Justizministerium NRW
Quelle: Justiz NRW

Rede von Justizminister Thomas Kutschaty anlässlich der Landesfeier zum Volkstrauertag 2016 in der Kirche St. Maria zur Wiese in Soest

12.11.2016

Es gilt das gespsrochene Wort!

Anrede! 

Vor fast genau einem Jahr, bei der zentralen Gedenkstunde des Landes zum Volkstrauertag in Gütersloh, standen wir alle unter dem Schock der verheerenden Terroranschläge von Paris am 13. November 2015. Es war ein Anschlag islamistischer Terroristen auf unsere Werte; ein Anschlag auf Freiheit, Frieden und Menschenrechte, auf unsere Demokratie.

Diesem Pariser Terroranschlag folgten weitere, denen viele Menschen zum Opfer fielen. Wir alle erinnern uns sicherlich noch an die Anschläge von Brüssel am 22. März 2016 oder Nizza, am französischen Nationalfeiertag, dem 14. Juli 2016. Aber auch bei uns in Deutschland mussten wir Terroranschläge erleben, wie zum Beispiel auf den Essener Sikh – Tempel am 16. April 2016 oder in der Würzburger Regionalbahn am 18. Juli 2016. Etliche weitere Anschlagsversuche konnten verhindert und Terrorverdächtige festgenommen werden.

Am Volkstrauertag gedenken wir der Toten der Weltkriege. Der Volkstrauertag ist aber auch ein Tag der „Trauer um die Toten der Kriege und Bürgerkriege von Terrorismus und politischer Verfolgung unserer Tage“, wie es im Totengedenken des Bundespräsidenten heißt.

Die Terroristen unserer Tage verfolgen vor allem ein Ziel: Sie wollen Hass erzeugen und Unfrieden schüren und damit die europäischen Gesellschaften spalten und destabilisieren.

Sie zielen auch darauf ab, Menschen auszugrenzen, einen Keil zwischen diejenigen zu treiben, die hier leben und denjenigen, die in den vergangenen Monaten und Jahren zu uns geflüchtet sind, um Schutz vor Krieg und Terror in ihren Heimatländern zu finden.

Aus unserer Vergangenheit wissen wir, wohin Spaltung und Ausgrenzung führen können: Dem Antisemitismus, dem Antiziganismus, dem Rassenwahn der Nationalsozialisten fielen Millionen Menschen zum Opfer. Das hasserfüllte und hasserzeugende Denken der Nationalsozialisten hatte auch den kriegsbedingten Tod von Millionen Zivilisten und Soldaten in Deutschland, Europa, ja der ganzen Welt zur Folge.

Der Volkstrauertag ist ein Tag, sich dieser Vergangenheit zu erinnern und der Millionen Toten zu gedenken. Er ist aber auch ein Tag der Mahnung zu besonnenem Denken und Handeln in der Gegenwart. Einer Gegenwart, die uns vor viele Herausforderungen stellt; einer Gegenwart vieler komplexer Probleme, für die es keine einfachen Lösungen gibt.

Geschichte wiederholt sich nicht, aber Versatzstücke der Geschichte können uns als Lehr- und Lernfaktoren dienen.

Die Toten können nicht mehr sprechen, aber ihr Schicksal muss für uns Ansporn sein, sich für ein Leben in Frieden und Freiheit einzusetzen.

Dazu sind wir alle aufgefordert.

Im Namen der Träger der heutigen Gedenkveranstaltung, des Landtages, der Landesregierung und des Volksbund-Landesverbandes, begrüße ich Sie alle, die unserer Einladung gefolgt sind.

Ein herzliches Dankeschön gilt Herrn Bürgermeister Dr. Eckhard Ruthemeyer, der für seine Stadt - als Ort der diesjährigen Gedenkstunde - engagiert geworben hat.

Herrn Pfarrer Kai Hegemann gilt unser besonderer Dank, dass er seine sehenswerte und über die Grenzen von Soest bekannte Wiesenkirche hierfür zur Verfügung gestellt hat.

Herrn Landtagsvizepräsident Eckhard Uhlenberg danke ich herzlich, dass er die Gedenkrede hält und Frau Ministerin Christina Kampmann für das Sprechen des Totengedenkens.

Es hat eine lange Tradition, dass junge Menschen die zentrale Gedenkstunde unseres Landes zum Volkstrauertag mitgestalten.

Insofern freue ich mich sehr, dass Schülerinnen und Schüler der beiden stadtgeschichtlich bedeutsamen Gymnasien diese Gedenkstunde mit Wort und Musik gestalten: das 480 Jahre alte Archigymnasium und das im nächsten Jahr 150 Jahre alte Aldegrevergymnasium.

Unser großer Dank gilt den beiden Schulleitern, Herrn Oberstudiendirektor Winfried Papenheim vom Archigymnasium, Herrn Oberstudiendirektor Martin Fischer vom Aldegrevergymnasium, den Lehrerinnen und Lehrern und natürlich den Schülerinnen und Schülern, die sich alle engagiert der Sache gewidmet haben.

Die musikalische Auswahl ist eine interessante Mischung aus Klassik, Pop und volkstümlicher Melodie.

Der Beitrag zum Thema Abgrenzung von Menschen wird Teil einer Brücke sein, die Vergangenheit und Gegenwart verbindet.

Im Anschluss an die Gedenkstunde haben Sie im Rahmen einer Begegnung im „Blauen Saal“ des Rathauses Gelegenheit, sich in zwanglosen Gesprächen über die Gedenkstunde und aktuelle Themen auszutauschen.

Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen lädt Sie dazu herzlich ein.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Für Fragen, Kommentare und Anregungen steht Ihnen zur Verfügung: pressestelle@jm.nrw.de