Justizministerium NRW
Quelle: Justiz NRW

Grußwort von Justizminister Kutschaty anlässlich der Amtseinführung der Leiterin der JVA Gelsenkirchen, Leitende Regierungsdirektorin Elisabeth Nubbemeyer, und Würdigung des Amtsvorgängers, Leitender Regierungsdirektor Carsten Heim

02.05.2016

Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede,

sehr herzlich heiße ich Sie alle hier in der JVA Gelsenkirchen willkommen! Und ganz besonders begrüße ich unsere beiden Anstaltsleiter, die heute im Mittelpunkt stehen. Mit Ihnen, liebe Frau Nubbemeyer, und Ihnen, lieber Herr Heim, sind hier heute zwei Münsteraner versammelt, von denen der eine seit Übernahme der Leitung der JVA Münster Anfang dieses Jahres seinen Wohnort zum gleichzeitigen Dienstort gemacht hat. Sie, Frau Nubbemeyer, halten hingegen ihre jetzige Pendlererfahrung für ausbaufähig und lassen sich fortan auf eine tägliche Hin- und Rückfahrt zwischen  Münster und dem Ruhrgebiet ein.

Als Sie, lieber Herr Heim, im November 2011 als neuer Leiter hierherkamen, da waren viele - und nicht zuletzt Sie selbst - davon überzeugt, dass Sie für lange Zeit, wenn nicht sogar bis zu Ihrem Eintritt in den Ruhestand in einigen Jahren in Gelsenkirchen bleiben würden. So kam es nicht von ungefähr, dass Sie „damals“ in Ihrer „Antrittsrede“ der Mitarbeiterschaft verkündeten, sie werde wirklich lange etwas von Ihnen haben. Schließlich, so führten Sie aus, käme ein durchaus naheliegender Wechsel an Ihren Wohnort Münster schon deshalb nicht in Betracht, weil die damalige Chefin, Leitende Regierungsdirektorin Look, dort nicht wegzudenken sei. Dass der Vollzug immer für Überraschungen auch in personeller Hinsicht gut ist, sollte sich dann vier Jahre später mit der Bewerbung von Frau Look auf die Leiterstelle in Werl zeigen. Damit kam dann auch der Stein ins Rollen, der Anlass dafür gibt, dass wir doch schneller als gedacht heute auch am Standort Gelsenkirchen einen Wechsel in der Leitung vollziehen.  

Lieber Herr Heim, als Sie im November 2011 die Leitung der JVA Gelsenkirchen übernahmen, traten Sie wahrlich kein einfaches Erbe an. Die Anstalt war häufiger in den Schlagzeilen, was die eigentliche Arbeit im Vollzug in den Hintergrund drängte. Mit dem Ziel, das Augenmerk möglichst schnell wieder auf den eigentlichen vollzuglichen Auftrag zu richten, sahen Sie von Anbeginn Ihre unbedingte Aufgabe darin, die JVA Gelsenkirchen aus dem Strudel der Schlagzeilen zu holen und so in ruhiges Fahrwasser zu lenken. Das ist Ihnen in beeindruckender Art und Weise gelungen. In Ihrer zupackenden, aber nie überstürzenden Art krempelten Sie die Ärmel hoch: Sie sondierten den Ist-Zustand im Hinblick auf die vorgefundene Aufbau- und Ablauforganisation und drehten gezielt an der einen und anderen Stellschraube. Sehr zügig setzten Sie Schwerpunkte in personeller und organisatorischer Hinsicht. Ihr konzept- und ergebnisorientiertes Handeln als Führungskraft war von besonderem Erfolg gekrönt, weil es von einem hohen sozialen Verständnis geprägt ist. Sie vereinen unbestrittene Fachlichkeit mit ausgeprägten sozialen und persönlichen Kompetenzen. Der „Chef Carsten Heim“ wird als kommunikativ und zugewandt erlebt. Er zeigt Präsenz in der Anstalt und hat stets ein offenes Ohr für Anliegen und Probleme. Und so ist es Ihnen mit Unterstützung Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gelungen, in dieser Anstalt wieder ein Klima einziehen zu lassen, in dem es sich unter den einschränkenden Bedingungen des Freiheitsentzugs gut leben und arbeiten lässt.

Ihre Bemühungen haben Sie aber nicht nur auf das konzentriert, was hinter den Mauern passiert. Moderner Justizvollzug ist stets auch eine Interaktion mit der Außenwelt: Justizvollzug ist eine gesellschaftliche Aufgabe, die Sie nach außen für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht haben. Passend hierzu stoßen Besucher dieser Anstalt auf der Internetseite aktuell u.a. auf folgende Aussage:

„Die Justizvollzugsanstalt Gelsenkirchen präsentiert sich heute als eine lebendige, lern- und entwicklungsfreudige Behörde, deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich mit ihrem Arbeitsplatz und ihrer anspruchsvollen Aufgabe im Dienst des Landes NRW identifizieren.“

Lieber Herr Heim,

ich sage es gerne: Dieser Verdienst ist Ihr Verdienst! Ich danke Ihnen hier und heute ganz herzlich für Ihre hervorragende Arbeit, die Sie in den letzten vier Jahren als Leiter dieser Anstalt geleistet haben. Dies verbinde ich mit den besten Wünschen für Ihre neue Führungsaufgabe am Wohn- und Dienstort Münster!

Und weil Sie Ihr Versprechen, in Gelsenkirchen auf lange Zeit zu bleiben, nicht so ganz einhalten konnten, bin ich sehr froh, mit Ihnen, liebe Frau Nubbemeyer, heute eine ebenso kompetente neue Leiterin vorstellen zu können.

Für all diejenigen, die Sie (noch) nicht kennen, möchte ich Ihren Werdegang kurz schildern:

Sie sind in Delbrück bei Paderborn geboren und aufgewachsen. Nach dem Studium der Rechtswissenschaft an der Westfälischen Wilhelmsuniversität in Münster und anschließendem Referendariat traten Sie im November 1991 in den Dienst des Landes Nordrhein-Westfalen ein. Ihre erste Station war die Justizvollzugsanstalt Münster, bevor Sie in den Justizvollzugsanstalten Hagen und Iserlohn eingesetzt und schließlich 1993 wegen der Geburt und Betreuung Ihrer beiden Kinder beurlaubt wurden. 1998 kehrten Sie über den offenen Vollzug der JVA Bielefeld-Senne in den aktiven Dienst zurück. Ihre „Rückverlegung“ in den geschlossenen Vollzug der JVA Münster folgte im Mai des Folgejahres.

Viel wichtiger aber: 1999 verschlug es Sie erstmals auch an die damals gerade erst neu eröffnete JVA Gelsenkirchen, in die Sie während der folgenden drei Jahre noch zweimal für jeweils mehrmonatige Einsätze zurückkehrten. Die über diese Abordnungszeiten gefertigten dienstlichen Beurteilungen zeugen davon, dass Sie als fachlich- und sozial kompetente Juristin, die sich sehr schnell die Anerkennung und Wertschätzung Angehöriger sämtlicher Fachrichtungen erworben hat, hier schon damals eine gern gesehene Kraft waren. 

Im Nachhinein könnte man es so auslegen, dass der Weg zurück hierher nach Gelsenkirchen gebahnt wurde, als Ihnen zum 1. Januar 2011 mit der Justizvollzugsanstalt Hamm erstmals die Leitung einer JVA zunächst kommissarisch und zwei Jahre später dann offiziell übertragen wurde. Und wenn ich fünf Jahre und vier Monate zurückblicke, dann fällt doch auf, dass Sie ebenso wie Ihr geschätzter Kollege Heim den Staffelstab in für den Hammer Vollzugsstandort ähnlich unruhigen Zeiten übernommen haben. Nach dem Tod Ihres Vorgängers war die Leitungsfunktion über lange Zeit vakant, und die lang anhaltende Diskussion über eine mögliche Aufgabe der Selbständigkeit der JVA Hamm hatte der Belegschaft Sorge bereitet. Aber auch Sie trotzten diesen Verhältnissen ab dem ersten Tag mit enormer Schaffenskraft. Mit hohem Engagement, großem Organisationstalent sowie ausgesprochener Fach- und Sachkompetenz haben Sie sehr schnell konzeptionelle wie strukturelle Veränderungsprozesse initiiert und erfolgreich umgesetzt. Auch Sie legten dabei einen besonderen Schwerpunkt auf „bürgernahen Vollzug“.

Ihr Erfolgsrezept basiert dabei auf denselben Zutaten wie das von Herrn Heim. Denn auch Sie sind eine Anstaltsleiterin mit Herz und Seele. Sie schweben nicht über den Dingen, sondern nehmen sich Zeit und hören zu. Dabei ist es Ihnen gelungen, ein Klima des Miteinanders in einer auf Freiheitsentzug ausgelegten Einrichtung zu schaffen. Und nach mehr als 5-jähriger Leitungstätigkeit in Hamm haben Sie aus guten Gründen der Personalentwicklung beschlossen, „it’s time to say goodbye!“, dabei aber nachdrücklich betont, dass Sie „sehr, sehr gerne“ in Hamm gearbeitet haben.         

Liebe Frau Nubbemeyer,

Sie ließen frischen Wind in alte Gemäuer einziehen. Sie haben den Vollzug am Standort Hamm nach außen geöffnet und für die Bürgerinnen und Bürger transparent gemacht. In hervorragender Weise ist es Ihnen gelungen, Öffentlichkeitsarbeit mit der Notwendigkeit zu verbinden, Inhaftierten eine sinnvolle Beschäftigung zu bieten. Dabei beschritten Sie auch durchaus ungewöhnliche Wege. Beispielhaft erwähnen möchte ich an dieser Stelle die unter Ihrer Leitung ins Leben gerufene Arbeitstherapie „Kreativ und Motorik“. Als ein Produkt dieser arbeitstherapeutischen Maßnahme hat die „NRW-Kette“ im Frühjahr 2015 einen nicht unerheblichen Bekanntheitsgrad erlangt. Beim Besuch des belgischen Königs in Düsseldorf trug unsere Frau Ministerpräsidentin Kraft diese Kette aus grün, rot und weiß funkelnden Kunststoffwürfeln erstmals. Seitdem wird die Kette auch als offizielles Gastgeschenk der Staatskanzlei an wichtige Landesgäste überreicht und über das Verkaufsportal des NRW-Justizvollzuges „Knastladen“ vertrieben, wo sie der Verkaufsschlager Nummer 1 ist.     

Bei alledem möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass Sie als langjährige Teilzeitkraft ein gutes Beispiel der Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Führungsfunktionen sind. Dass dies natürlich nur mit Ihrer enormen Einsatzbereitschaft und vermutlich auch gewissen Entbehrungen gelingen konnte, davon gehe ich fest aus, auch wenn Sie hierüber nie Aufhebens gemacht haben.   

In mancherlei Hinsicht war der Justizvollzug schon immer Vorreiter. Über die Erfüllung der Frauenquote in der Chefetage brauchen wir uns jedenfalls keinerlei Gedanken zu machen. Schon jetzt sind 19 der insgesamt 36 nordrhein-westfälischen Justizvollzugsanstalten in weiblicher Hand! In diesem Zusammenhang erwähne ich bewusst, dass unter Ihrer Leitung, liebe Frau Nubbemeyer, ein Bügelservice für die Hammer Bürgerinnen und Bürger ins Leben gerufen wurde und damit sinnvolle Arbeitsplätze für Inhaftierte entstanden sind. Damit haben Sie - um es mit Unternehmersprache auszudrücken - eine florierende Geschäftsidee in die Tat umgesetzt, die durch Ihr Arbeitsangebot an Inhaftierte angemessen hilft, dem im Strafvollzugsgesetz normierten Grundsatz gerecht zu werden, das Leben im Vollzug den allgemeinen Lebensverhältnissen draußen soweit wie möglich anzugleichen.  

Liebe Frau Nubbemeyer,

ich habe keinerlei Zweifel daran, dass die JVA Gelsenkirchen bei Ihnen in sehr guten Händen sein wird. Nach 5-jähriger erfolgreicher Leitung der JVA Hamm sind Sie bestens gerüstet, an der Spitze einer der großen Justizvollzugsanstalten unseres Landes zu stehen. Für Ihre neue Führungsaufgabe wünsche ich Ihnen viel Erfolg und gutes Gelingen! Und ich glaube, ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass Sie sich hier in Gelsenkirchen auf eine motivierte Belegschaft verlassen können. Sie, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darf ich bitten, der neuen Anstaltsleiterin dasselbe Vertrauen entgegenzubringen wie ihr Vorgänger es auch genießen durfte.      

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

 

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