Justizministerium NRW
Quelle: Justiz NRW

Grußwort von Justizminister Thomas Kutschaty anlässlich der Verabschiedung der Leitenden Oberstaatsanwältin Birgit Cirullies und der Einführung des Leitenden Oberstaatsanwalts Volker Schmerfeld-Tophof in Dortmund

08.04.2016

Es gilt das gesprochene Wort!

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

sehr gerne bin ich heute zu Ihnen nach Dortmund gekommen, um die Verdienste der bisherigen Leitenden Oberstaatsanwältin, Birgit Cirullies, zu würdigen und sie in ihren wohlverdienten Ruhestand zu verabschieden. Gleichzeitig möchte ich Ihnen ihren Nachfolger Volker Schmerfeld-Tophof vorstellen und in sein neues Amt einführen.

Sehr geehrte Frau Cirullies,

Ihnen gebühren Dank und Anerkennung für Ihre vielfältigen Leistungen im Dienst der Justiz unseres Landes. Mehr als vier Jahre haben Sie zuletzt die Staatsanwaltschaft Dortmund erfolgreich geleitet. Viele der Anwesenden haben Sie während dieser Zeit begleitet und kennen Sie bestens. Lassen Sie mich gleichwohl die wichtigsten Stationen Ihres Werdeganges kurz nachzeichnen.

Nach Ablegung Ihrer beiden Staatsexamen begannen Sie im Juli 1978 Ihre staatsanwaltliche Laufbahn, wobei Sie zunächst als Staatsanwältin hier in Dortmund eingesetzt waren. Im Rahmen des Laufbahnwechsels lernten Sie die richterliche Tätigkeit in einer Strafkammer des Landgerichts Dortmund kennen. Im September 1982 wurden Sie – wiederum hier in Dortmund – zur Staatsanwältin auf Lebenszeit ernannt.

In den folgenden Jahren erwarben Sie sich besondere Verdienste in politischen und Pressestrafsachen sowie beim Aufbau des Sonderdezernats „Gewalt gegen Frauen“, dessen Bearbeitung Sie sich mit besonderem Geschick und Fingerspitzengefühl widmeten.

Nach Ihrer Erprobung folgte Ihre Ernennung zur Oberstaatsanwältin bei der Generalstaatsanwaltschaft Hamm im Februar 1991, wo sie fortan als Dezernentin Rechts- und Verwaltungsangelegenheiten bearbeiteten und sich als Gleichstellungsbeauftragte für bessere Berufschancen für Frauen in der Justiz engagierten.

Ab September 1995 waren Sie für drei Jahre an das Justizministerium abgeordnet und als Referatsleiterin in der Strafrechtsabteilung mit der Fachaufsicht befasst, insbesondere im Zusammenhang mit der Vollstreckung von Maßregeln der Besserung und Sicherung.

Im Dezember 2000 wurden Sie - zunächst kommissarisch - bei der Staatsanwaltschaft Hagen mit den Aufgaben einer Behördenleiterin betraut. Mit Wirkung ab November 2001 wurden Sie zur dortigen Leitenden Oberstaatsanwältin ernannt. Elf Jahre prägten Sie diese Behörde, bis im Februar 2012 Ihre Ernennung zur Leitenden Oberstaatsanwältin hier in Dortmund erfolgte.

Sehr geehrte Frau Cirullies,

vor wenigen Tagen hat sich Ihre beeindruckende staatsanwaltliche Karriere vollendet, auf die Sie mit Stolz zurückblicken können. Als sie vor über vier Jahren an die Spitze der Dortmunder Staatsanwaltschaft traten, kehrten Sie an die Behörde zurück, bei welcher sie als junge Staatsanwältin Ihre staatsanwaltliche Laufbahn einst begannen.

Sicherlich ist es für Sie ein ganz besonderes Gefühl, heute an genau diesem Ort als hoch geschätzte Behördenleiterin in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet zu werden.

Sie haben die Behörde stets in vorbildlicher Weise zu repräsentieren vermocht. Im dienstlichen Umgang zeichneten Sie sich durch außergewöhnliche Einsatzbereitschaft, Organisationstalent, Umsicht und ein sicheres Gespür für die Belange der Praxis aus.

Mit Ihrer offenen und erfrischenden Art, Ihrer positiven Lebenseinstellung und Ihrem sympathischen Wesen haben Sie die Ihnen anvertrauten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitgenommen und Ihnen dort, wo es erforderlich war, den Rücken gestärkt.

Durch Ihren vorbildlichen Einsatz und Ihre herausragenden fachlichen wie menschlichen Qualitäten haben Sie sich über den Kollegenkreis hinaus großen Respekt und hohes Ansehen verschafft.

Sehr geehrte Frau Cirullies,

in knapp 38 Jahren im staatsanwaltlichen Dienst haben Sie sich allen Anforderungen hervorragend gewachsen gezeigt. Der jetzt beginnende neue Lebensabschnitt wird Ihnen mehr Zeit für Ihre Familie und die schönen Dinge des Lebens lassen.

Wie mir zugetragen wurde, sind Sie vor kurzem zum zweiten Mal stolze Großmutter geworden, wozu ich herzlich gratulieren darf.

Trotz der hohen Anforderungen, die der Beruf an Sie gestellt hat, sind Sie immer ein Familienmensch gewesen, der sich mit Freude den beiden inzwischen erwachsenen Kindern und nun den Enkelkindern gewidmet hat.

Unterstützt werden Sie hierbei durch Ihren – ebenfalls inzwischen pensionierten – Ehemann, Herrn Dr. Michael Cirullies. 2013 haben Sie mit ihm ein juristisches Werk zu Fragen des Schutzes bei Gewalt und Nachstellung veröffentlicht. Wer weiß, vielleicht nutzen Sie die nun gewonnene Zeit für weitere gemeinsame Veröffentlichungen?

Ich bin mir sicher, dass Sie jedenfalls das Strafrecht zunächst nicht loslassen wird. Sie sind und bleiben engagiertes Mitglied der 2015 durch das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz eingerichteten Kommission zur Reform des Sexualstrafrechts, die sich mit wichtigen Fragen des Schutzes der sexuellen Selbstbestimmung befasst. 

Angesichts Ihrer vielfältigen Interessen und Vorlieben für Reisen ans Mittelmeer, sportliche Aktivitäten und Besuche von Theatern, Kunst- und Musikhäusern habe ich keine Sorge, dass im Hause Cirullies Langeweile einkehren wird. Wie ich hörte, werden Sie dank eines Abschiedsgeschenks Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bald häufiger Gast im Dortmunder Konzerthaus sein. Zudem steht eine Reise mit ihrem Mann in die Sonne Italiens bevor.

Sehr geehrte Frau Cirullies,

für Ihr Wirken im Dienst der Justiz unseres Landes danke ich Ihnen sehr herzlich und wünsche Ihnen für Ihren wohlverdienten Ruhestand alles Gute, vor allem Gesundheit, Zufriedenheit und  viele glückliche Stunden im Kreis Ihrer Familie!

Ich darf Sie nun zu mir nach vorne bitten, damit ich Ihnen die Ruhestandsurkunde aushändigen kann.

Sehr geehrter Herr Schmerfeld-Tophof,

ich freue mich sehr, dass mir die Aufgabe zukommt, Sie heute für die Landesregierung zum Leitenden Oberstaatsanwalt in Dortmund zu ernennen.

Sie traten im September 1987 in den staatsanwaltlichen Dienst ein, und zwar bei der Staatsanwaltschaft hier in Dortmund. Der Laufbahnwechsel führte Sie für die Dauer eines Jahres in eine Strafkammer des Landgerichts Bochum, bis Sie zur Staatsanwaltschaft Bochum wechselten, wo Sie im Februar 1990 zum Beamten auf Lebenszeit ernannt wurden. In den Folgejahren widmeten Sie sich mit großem Einsatz und Geschick der Bekämpfung der Schwerkriminalität und des organisierten Verbrechens. Es folgte 1996 die Zeit der Erprobung und schließlich – im Oktober 1999 – die Ernennung zum Oberstaatsanwalt bei der Generalstaatsanwaltschaft. Dabei blieben Sie im Wege der Abordnung bei der Bochumer Staatsanwaltschaft – nunmehr als Abteilungsleiter und Dezernent – tätig.

Im August 2000 wechselten Sie für die Dauer von drei Jahren in das Justizministerium und waren als Referatsleiter in der Strafrechtsabteilung tätig. Außerordentlich engagierten Sie sich auf dem Gebiet der Telefon- und Wohnraumüberwachung. Maßstäbe setzten Sie auch durch Ihre Tätigkeit in verschiedenen Arbeitsgruppen. Beispielhaft genannt seien die von der JUMIKO eingesetzte Arbeitsgruppe „Schutz der Bevölkerung vor Sexualstraftaten“ und die Internet-Arbeitsgemeinschaft „Bekämpfung des Rechtsextremismus“.

Ab Mitte 2003 waren Sie als wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Unterstützung der Arbeit eines Parlamentarischen Untersuchungsausschusses im Landtag tätig. Zwei Jahre später kehrten Sie an die Generalstaatsanwaltschaft zurück, wo Sie als Dezernent mit Rechts- und Verwaltungsangelegenheiten betraut waren.

Im März 2007 wurden Sie erneut zum Justizministerium abgeordnet, als aufgrund der Vorfälle in der JVA Siegburg ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss eingesetzt wurde und Ihre profunden Kenntnisse des Strafvollstreckungsrechts in der Justizvollzugsabteilung gefragt waren.

Mehr als ein Jahr später wechselten Sie zurück an die Generalstaatsanwaltschaft, bis Sie im November 2009 zum Leitenden Oberstaatsanwaltschaft bei der Staatsanwaltschaft Paderborn ernannt wurden.

Sehr geehrter Herr Schmerfeld-Tophof,

die kurze Skizze Ihres beeindruckenden Werdegangs belegt, auf welchen reichhaltigen Schatz unterschiedlicher Erfahrungen Sie zurückgreifen können, wenn Sie nun Ihre neue Aufgabe angehen.

Mit Ihrer Ernennung kehren auch Sie zu Ihren „beruflichen“ Wurzeln zurück. Wie Frau Cirullies haben auch Sie bei der Staatsanwaltschaft Dortmund das staatsanwaltliche Handwerk gelernt.

Ich bin mir sicher, dass die Verantwortung für die Staatsanwaltschaft Dortmund bei Ihnen in den besten Händen liegt. Als Behördenleiter der Staatsanwaltschaft Paderborn haben Sie in den mehr als sechs Jahren Ihrer Tätigkeit eindrucksvoll bewiesen, dass Sie eine tatkräftige und führungsstarke Persönlichkeit sind, die sich durch hohe Fachkompetenz, Umsicht, Geschick und einen ausgezeichneten Blick für das Wesentliche auszeichnet. Sie haben den Generationenwechsel in Paderborn maßgeblich vollzogen. Dank Ihrer Bemühungen ist es gelungen, das Ihnen sehr am Herzen liegende Haus des Jugendrechts in Paderborn ins Leben zu rufen, das inzwischen erfolgreich seit mehr als zwei Jahren in gemeinsamer Regie mit Kreis, Stadt und Polizei betrieben wird.  

Umso mehr freut es mich, dass dank des Einsatzes Ihrer Amtsvorgängerin auch hier in Dortmund die Eröffnung des Hauses des Jugendrechts kurz bevorsteht. Der Mietvertrag für das Objekt in der Dortmunder Innenstadt wurde im Herbst letzten Jahres von Ihnen, sehr geehrte Frau Cirullies, sowie von Vertretern von Stadt, Polizei und Vermieterseite unterzeichnet. Die gemeinsame Unterbringung von Polizei, Justiz und Jugendhilfe unter einem Dach wird eine intensive Zusammenarbeit und eine enge Kooperation aller an der Jugendkriminalprävention und am Jugendstrafverfahren beteiligten Einrichtungen fördern und gewährleisten, dass der Kriminalität von jugendlichen und heranwachsenden Mehrfachtätern effektiv begegnet wird.

Sehr geehrter Herr Schmerfeld-Tophof,

mit Ihrer natürlichen Veranlagung zur Teamarbeit, Ihrem Organisationstalent und Ihrer bodenständigen, humorvollen Art sind Sie bestens für Ihr neues Amt gerüstet.

Wie ich hörte, gehörte es in Paderborn nach Ihrem Wechsel an die Spitze zu Ihren ersten Amtshandlungen, die Ihrer Ansicht nach zu dunklen Glühbirnen im Eingangsbereich der Behörde persönlich auszutauschen. Sicherlich hat Ihnen dies als begeisterter Heimwerker keine sonderlichen Schwierigkeiten bereitet.

Ihre neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dürfen sich auf Ihren Tatendrang freuen und Ihre ersten Amtshandlungen hier in Dortmund mit Spannung erwarten. Mit diesen gemeinsam werden Sie die anstehenden Aufgaben souverän zu meistern verstehen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen für Ihr neues Amt viel Glück, Freude und Erfolg!

Ich darf Sie nun zu mir nach vorne bitten, damit ich Ihnen die Ernennungsurkunde aushändigen kann.

Ihnen, meine sehr verehrten Damen und Herren, danke ich für Ihre Aufmerksamkeit.

Für Fragen, Kommentare und Anregungen steht Ihnen zur Verfügung: pressestelle@jm.nrw.de