Justizministerium NRW
Quelle: Justiz NRW

Justizminister Kutschaty hält ein Grußwort anlässlich der Amtseinführung der Leiterin der JVA Willich I, Leitende Regierungsdirektorin Charlotte Narjes, und Würdigung der Amtsvorgängerin, Leitende Regierungsdirektorin Beate Peters

13.06.2016

Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede,

sehr herzlich heiße ich Sie am heutigen Montagmorgen hier in der Justizvollzugsanstalt Willich I willkommen. An meine letzten beiden Besuche im Jahr 2014 erinnere ich mich noch gut. Willich ist mit seinen beiden Justizvollzugsanstalten ein sehr wichtiger Justizstandort in Nordrhein-Westfalen.

Heute bin ich hier, weil ein Wechsel in der Leitung der Justizvollzugsanstalt Willich I, der Haftanstalt für Männer, ansteht.

Liebe Frau Peters,

nach acht Jahren an der Spitze dieser altehrwürdigen Anstalt haben Sie sich vor einigen Monaten zu einer beruflichen Veränderung entschlossen. Während Ihrer bereits mehr als 20 Jahre andauernden Dienstlaufbahn im NRW-Justizvollzug haben Sie sich stets flexibel und veränderungsbereit gezeigt. Bei dem Streben nach neuen beruflichen Herausforderungen haben Sie die nordrhein-westfälische Vollzugslandschaft umfassend kennengelernt. Seit nun schon fast 15 Jahren tragen Sie ununterbrochen Leitungsverantwortung. Und so entspricht es nicht nur Ihrem Naturell, sondern kann als konsequenter Schritt in Ihrer beruflichen Entwicklung bezeichnet werden, dass Sie Ihre umfangreiche Vollzugserfahrung insbesondere auch aus der Leitung dreier Anstalten nunmehr gewinnbringend in die Leitung eines der beiden Behandlungsreferate des Ministeriums einbringen. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich den regelmäßigen personellen Wechsel zwischen Praxis und Aufsichtsbehörde als wichtig erachte, weil der damit verbundene Erfahrungsaustausch beiden Seiten zugutekommt. 

Liebe Frau Peters,

als Sie im April 2008 die Nachfolge der wenige Monate zuvor an die JVA Remscheid gewechselten Kollegin Grafweg antraten, war die Erneuerung der JVA Willich II in vollem Gange. Und die wohl nicht nur im nordrhein-westfälischen Justizvollzug einmalige Situation zweier selbständiger Anstalten innerhalb eines Umwehrungsbereichs hatte auch für die JVA Willich I erhebliche Veränderungen zur Folge. Denn ein wichtiges Element dieses Bauprojekts war auch der Neubau einer nunmehr gemeinsamen Außenpforte.

Für Sie als neue Chefin galt es, den Abschluss dieser Maßnahme zu begleiten und umfangreiche Abstimmungsarbeiten mit der Schwesteranstalt zu leisten. Dank Ihres diplomatischen Geschicks und der guten Kooperation  aller Beteiligten konnte dieses Projekt erfolgreich zum Abschluss gebracht werden.

Ihre offene Form der Kommunikation sollte aber auch durch die Gefängnismauern keinesfalls Begrenzung erfahren. Zu Ihrem geschätzten Selbstverständnis gehört es vielmehr, das, was hinter diesen Mauern passiert, nach außen zu transportieren und für die Bürger, denen dieser Blick zumeist verwehrt ist, verständlich zu machen. Keine Frage: Moderner Justizvollzug ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe! Daher haben Sie völlig zu Recht einen Schwerpunkt auf die Öffentlichkeitsarbeit gelegt und dabei zum einen an das Wirken Ihrer Vorgängerin angeknüpft, aber auch viele eigene Akzente gesetzt. Beispielhaft erwähnt sei an dieser Stelle die 2012 erstmalig erfolgte Ausrichtung des gemeinsamen Weihnachtsbasars der Justizvollzugsanstalten Willich I und Willich II sowie die Neueröffnung des Historischen Gefängnismuseums Niederrhein, das sich heute großen Interesses erfreut. Höhepunkt der Öffentlichkeitsarbeit war sicherlich das Mitte 2014 feierlich begangene 111-jährige Bestehen der Anstalt. Gerne erinnere ich mich an dieses für den NRW-Justizvollzug durchaus außergewöhnliche Jubiläum.

Keinesfalls vergessen werden darf aber, dass all dies neben der eigentlichen Kernaufgabe eines Gefängnisses, nämlich dem vollzuglichen Auftrag und den Zielen des Strafvollzuges gerecht zu werden, durch den tatkräftigen Einsatz Vieler gestemmt wurde. Dafür danke ich Ihnen, liebe Frau Peters, und allen mit dieser Anstalt beruflich oder ehrenamtlich Verbundenen sehr herzlich! Sie alle stellen sich täglich neu und erfolgreich der Herausforderung, im Spannungsfeld zwischen Sicherheit und Behandlung bestmögliche Arbeit zu verrichten. Ich freue mich, dass dies auch wahrgenommen wird und diese Justizvollzugsanstalt unbestritten fester Bestandteil der Stadt und ihrer Bürger ist.

Für Ihr bisheriges Wirken in Willich sagen wir Ihnen allen gemeinsam ein herzliches Dankeschön.

Ich möchte heute sehr gerne Sie, liebe Frau Narjes, als neue Leiterin in Ihr Amt einführen. Nicht alle Anwesenden werden Sie kennen. Gestatten Sie mir daher, dass ich Sie näher vorstelle. Wenn man ein Kurzprofil der Bewerberin Narjes erstellen würde, könnte dies wie folgt aussehen: 

  •  mehr als 20 Jahre Berufspraxis im Justizvollzug,
  • einschlägige aufsichtsbehördliche Erfahrungen,
  • erfolgreich erprobt in Leitungsfunktionen,
  • Referenzen im professionellen Projektmanagement,
  • sonstige wesentliche Eigenschaften: vorbildhaft in der Dienstauffassung, entscheidungsfreudig, undogmatisch, unkompliziert im Umgang, in besonderem Maße teamfähig und immer zielstrebig, dabei stets bescheiden.

Ein Kurzprofil würde Ihrer Person und Ihrem Werdegang aber keinesfalls gerecht werden. Ich erlaube mir daher, doch noch ein wenig auszuholen:

Geboren in Rheine/Westfalen, verbrachten Sie Ihre Schulzeit in Münster. Dort nahmen Sie im Jahr 1983 auch das Studium der Rechtswissenschaften an der Westfälischen Wilhelms-Universität auf. Nach dem 2. Staatsexamen wurden Sie zum 1. Juli 1993 in den höheren Vollzugs- und Verwaltungsdienst des Landes Nordrhein-Westfalen eingestellt. Nur am Rande sei erwähnt, dass Ihre Dienstlaufbahn damit auf den Tag genau so alt ist wie das 5-stellige Postleitzahlensystem der Bundesrepublik. 

Erste vollzugliche Erfahrungen sammelten Sie zunächst in den Justizvollzugsanstalten Düsseldorf, Duisburg und Siegburg. Im Sommer 1994 wechselten Sie dann zum Justizvollzugsamt Rheinland, eine der beiden damaligen Mittelbehörden.

Nach der Geburt Ihres ersten Kindes nahmen Sie ab November 1995 Erziehungsurlaub in Anspruch, waren gleichzeitig aber auch als hauptamtliche Lehrkraft an der Justizvollzugsschule in Wuppertal in Teilzeit tätig. Nach der Geburt Ihres zweiten Sohnes und mehreren Jahren im Dienste der Nachwuchsausbildung erfolgte zum 01.09.2002 Ihre Versetzung an eben diese Anstalt, der Sie ab dem heutigen Tag als Leiterin vorstehen. Als Vollzugsabteilungsleiterin mit wechselnden Zuständigkeiten im C-Flügel wurden Ihnen hier verantwortungsvolle Führungsaufgaben übertragen. Dabei konzentrierten Sie sich aber keineswegs ausschließlich auf das Abteilungsleitergeschäft. Vielmehr konnten Sie bei bedeutsamen Maßnahmen der Organisations- und Personalentwicklung, namentlich der Implementierung neuer Steuerungsmodelle, mitwirken. Ihre Fähigkeit, Menschen zur Mitgestaltung von Veränderungsprozessen zu motivieren, wurde in den damaligen Einschätzungen über Sie besonders hervorgehoben. Wer weiß, vielleicht hegten Sie damals schon insgeheim den Wunsch, eines Tages mit größerer Vollzugs- und Leitungserfahrung im Gepäck an diese Anstalt zurückzukehren.

Zunächst aber führte Sie die Einführung der Zweistufigkeit im Justizvollzug Anfang 2008 ins Justizministerium, wo sie als Referentin anfangs im Behandlungsreferat und danach im Sicherheitsbereich tätig waren. Zwei Jahre später, im Januar 2010, wechselten Sie dann an die JVA Düsseldorf – diesmal in der herausgehobenen Funktion der stellvertretenden Anstaltsleiterin. Zu diesem Zeitpunkt bestand die alte Anstalt an der Ulmenstraße noch, der Neubau in Ratingen war aber bereits in vollem Gange. Sie wurden Mitglied des für das Bauvorhaben eingerichteten Leitungsstabs und sehr schnell zu einer unverzichtbaren Säule in dem Neubauprojekt. Sie wirkten bei dem Anfang 2012 erfolgten Umzug nach Ratingen entscheidend mit, übernahmen die Federführung bei der Implementierung von Konzepten und Dienstanweisungen und betrieben zusammen mit dem damaligen Anstaltsleiter intensive Öffentlichkeitsarbeit. Mehr als vier Jahre ist die neue Anstalt inzwischen am Netz. Man kann sagen, der Vollzug am Standort Ratingen hat sich längst etabliert, und das ist nicht zuletzt auch Ihr maßgeblicher Verdienst!

Liebe Frau Narjes,

von Ihren Mitarbeitern werden Sie wegen Ihrer fachlichen und menschlichen Qualitäten geschätzt. Bei Ihrem dienstlichen Handeln stellen Sie stets die Sache und weniger sich selbst in den Mittelpunkt. Gleichwohl oder vielleicht gerade deshalb ist Ihnen eine eher stille, von anderen aber gern akzeptierte Autorität inne. An dieser Stelle erlauben Sie mir ein Zitat aus Ihrem damaligen Bewerbungsschreiben um Einstellung in den Justizvollzug, mit dem Sie sich wie folgt empfohlen haben:

„Ich gehe gerne mit Menschen um und glaube außerdem, dass ich Führungsqualitäten besitze.“

Heute kann man getrost feststellen: Sie lagen damals vollkommen richtig! Denn Sie mögen Menschen und sind führungskompetent! Mit Ihrer Erfahrung aus verschiedenen Bereichen des Justizvollzugs verfügen Sie über das erforderliche Rüstzeug, die Geschicke einer großen Justizvollzugsanstalt des Landes zu leiten, die mit dem geplanten Neubauprojekt vor großen Herausforderungen steht. Dass Sie damit nicht nur als Anstaltsleiterin, sondern auch als „Bauherrin“ gefragt sein werden, stimmt mich angesichts Ihrer Erfahrung aus dem „Neubauprojekt Düsseldorf“ gelassen.

Dies gilt ebenso für den Umstand, dass - als wäre ein Neubau und ein Wechsel der Anstaltsleitung noch nicht genug - in wenigen Monaten im Leitungsteam dieser Anstalt weitere Veränderungen anstehen. 

In diesem Zusammenhang möchte ich gerne die Gelegenheit nutzen, Ihnen, lieber Herr Grave, für Ihr unermüdliches Tun in dieser Anstalt zu danken. Bereits seit 1995 sind Sie in leitender Funktion hier tätig. In Zeiten des Umbruchs geben Sie nicht zuletzt durch Ihre Bereitschaft, über die Altersgrenze hinaus zu arbeiten, unverzichtbare Kontinuität.   

Sehr verehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

mir ist sehr wohl bewusst, dass Ihnen allen durch die anstehenden personellen Veränderungen und das bevorstehende Neubauprojekt Einiges zugemutet werden wird. Eine mehr als 100-jährige Vollzugstradition wirft aber so schnell nichts aus der Bahn. Ich darf Sie daher herzlich bitten, sich auf das Bevorstehende einzulassen! Bitte bringen Sie Ihrer neuen Chefin das nötige Vertrauen entgegen und unterstützen auch sie nach Kräften. 

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Für Fragen, Kommentare und Anregungen steht Ihnen zur Verfügung: pressestelle@jm.nrw.de