geprochene Wort!

Sehr geehrter Herr Vorsitzender des Rechtsausschusses Dr. Wolf,

meine Damen und Herren Abgeordnete,

sehr geehrter Herr Bürgermeister,

verehrter Herr Keders,

meine Damen und Herren,

und natürlich besonders lieber Herr Dr. Schwieren, lieber Herr Petermann,

es ist mir eine große Freude, heute zu Ihnen sprechen zu können. Denn der Anlass des heutigen Termins ist ein schöner!

Zum einen möchten wir uns heute bei Ihnen, lieber Herr Dr. Schwieren bedanken für die vielen Jahre, die Sie in der nordrhein-westfälischen Justiz gewirkt haben, und zum anderen möchte ich den (nicht ganz) neuen Präsidenten des Landgerichts, Sie lieber Herr Petermann, in sein Amt einführen.

Sehr geehrter Herr Dr. Schwieren, 

Ihnen gebühren Dank und Anerkennung für Ihre vielfältigen Lei­stungen im Dienste der Justiz und der Menschen unseres Landes. Fast zehn Jahre haben Sie zuletzt das Landgericht Bielefeld er­folg­reich geleitet.

Ihre richterliche Laufbahn begann 1979 am Landgericht Dortmund, wo Sie - nach kurzzeitigen Ausflügen zu den Amtsgerichten Gelsenkirchen und Werl - im Januar 1983 Ihre erste Planstelle erhielten. Bald wurde Ihr großes Talent für Verwaltungsfragen erkannt. Und so wundert es nicht, dass Sie schnell Präsidialrichter und Pressesprecher wurden. Schon vier Jahre später, nämlich im Oktober 1987 kamen Sie in das Justizministerium. Dort leiteten Sie das Referat für die Personalangelegenheiten der Proberichter, der Fachhochschule für Rechtspflege, der Justizakademie sowie der Beamten, Angestellten und Arbeiter der ordentlichen Gerichtsbarkeit.

Noch während Ihrer Abordnung wurden Sie im November 1989 zum Richter am Oberlandesgericht ernannt.

Dort arbeiteten Sie zunächst in einem Bausenat, bevor Sie von 1995 bis 1998 in der Verwaltungsabteilung des Oberlandesgerichts die richterlichen Personalangelegenheiten übernahmen. Mit sicherem Gespür für zukunftssichernde Anforderungen stellten Sie das Auswahlverfahren für den richterlichen Nachwuchs auf eine neue Basis, auch indem Sie externen Sachverstand für Supervisionen und Workshops hinzuzogen. In diese Zeit fiel auch die von Ihnen vorangetriebene Umstellung der Personalverwaltung auf eine vernetzte Datenverarbeitung. Schwerpunkte setzten Sie zudem im Bereich der Reorganisation. Mit der Initiierung instanzübergreifender Workshops legten sie Grundlagen für die Organisationsentwicklung des Bezirks.

Daher wundert es nicht, dass Sie schnell zum Vizepräsidenten des Landgerichts Essen ernannt wurden. Hervorzuheben ist hier Ihr Engagement bei der flächendeckenden Einrichtung von Serviceeinheiten, aber auch und gerade Ihre Tätigkeit in der Rechtsprechung als Vorsitzender einer Zivilkammer, in der Sie deutlich werden ließen, welch wichtiges Anliegen Ihnen diese Kernaufgabe der Justiz gegenüber dem rechtssuchenden Bürger ist.

Schon Ende Mai 2001 wurden Sie dann Vizepräsident des Oberlandesgerichts. Hier haben Sie sich höchste Anerkennung weit über die Grenzen des Oberlandesgerichtsbezirks erworden. Ihre verlässliche, ruhige und kompetente Art machten Sie zu einem wichtigen Faktor in diesem großen Bezirk, immerhin dem größten in ganz Deutschland.

Am 1. Juli 2006 war es schließlich soweit und Sie wurden zum Präsidenten des Landgerichts in Bielefeld ernannt, was für Sie insofern eine "Rückkehr" darstellte, als hier alles einmal seinen Anfang genommen hatte, hatten Sie doch im Wintersemester 1971/72 den Grundstein Ihrer juristischen Karriere an der Universität Bielefeld gelegt.

Von Anfang an verstanden Sie es, die Kolleginnen und Kollegen für sich zu gewinnen. Konfliktfrei mit ruhiger Hand und in der Sache stets unbeirrbar haben Sie dank Ihres Organisationsgeschicks und strategischen Weitblicks den großen Landgerichtsbezirk über eine fast zehnjährige Amtszeit hinweg höchst erfolgreich geführt, ja ich würde fast sagen geprägt.

Dabei war einer Ihrer Schwerpunkte immer  die Ausbildung des juristischen Nachwuchses. Seit Jahrzehnten engagieren Sie sich im Landesjustizprüfungsamt und im Justizprüfungsamt des Oberlandesgerichts Hamm.

Über Ihre Prüfungstätigkeit werden Sie der Justiz sicherlich noch einige Zeit verbunden bleiben. Auch dafür danke ich Ihnen sehr. Denn die Justiz braucht auch weiterhin guten Nachwuchs!

Sie haben nicht nur durch Ihre herausragende Sachkompetenz überzeugt, sondern insbesondere durch Ihre Leidenschaft und den persönlichen Einsatz, mit dem Sie Ihr Amt ausgefüllt haben. Nicht die richtige Sachentscheidung allein, sondern ihre soziale Verträglichkeit und Einbettung in einen allseits akzeptierten gesellschaftlichen Kontext waren stets Ziel und Ergebnis Ihrer Arbeit. Daneben war Ihre Karriere natürlich auch dadurch geprägt, dass Sie immer bereit waren, sich neuen Herausforderungen zu stellen, neue Aufgaben anzunehmen und sich selbst dadurch auch weiterzuentwickeln.

Ende November vergangenen Jahres hat sich nun Ihre beeindruckende Karriere vollendet, auf die Sie mit Stolz zurückblicken können.

Ihrem Nachfolger haben Sie ein bestens bestelltes Haus übergeben. Der jetzt beginnende Lebensabschnitt wird Ihnen mehr Raum für Ihre Familie und viele andere - schöne - Dinge geben. Ihr Betätigungsfeld ist weit gefächert: Sie sind Mitglied der Synode der evangelischen Kirche in Westfalen. In Ihrer Freizeit joggen Sie und spielen Golf. Sie reisen gerne und kommen gerade aus Neuseeland zurück. Eine besondere Neigung gilt der Kunst: Sie sind nicht nur ein großer Kenner der Malerei, sondern auch selbst begabt. Ich habe mir sagen lassen, in Ihrem Büro hing bis zuletzt ein von Ihnen gemaltes Bild des Justizministeriums. Sie werden verstehen, dass mich dies besonders erfreut, zumal ich vermute, dass Ihr Antrieb, gerade dieses Motiv für Ihre künstlerische Entfaltung zu wählen, nicht allein auf der schönen Außenansicht unseres Dienstgebäudes beruht, sondern vor allem an die Erinnerung an Ihre ministerielle Zeit anknüpft.

Lieber Herr Dr. Schwieren,

für Ihr Wirken im Dienst der Justiz unseres Landes danke ich Ihnen sehr herzlich und wünsche Ihnen für Ihren wohlverdienten Ruhestand alles Gute, vor allem natürlich Gesundheit!

Jetzt komme ich zu Ihnen, lieber Herr Petermann!

vor genau einem Monat hat Ihnen der Minister in diesem Gebäude die Ernennungsurkunde zum Präsidenten des Landgerichts ausgehändigt. Und darüber habe ich mich auch persönlich sehr gefreut. Denn wir kennen uns seit meinem Amtsantritt als Staatssekretär vor knapp vier Jahren und haben in dieser Zeit sehr eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet.

Doch der Reihe nach! Auch Ihren Lebensweg will ich kurz zusammenfassen:

Auch Ihre bisherige berufliche Laufbahn ist dadurch gekennzeichnet, dass Sie sich immer wieder neuen beruflichen Herausforderungen gestellt haben. Dabei gab und gibt es eine Konstante:

Bielefeld!

Denn hier in diesem Gebäude begann Ihre Laufbahn als Richter im Jahr 1994. Hier erhielten Sie im Jahr 1996 Ihre erste Planstelle bevor Sie dann im November 1999 zum Richter am Oberlandesgericht Hamm ernannt wurden. In Hamm waren Sie zunächst in einem Senat für Familiensachen. Anfang 2002 übernahmen Sie die Leitung des mit Fragen der Justizreform und Gesetzgebungsvorhaben befassten Dezernats, bevor Sie ab Juni 2003 für fast sechs Jahre das für die IT-Angelegenheiten zuständige Dezernat leiten sollten. Im April 2009 folgte Ihre Ernennung zum Vizepräsidenten des Landgerichts Bielefeld. Doch dieses Mal sind Sie nicht so lange geblieben. 

Schon wenige Monate später wechselten Sie schließlich ins Justizministerium als Gruppenleiter und Ständiger Vertreter des Leiters der für Haushalt, Informationstechnik, Liegenschaften und Organisation zuständigen Abteilung I. Zu Ihren Aufgaben gehörte eine Vielzahl äußerst komplexer und für alle Geschäftsbereiche der Justiz besonders wichtiger Querschnittsaufgaben. Mit großem Erfolg konnten Sie hier zukunftsweisende Modernisierungsmaßnahmen für die gesamte Justiz initiieren. Als Schwerpunkte Ihrer Tätigkeit nenne ich nur exemplarisch den Aufbau eines strategischen Controllings auf der Ebene des Justizministeriums und der Mittelbehörden, die Einführung des elektronischen Rechtsverkehrs und der elektronischen Akte, zu der Sie wesentliche Impulse lieferten, vor allem aber die Ausgestaltung der IT-Neustrukturierung innerhalb der gesamten Justiz. Der Zentralisierungsprozess ist aktuell in vollem Gange. Sie haben dazu an entscheidender Stelle wichtige Weichen gestellt.

Dass Meilensteine dieser schwierigen und für die gesamte Landesjustiz so bedeutsamen Umstrukturierung erreicht werden konnten beruht ganz maßgeblich auf Ihrer Arbeit!

Sie haben sich durch Ihre verlässliche, zugewandte und kommunikative Art ein Ansehen in allen Bereichen unserer großen nordrhein-westfälischen Justiz erworben, das seinesgleichen sucht. Dabei nehmen Sie auch große Herausforderungen an, wie zum Beispiel die bereits erwähnte Einführung des elektronischen Rechtsverkehrs. Deswegen vertraut die Landesregierung Ihnen dieses schöne Gericht und natürlich vor allen Dingen die Kolleginnen und Kollegen an, die in diesem großen Landgerichtsbezirk arbeiten.

Lieber Herr Petermann,

Sie wohnen auch im schönen Ostwestfalen.

Und deswegen war damals Ihre Entscheidung, eine neue berufliche Herausforderung im Justizministerium anzunehmen auch zugleich eine, die Ihre Familie auch besonders betraf. Und deswegen möchte ich diese Gelegenheit nutzen, um mich auch bei Ihrer Frau und Ihrem Sohn zu bedanken, dass Sie das mitgetragen haben! Selbstverständlich ist das nicht.

Daher freue ich mich besonders, dass Ihre Karriere Ihnen Recht gegeben hat! Sie haben einen unbequemen Weg eingeschlagen, einen ungewissen, von dem Sie nicht wissen konnten, wohin er führt. Als Sie nach Düsseldorf gegangen sind, wussten Sie noch nicht, dass Ihr Weg Sie wieder nach Bielefeld führen würde. Doch wenn jemand so schwierige und große Aufgaben derart fachlich und menschlich herausragend erledigt, ist diese Entwicklung nur konsequent!

Lieber Herr Petermann,

aus dieser kurzen Zusammenfassung Ihres bisherigen Wirkens ist unschwer zu erkennen, dass Sie ein überaus erfahrener Richter sowie moderner und innovationsfreudiger Verwaltungsfachmann sind. Aber auch außerhalb Ihres Berufes stehen Sie mitten im Leben. Erholung suchen Sie beim Klettern mit Ihrem Sohn, beim Skifahren und in der Beschäftigung mit der Kunst, ein Interesse, das Sie mit Ihrem Amtsvorgänger verbindet. Die Düsseldorfer Kunstszene werden Sie nun sicherlich nicht mehr so oft besuchen können. Aber auch Bielefeld hat als „Kulturhauptstadt Ostwestfalens“ für den Freund der schönen Künste viel zu bieten.

Nun sind Sie zu Ihren richterlichen Wurzeln nach Bielefeld zurückgekehrt. Für die nun vor Ihnen liegende neue Aufgabe sind Sie dank Ihrer bisherigen Erfahrungen, Ihres Organisationsgeschicks und Ihrer Gabe, Menschen mitzunehmen, bestens gerüstet.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen für Ihr neues Amt eine glückliche Hand sowie viel Freude und Erfolg!

Ihnen, meine sehr verehrten Damen und Herren, danke ich für Ihre Aufmerksamkeit.

Für Fragen, Kommentare und Anregungen steht Ihnen zur Verfügung: pressestelle@jm.nrw.de