Justizministerium NRW
Quelle: Justiz NRW

Grußwort von Justizminister Thomas Kutschaty anlässlich der Verabschiedung des Leitenden Oberstaatsanwalts Volker Schmerfeld-Tophof und der Einführung des Leitenden Oberstaatsanwalts Gerrit Gabriel als Leiter der Staatsanwaltschaft Paderborn

22.06.2016

Es gilt das gesprochene Wort!

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich freue mich, heute zu Ihnen nach Paderborn gekommen zu sein, um den bisherigen Leitenden Oberstaatsanwalt, Volker Schmerfeld-Tophof, feierlich zu verabschieden und Ihnen seinen Nachfolger, Gerrit Gabriel, vorzustellen und in sein neues Amt einzuführen.

Sehr geehrter Herr Schmerfeld-Tophof,

bereits anlässlich Ihrer Amtseinführung als Leitender Oberstaatsanwalt in Dortmund hatte ich im April die Gelegenheit, Ihren Werdegang und Ihre bisherigen Verdienste um die Justiz unseres Landes eingehend zu würdigen. Viele der hier Anwesenden waren damals zugegen oder kennen Sie bestens. Ihre bisherigen Stationen möchte ich daher nur kurz Revue passieren lassen:

Nach Eintritt in den staatsanwaltlichen Dienst im Jahr 1987 waren Sie der Staatsanwaltschaft Dortmund zugewiesen. Der Laufbahnwechsel führte Sie in eine Strafkammer des Landgerichts Bochum, bevor Sie zur Staatsanwaltschaft Bochum wechselten, wo Sie 1990 zum Beamten auf Lebenszeit ernannt wurden. In den folgenden Jahren widmeten Sie sich der Bekämpfung der Schwerkriminalität und des organisierten Verbrechens. 1996 folgte Ihre Erprobung und 1999 Ihre Ernennung zum Oberstaatsanwalt bei der Generalstaatsanwaltschaft. Im Jahr 2000 wechselten Sie in das Justizministerium, wo Sie in den folgenden drei Jahren Referatsleiter in der Strafrechtsabteilung waren. Von 2003 bis 2005 waren Sie als wissenschaftlicher Mitarbeiter zur Unterstützung der Arbeit eines Parlamentarischen Untersuchungsausschusses im Landtag tätig. Im Anschluss kehrten Sie für kurze Zeit an die Generalstaatsanwaltschaft zurück, bis Sie im März 2007 erneut zum Justizministerium abgeordnet wurden, als aufgrund der Vorfälle in der JVA Siegburg ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss eingesetzt wurde und Ihre profunden Kenntnisse des Strafvollstreckungsrechts in der Justizvollzugsabteilung gefragt waren. Mehr als ein Jahr später wechselten Sie zurück zur Generalstaatsanwaltschaft, bis Sie schließlich - im November 2009 - zum Leitenden Oberstaatsanwaltschaft hier in Paderborn ernannt wurden.

Sehr geehrter Herr Schmerfeld-Tophof,

in den mehr als sechs Jahren haben Sie hervorragende Arbeit geleistet und die Staatsanwaltschaft Paderborn mit großem Einsatz und großer Umsicht sehr erfolgreich geleitet. Dafür möchte ich Ihnen an dieser Stelle noch einmal herzlich danken.

Als Behördenleiter haben Sie bewiesen, dass Sie eine tatkräftige und führungsstarke Persönlichkeit sind. Mit beeindruckender Gestaltungskraft, Organisationstalent und Ihrer bodenständigen, humorvollen Art haben Sie die Geschicke der Staatsanwaltschaft Paderborn maßgeblich geprägt und hierbei die Ihnen anvertrauten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitgenommen. Der Generationenwechsel wurde in Ihrer Zeit maßgeblich vollzogen. Dank Ihrer Bemühungen ist es gelungen, das Ihnen sehr am Herzen liegende Haus des Jugendrechts ins Leben zu rufen, das inzwischen erfolgreich seit mehr als zwei Jahren in gemeinsamer Regie mit Kreis, Stadt und Polizei betrieben wird.

Sehr geehrter Herr Schmerfeld-Tophof,

Sie haben sich über den Kollegenkreis hinaus großen Respekt und hohes Ansehen verschafft. Für Ihre Leistungen gebühren Ihnen Dank und Anerkennung. Für Ihre neue Aufgabe in Dortmund und Ihr dortiges Wirken wünsche ich Ihnen alles erdenklich Gute! 

Sehr geehrter Herr Gabriel,

ich freue mich, dass mir die Aufgabe zukommt, Sie heute für die Landesregierung zum Leitenden Oberstaatsanwalt in Paderborn zu ernennen. Da viele der Anwesenden Sie vielleicht noch nicht so gut kennen werden, darf ich zunächst Ihren Lebensweg skizzieren:

Sie wurden im Februar 1969 im niedersächsischen Fürstenau im Landkreis Osnabrück geboren. Ihre Schulzeit verbrachten Sie weitgehend in Bonn, wo Sie nach Ihrem Wehrdienst auch Jura studierten und das Referendariat absolvierten.

In den staatsanwaltlichen Dienst traten Sie im März 1998 bei der Staatsanwaltschaft Bochum. Der Laufbahnwechsel führte Sie vorübergehend an das Landgericht Hagen, bevor Sie im März 2001 zum Staatsanwalt auf Lebenszeit ernannt wurden. In den folgenden Jahren ermittelten Sie im Bereich der Organisierten und Schwerkriminalität. 2002 nahmen Sie - anlässlich der Geburt Ihres zweiten Kindes, ein halbes Jahr Elternzeit. 2006 folgte Ihre Erprobung bei der Generalstaatsanwaltschaft.

Zurück in Bochum übernahmen Sie bald in der Schwerpunktabteilung die Verfolgung von Delikten aus dem Bereich der Wirtschaftskriminalität und Korruption. Im Mai 2007 wurden Sie zum Oberstaatsanwalt bei der Generalstaatsanwaltschaft ernannt, blieben aber nach Bochum abgeordnet, wo Sie fortan als Abteilungsleiter in der Schwerpunktabteilung zur Verfolgung von Wirtschaftskriminalität und Korruption und zudem als stellvertretender Pressesprecher wirkten. 2008 sahen Sie sich in der „Liechtensteiner Steueraffäre“ als einer der ersten deutschen Strafverfolger vor die Frage gestellt, ob Erkenntnisse aus dem Ankauf einer „Steuersünder-CD“ durch deutsche Behörden als „Sachbeweis“ im Sinne der Strafprozessordnung verwertet werden dürfen. Sie bejahten diese damals kontrovers diskutierte Rechtsfrage - mit Recht, wie wir heute wissen.

Im Juni 2012 wurden Sie in die Strafrechtsabteilung des Justizministeriums berufen. In den folgenden drei Jahren waren Sie als Referent und stellvertretender Referatsleiter für EU-Angelegenheiten und Rechtshilfe sowie für Wirtschaftskriminalität, Korruption und Organisierte Kriminalität zuständig. Besondere Verdienste erwarben Sie sich als Leiter der Arbeitsgruppe „Bekämpfung der Informations- und Kommunikationskriminalität“, indem Sie mit viel diplomatischem Geschick die Gründung einer Zentralstelle zur Bekämpfung der Cyberkriminalität, der „ZAC Köln“, begleiteten. Außerordentlich engagierten Sie sich auch im Bereich der sog. Rockerkriminalität und bewiesen Ihr feines Gespür für sensible rechtspolitische Fragestellungen. Im Bereich der Umweltkriminalität erreichten Sie im Bezirk der Generalstaatsanwaltschaft Hamm eine nachhaltige Wiederbelebung des jährlichen Erfahrungsaustausches zwischen den Umweltschutzbehörden und den Strafverfolgungsbehörden.

Im Juni 2015 wechselten Sie zur Generalstaatsanwaltschaft, wo Sie seither u.a. mit Personalsachen befasst waren.

Sehr geehrter Herr Gabriel,

Ihre bisherigen Einsatzgebiete belegen eindrucksvoll die Breite Ihres juristischen Erfahrungsschatzes. In all Ihnen übertragenen Aufgabenbereichen haben Sie sich als fachlich hoch kompetenter Staatsanwalt erwiesen, der über hohe Sensibilität, Einfühlungsvermögen und diplomatisches Geschick verfügt.

Heute werden Sie erstmals mit der Leitung einer Staatsanwaltschaft betraut. Ich bin mir sicher, dass Sie bestens für Ihr neues Amt gerüstet sind. Sie verfügen nicht nur über hervorragende fachliche, sondern auch über herausragende menschliche Qualitäten. Mit Ihrem verbindlichen und gewinnenden Auftreten sind Sie ein geschätzter Ansprechpartner, der sich selbst bei größter Belastung Zeit für die Belange ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nimmt. Auch in schwierigen Situationen bewahren Sie Ruhe und Umsicht und vermögen stets den richtigen Ton zu treffen.

Sehr geehrter Herr Gabriel,

als Vater von zwei Kindern stehen Sie fest verwurzelt im Leben. Seit Ihrem 9. Lebensjahr sind Sie aktiver Schwimmer. Zusammen mit dem gleichermaßen schwimmsportbegeisterten Rest Ihrer Familie nehmen Sie an Wettkämpfen teil und engagieren sich im heimischen Schwimmverein im Ruhrgebiet. Gerne genießen Sie und Ihre Familie manchmal aber auch ganz herkömmliche Badefreuden, etwa auf Ihren Reisen in die Sonne Kretas.

Erwähnenswert erscheint mir schließlich auch, dass Sie nicht nur über ein besonders breites Allgemeinwissen, sondern auch über ein umfassendes Interesse an allem verfügen, was sich jedenfalls in weiterem Sinne unter den Begriff „Kultur“ fassen lässt. Ob es um Feinheiten der lateinischen Sprache geht, die Besetzung der Bayreuther Festspiele, Verwandtschaften und Verwicklungen in europäischen Königshäusern, neuartige TV-Formate oder um Platzierungen beim Eurovision Song Contest, den Sie, so munkelt man, seit 1976 nicht einmal verpasst haben sollen: Sie glänzen auch hier mit beeindruckendem Detailwissen, was - auch dank Ihrer humorvollen Art - schon in mancher Kaffeerunde für Erheiterung gesorgt hat.

Sehr geehrter Herr Gabriel,

Sie sind nach alledem eine vielseitige und hoch kompetente Persönlichkeit, bei welcher die Verantwortung für die Staatsanwaltschaft Paderborn und die hiesigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den besten Händen liegt. Mit diesen gemeinsam werden Sie die anstehenden Aufgaben souverän zu meistern verstehen.

Für Ihr neues Amt und die kommenden Aufgaben wünsche ich Ihnen viel Glück, Freude und Erfolg!

Ich darf Sie nun zu mir nach vorne bitten, damit ich Ihnen die Ernennungsurkunde aushändigen kann.

Ihnen, meine sehr verehrten Damen und Herren, danke ich für Ihre Aufmerksamkeit.

Für Fragen, Kommentare und Anregungen steht Ihnen zur Verfügung: pressestelle@jm.nrw.de