Justizministerium NRW
Quelle: Justiz NRW

Grußwort von Justizminister Thomas Kutschaty anlässlich der Verabschiedung des Präsidenten des Landgerichts a.D. Thomas Vogt und der Einführung des Präsidenten des Landgerichts Prof. Dr. Dieter Coburger

09.01.2017

Es gilt das gesprochene Wort!

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

sehr gerne bin ich heute zu Ihnen nach Hagen gekommen, um die Verdienste des bisherigen Präsidenten des Landgerichts, Herrn Thomas Vogt, zu würdigen und ihn in seinen wohlverdienten Ruhestand zu verabschieden. Gleichzeitig möchte ich Ihnen seinen Nachfolger, Herrn Prof. Dr. Dieter Coburger, vorstellen und ihn in sein neues Amt einführen.

Ihnen, sehr geehrter Herr Vogt, gebühren besonderer Dank und Anerkennung für die vielfältigen und herausragenden Leistungen, die Sie im Dienst der Justiz unseres Landes erbracht haben. Knapp vier Jahre haben Sie zuletzt das Landgericht Hagen und den zugehörigen Bezirk erfolgreich geleitet. Viele der Anwesenden haben Sie während dieser Zeit und auch davor schon begleitet und kennen Sie daher bestens. Lassen Sie mich gleichwohl die wichtigsten Stationen Ihres Werdeganges kurz nachzeichnen.

Ihre richterliche Laufbahn begann im Dezember 1978 am Landgericht Münster. Dort erhielten Sie im Oktober 1983 auch Ihre erste Planstelle.

Man attestierte Ihnen von Anfang an, dass Sie "dem Richterberuf aus Neigung und Begabung zugetan" seien. Zudem übernahmen Sie bald auch anspruchsvolle Aufgaben in der Landgerichtsverwaltung, darunter die des "Präsidialrichters" und Pressesprechers. Nach einer hervorragenden Erprobung in einem Zivilsenat wurden Sie im Dezember 1990 zum Richter am Oberlandesgericht Hamm ernannt. Neben Ihrer Tätigkeit in einem Zivilsenat leiteten Sie knapp sechs Jahre das wichtige Bau- und Haushaltsdezernat. Im Anschluss daran wagten Sie den nicht alltäglichen Blick über den Tellerrand. Bei einer sechsmonatigen Hospitation in der Hauptverwaltung der damaligen Friedrich Krupp AG Hoesch-Krupp in Essen konnten Sie insbesondere in den Bereichen Organisationsentwicklung, Controlling und Projektmanagement wichtige Erkenntnisse für die Justizverwaltung gewinnen, auf die man in der Folgezeit gerne zurückgriff. Als im Jahr 1999 endlich die dringend notwendige Erweiterung des Justizgebäudes des Oberlandesgerichts und der Generalstaatsanwaltschaft in Angriff genommen werden konnte, wurden Sie mit der Koordination betraut. Die mannigfaltigen Probleme, die ein solches Bauvorhaben mit sich bringt, bewältigten Sie souverän und geräuschlos.

Ihr weiterer Weg führte Sie im November 2001 als Vizepräsident an das Landgericht Essen und fünf Jahre später, im November 2006, als Vizepräsident an das Oberlandesgericht Hamm zurück. In beiden Funktionen trieben Sie den Modernisierungsprozess der Justiz engagiert voran. Dabei setzten Sie sich in besonderem Maße dafür ein, den Einsatz von IT-Systemen und -Fachanwendungen stetig zu optimieren. Mit spürbarer Begeisterung verfolgten Sie zudem die Einführung und ständige Erweiterung des Angebots der richterlichen Mediation im Bezirk des Oberlandesgerichts Hamm.

Am 26. April 2013 wurden Sie zum Präsidenten des Landgerichts Hagen ernannt. Zu dieser Stadt haben Sie - wie Sie selbst einmal gesagt haben - "quasi verwandtschaftliche Beziehungen". Die meisten von ihnen werden bei der einen oder anderen Gelegenheit bereits Werke des bedeutenden im- und expressionistischen Malers Christian Rohlfs gesehen haben. Vielen wird auch bekannt sein, dass er Ehrenbürger der Stadt Hagen ist und lange Jahre sein Atelier und seine Wohnung im heutigen Osthaus Museum hatte. Dass er darüber hinaus Ihr Großonkel ist, werden aber vielleicht nicht alle von ihnen wissen.

Als Landgerichtspräsident haben Sie die mit Ihrem Amtsantritt verbundenen Erwartungen glänzend erfüllt. Das Gericht und den Bezirk haben Sie mit ruhiger Hand umsichtig und besonnen geleitet. Ihrem Nachfolger hinterlassen Sie so – wie man im benachbarten Sauerland sagen würde – ein gut bestelltes Feld.

Bei all Ihrem Engagement für die technische Modernisierung der Justiz, das bis heute nicht nachgelassen hat, haben Sie jedoch stets den Menschen in den Mittelpunkt gestellt. Mit Ihrer offenen, unkomplizierten und humorvollen Art ist es Ihnen auch hier am Landgericht Hagen gelungen, die Ihnen anvertrauten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für sich zu gewinnen. Ihre Anliegen und Sorgen haben Sie bei Ihrem Handeln nie aus dem Blick verloren.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich, dass Ihnen auch die Juristenausbildung besonders am Herzen gelegen hat. Seit Jahrzehnten engagieren Sie sich als Leiter von Arbeitsgemeinschaften sowie als Prüfer. Durch Ihre Lehraufträge an den Universitäten in Münster und Bochum sind Sie zudem in der Lage gewesen, juristischen Nachwuchs für eine richterliche Tätigkeit gerade im Bezirk des Oberlandesgerichts Hamm zu begeistern.

In Zukunft werden Sie nun mehr Zeit auch für Ihren eigenen Nachwuchs haben. Sie haben inzwischen mehrere Enkelkinder, die Sie sicherlich auf Trab halten. Zudem sind Sie nicht nur ein begeisterter Ausdauersportler, sondern Ihre besondere Liebe gilt auch der Musik und vor allem der Kunst. Insoweit waren Sie in Hagen natürlich sehr gut aufgehoben. Aber auch die Museen an Ihrem Wohnort Münster lohnen sicher ebenso den einen oder anderen ausführlicheren Besuch.

Sehr geehrter Herr Vogt,

für Ihr Wirken im Dienst der Justiz unseres Landes danke ich Ihnen noch einmal sehr herzlich und wünsche Ihnen für Ihren wohlverdienten Ruhestand alles Gute, vor allem Gesundheit, Zufriedenheit und viele glückliche Stunden im Kreis Ihrer Familie!

Sehr geehrter Herr Professor Coburger,

ich freue mich sehr, dass mir die Aufgabe zukommt, Sie heute für die Landesregierung zum Präsidenten des Landgerichts Hagen zu ernennen. Dass ich dies nicht nur sage, weil Sie aus meiner Heimatstadt stammen und ihr bis heute besonders verbunden sind, wird deutlich, wenn man einen Blick auf Ihren Werdegang wirft.

Im August 1987 traten Sie in den richterlichen Dienst ein und wurden dem Landgericht Bochum zugewiesen. Diesem Gericht blieben Sie in den folgenden Jahren mit nur wenigen Unterbrechungen treu. Dort wurden Sie im August 1990 zum Richter am Landgericht und im Juli 1998 zum Vorsitzenden Richter am Landgericht ernannt. Neben Ihren Rechtsprechungsaufgaben wurden Sie nahezu von Anfang an mit den verschiedensten Aufgaben in der Justizverwaltung betraut. Einen besonderen Schwerpunkt nahm dabei ab August 1997 der Bereich Reorganisation ein. Nach Ihrer Ausbildung zum Organisationsentwicklungs-Berater, die Sie als einer der ersten Richter absolvierten, bauten Sie mit großem Engagement die Beratungsstruktur im Bezirk des Oberlandesgerichts Hamm mit auf und trieben die Organisationsentwicklung voran. Ihre dabei gewonnenen herausragenden Kenntnisse in Fragen der Organisation, des Controllings und der Projektsteuerung haben sicherlich dazu beigetragen, dass Ihr nächster Schritt Sie im Oktober 2001 ins Justizministerium führte.

Über sieben Jahre waren Sie mit der Leitung des Organisationsreferats betraut. Die Vielzahl der von Ihnen während dieser Zeit angestoßenen und maßgeblich geprägten Projekte im Einzelnen aufzuzählen, würde den Rahmen der heutigen Veranstaltung sprengen.

Sie reichten von dem Aufbau eines Qualitätsmanagements und der Einführung eines strategischen Controllings für den Geschäftsbereich bis hin zu der Reorganisation der Justizvollzugsverwaltung. Dabei haben Sie, sehr geehrter Herr Professor Coburger, immer wieder unter Beweis gestellt, dass Sie es in exzellenter Weise auch in schwierigen Situationen verstehen, mit Ideenreichtum, einem zuverlässigen Blick für das Wesentliche und Machbare und großem taktischem Gespür sachgerechte, praxisnahe und für die Justiz sehr vorteilhafte Lösungen zu entwickeln.

Es verwundert vor diesem Hintergrund nicht, dass Sie im Oktober 2008 zum Vizepräsidenten des Landgerichts Bochum ernannt wurden. Von Ihren in diesem Amt mit großem Erfolg wahrgenommenen Verwaltungsaufgaben möchte ich hier nur eine herausgreifen, die Sie in den vergangenen Jahren besonders in Anspruch genommen hat: der Neubau des Justizzentrums Bochum.

"Tief im Westen" – um es mit Herbert Grönemeyer zu sagen – entstand an der Stelle, an der dieser einst die Schulbank drückte, in den letzten vier Jahren ein neuer Gebäudekomplex, in dem neben dem Landgericht auch das Amtsgericht, das Arbeitsgericht, die Staatsanwaltschaft und der Ambulante Soziale Dienst mit insgesamt 750 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter untergebracht werden sollen. Die Realisierung des äußerst komplexen Bauvorhabens haben Sie von Anfang an mit großer Kreativität, planerischem Weitblick und genauester Detailkenntnis vorangetrieben und so maßgeblichen Anteil daran, dass es inzwischen kurz vor dem Abschluss steht.

Dass Sie daneben nicht nur die von Ihnen geleitete Berufungszivilkammer stets auf Kurs gehalten haben, sondern weiterhin als Lehrbeauftragter an der Hochschule für Ökonomie und Management in Essen tätig sind und wichtige Aufgaben in der Deutschen Reiterlichen Vereinigung übernehmen, zeugt nicht zuletzt von einer bewundernswerten Fähigkeit zum Selbstmanagement. Verdiente Anerkennung hat Ihr Engagement in der Lehre durch die Ernennung zum Honorarprofessor im Jahr 2014 erfahren.

Sehr geehrter Herr Professor Coburger,

ich kann mir vorstellen, dass es Sie mit einer gewissen Wehmut erfüllt, nun nicht mehr mit in den Neubau einziehen zu können. Aber die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landgerichts Bochum, bei denen Sie sich durch Ihr Einfühlungsvermögen und Ihre ruhige, sachliche und freundliche Art hohes Ansehen erworben haben, werden Sie dort sicherlich jederzeit willkommen heißen.

Für die nun vor Ihnen liegende neue Aufgabe sind Sie dank Ihrer bisherigen Erfahrungen, Ihres Organisationsgeschicks und Ihrer Gabe, Menschen zu motivieren und im Rahmen von Veränderungsprozessen mitzunehmen, bestens gerüstet. Ich bin mir sicher, dass die Leitung des Landgerichts Hagen bei Ihnen in den besten Händen liegen wird. Und ich kann Sie beruhigen: ein ähnlich schwieriges Vorhaben wie der Neubau des Justizzentrums Bochum wird Sie hier nicht erwarten. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen für Ihr neues Amt viel Glück, Freude und Erfolg! Ich darf Sie nun zu mir nach vorne bitten, damit ich Ihnen die Ernennungsurkunde aushändigen kann.

Ihnen, meine sehr verehrten Damen und Herren, danke ich für Ihre Aufmerksamkeit.

 

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