Justizministerium NRW
Quelle: Justiz NRW

Begrüßungsrede des Justizministers Thomas Kutschaty anlässlich des vierten nordrhein-westfälischen Aktionstags "pro Opfer"

02.03.2017

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich sehr, Sie zum heutigen vierten nordrhein-westfälischen Aktionstag "pro Opfer" begrüßen zu können, und heiße Sie herzlich willkommen.

Es ist inzwischen gute Tradition, dass die Justiz mit dem Aktionstag die besondere Situation und die speziellen Bedürfnisse der Menschen in den Blick nimmt, die Opfer einer Straftat geworden sind. Ich freue mich allerdings besonders, dass wir die Veranstaltung in diesem Jahr gemeinsam mit dem Landespräventionsrat Nordrhein-Westfalen durchführen. Denn effektiver Opferschutz beginnt mit wirksamer Kriminalitätsvorbeugung. „Mehr Prävention - weniger Opfer“ - diese einfache und zutreffende Erkenntnis war bereits Schwerpunktthema des 18. Deutschen Präventionstages, der im April 2013 unter der Schirmherrschaft von Frau Ministerpräsidentin Kraft in Bielefeld stattfand. Die Aussage hat ihre Berechtigung aber auch vier Jahre später nicht verloren.

Anrede,

Nordrhein-Westfalen hat die Vorbeugung als wesentliches Element des Opferschutzes in diesen vier Jahren mit zahlreichen und erfolgreichen Präventionsmaßnahmen gestärkt. Dennoch kann - auch wenn es die Ausnahme ist - leider jeder von uns Opfer einer Straftat werden. Auch dieser Gedanke sollte unser Bewusstsein dafür schärfen, dass Opferschutz ein gesamtgesellschaftliches Anliegen ist. Es obliegt dem sozialen Rechtsstaat, die Handlungsschwäche der Verletzten im Strafverfahren auszugleichen und ihnen zu helfen, ihre „Opferrolle“ wieder abzulegen. Opfer von Straftaten müssen aufgefangen und unterstützt werden durch ein Netzwerk, das ihnen schnell, effizient und bürgernah Informationen, Schutz und Hilfe bietet. Einem Opferschutz, der diese Aspekte berücksichtigt und verbindet, misst die Landesregierung, und messe ich ganz persönlich, einen zentralen Stellenwert im Rahmen der Justizpolitik zu.

Dabei dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, dass unsere Gesellschaft einem ständigen Wandel unterliegt. Ein effektiver Opferschutz muss dem Rechnung tragen. Die demografische Entwicklung geht dahin, dass die Anzahl der älteren Bürgerinnen und Bürger in unserer Gesellschaft kontinuierlich ansteigt.

Das Thema Sicherheit für Seniorinnen und Senioren bei der Kriminalitätsbekämpfung gewinnt daher immer mehr an Bedeutung. Auch wenn ältere Menschen insgesamt seltener von Kriminalität betroffen sind als jüngere, gibt es doch Kriminelle, die gezielt die Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Gutgläubigkeit älterer Menschen ausnutzen. Auch altersbedingte Einschränkungen in Mobilität und Reaktionsfähigkeit können die Gefahr erhöhen, Opfer einer Straftat zu werden.

Anrede,

gerade im höheren Lebensalter nimmt aber auch das Bedürfnis nach Sicherheit immer mehr zu und hat große Bedeutung für die Lebensqualität. Die Angst, Opfer einer Straftat zu werden, kann gerade ältere Menschen in ihrem Lebensraum immer weiter einschränken und im Extremfall schließlich sogar zu einer weitgehenden Isolation führen.

Mit diesem vierten Aktionstag "pro Opfer", der erneut Expertinnen und Experten der verschiedenen Institutionen und Verbände zusammenbringt, möchte ich daher ein deutliches und starkes Zeichen dafür setzen, diese Angst nicht überhand gewinnen zu lassen. Hierzu gehört es einerseits, eine realistische Einschätzung dazu zu vermitteln, wie und in welchem Ausmaß gerade ältere Menschen von Straftaten betroffen sein können. Gleichzeitig wird die Veranstaltung aber auch Ratschläge zur Vermeidung von Gefahren und Hilfemöglichkeiten für den Fall aufzeigen, dass man dennoch Opfer geworden ist.

Anrede,

ich bin dankbar, dass zu dem heutigen vierten Aktionstag "pro Opfer" neben Gästen aus der Justiz, der Polizei und der Anwaltschaft auch namhafte Vertreterinnen und Vertreter der Opferschutzverbände sowie der Wissenschaft und Politik unserer Einladung gefolgt sind.

Zuerst habe ich Ihnen, lieber Herr Prof. Dieckmann, Dank zu sagen für die wertvolle Unterstützung des Landespräventionsrats bei der Vorbereitung und Durchführung dieser Kooperationsveranstaltung.

Wie bereits anlässlich der ersten drei Aktionstage „pro Opfer“ hat uns die Handwerkskammer Düsseldorf freundlicherweise erneut ihre Räumlichkeiten zur Durchführung dieser Veranstaltung zur Verfügung gestellt. Hierfür darf ich Ihnen, Herr Gerd Peters, als Repräsentanten des Hauses ebenso herzlich danken wie für die tatkräftige Unterstützung bei der Vorbereitung.

Ich freue mich sehr, dass sich die Bundesvorsitzende des WEISSEN RINGS, Frau Staatsministerin a. D. Roswitha Müller-Piepenkötter - die ich herzlich begrüßen darf - erneut bereit erklärt hat, im Namen des WEISSEN RINGS ein Grußwort an uns zu richten.

„Wir helfen Kriminalitätsopfern“ - unter diesem kurzen und treffenden Motto engagiert sich der WEISSE RING seit nunmehr vierzig Jahren beispielhaft in den Bereichen der Prävention und der Opferhilfe. Seine beiden nordrhein-westfälischen Landesverbände sind dabei seit vielen Jahren verlässliche Kooperationspartner des Justizministeriums und der Justizbehörden in Nordrhein-Westfalen Dafür möchte ich Ihnen, sehr geehrter Herr Gawlitta, sehr geehrter Herr Bora, als Vorsitzende der beiden Landesverbände nochmals meinen herzlichsten Dank aussprechen.

Den Referentinnen, Referenten und Mitwirkenden des heutigen Tages gilt mein besonderer Dank für Ihre Bereitschaft, diesen vierten nordrhein-westfälischen Aktionstag "pro Opfer" erfolgreich zu gestalten.

Herr Kriminalhauptkommissar Joachim Ludwig vom Polizeipräsidium Köln wird uns anhand seiner Erfahrungen das Vorgehen der Täter bei organisierten Betrugstaten zum Nachteil von Seniorinnen und Senioren sehr deutlich vor Augen führen. Dankenswerterweise haben sich zwei betroffene Damen, Frau Dr. Marietta Jehmlich und Frau Renate Klemm bereit erklärt, uns über ihre Erlebnisse mit solchen Tätern zu berichten.

Frau Generalstaatsanwältin a. D. Elisabeth Auchter-Mainz, Frau Prof. Dr. Dr. Gisela Zenz, Herr Kriminaldirektor Wolfgang Hermanns und Herr Erster Kriminalhauptkommissar Hermann-Josef Borjans werden in einer Expertenrunde über die Bedürfnisse von älteren Menschen, die Opfer von Straftaten geworden sind, diskutieren.

Ein besonderer Dank gilt dem Altentheaterensemble des Freien Werkstatt Theaters Köln, die unter der Leitung von Frau Ingrid Berzau das Theaterstück „Ausgetrickst - Nicht mit uns!“ zur Aufführung bringen werden. Das Theaterstück ist als Präventionsprojekt in Zusammenarbeit mit dem Polizeipräsidium Köln entstanden und wird durch Frau Kriminalhauptkommissarin Angelika Platthaus beratend unterstützt.

Anrede,

Sie werden verstehen, dass ich nur wenige Gäste persönlich begrüßen kann, so sehr ich mich über die Teilnahme jedes Einzelnen freue.

Herzlich willkommen heiße ich die Abgeordneten des Landtags Nordrhein-Westfalen, Herrn Dirk Wedel, Herrn Dr. Ingo Wolf und Herrn Sven Wolf. Als Mitglieder des Rechtsausschusses des Landtages hatten Sie im letzten Jahr über die rechtliche Umsetzung der psychosozialen Prozessbegleitung für Opfer schwerer Straftaten in Nordrhein-Westfalen zu beraten. Dass der Landtag im Interesse der Opfer schnell und mit großer Einigkeit über ein entsprechendes Ausführungsgesetz entscheiden konnte, ist nicht zuletzt Ihren konstruktiven und fachkundigen Beiträgen zu verdanken. Auch deshalb finde ich es schön, dass Sie heute hier sind.

Ich freue mich auch, den Polizeipräsidenten von Düsseldorf, Herrn Norbert Wesseler, sowie zahlreiche weitere Vertreterinnen und Vertreter der Polizeibehörden Nordrhein-Westfalens begrüßen zu dürfen. Nicht nur die spezialisierten polizeilichen Opferschutzbeauftragten, sondern alle in der Prävention und Verfolgung von Straftaten tätigen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten leisten mit ihrer kompetenten und einfühlsamen täglichen Arbeit einen wesentlichen Beitrag zu einem effizienten Opferschutz. Dafür möchte ich Ihnen bei diesem Anlass noch einmal meinen Dank aussprechen.

Anrede,

in einem modernen Opferschutz gewinnen auch die Aufgaben und Funktionen der Anwaltschaft stetig an Bedeutung. Das Opfer braucht fachkundige juristische Unterstützung bei den oft schwierigen rechtlichen Fragen, wenn es darum geht, seine Rechte zu wahren und gegebenenfalls durchzusetzen. Ich darf stellvertretend für die Anwaltschaft den Präsidenten der Rechtsanwaltskammer Köln, Herrn Rechtsanwalt Peter Blumenthal, und für den Vorstand der Rechtsanwaltskammer Hamm Herrn Rechtsanwalt Dirk Hinne begrüßen.

Stellvertretend für die vielen Vertreterinnen und Vertreter der Justiz des Landes begrüße ich Frau Präsidentin des Oberlandesgerichts Köln Margarete Gräfin von Schwerin, Herrn Vizepräsidenten des Oberlandesgerichts Düsseldorf Dr. Ulrich Thole und Herrn Generalstaatsanwalt Thomas Harden aus Köln.

Mit großem persönlichem Engagement leisten fachkundige Vertreterinnen und Vertreter verschiedenster Opferhilfeverbände in Nordrhein-Westfalen einen wesentlichen Beitrag zu einem an den Bedürfnissen der jeweiligen Betroffenen ausgerichteten Opferschutz. Ich darf - stellvertretend für alle anderen - die anwesenden Vertreterinnen der nordrhein-westfälischen Frauenschutzorganisationen und -verbände begrüßen, die Frauen in persönlichen Notlagen seit vielen Jahren helfend und beratend zur Seite stehen.

Besonders freue ich mich auch über die Teilnahme von Vertretern der Seniorenverbände. Herzlich willkommen heißen darf ich insbesondere Herrn Jürgen Jentsch, stellvertretender Vorsitzender der Landesseniorenvertretung Nordrhein-Westfalen.

Anrede,

ich wünsche uns allen eine interessante Veranstaltung und viele anregende Gespräche.

Bevor ich nun das Wort an Frau Ingrid Scheithauser zurückgebe, möchte ich die Gelegenheit gerne noch nutzen, um Sie auf eine Veranstaltung aufmerksam zu machen, die ebenfalls den „Opferschutz“ thematisiert und zu der die Stadt Düsseldorf in Kooperation mit dem Landgericht Düsseldorf anlässlich des diesjährigen Tages des Kriminalitätsopfers am 22. März einlädt.

Im Jahre 1991 vom WEISSEN RING ins Leben gerufen, erinnert der Tag des Kriminalitätsopfers an jedem 22. März an die Situation der durch Kriminalität und Gewalt geschädigten Menschen, die auf Schutz und praktische Hilfe angewiesen sind.

Im Rahmen der Veranstaltung beim Landgericht Düsseldorf wird u.a. der Kriminalpräventive Rat der Stadt Düsseldorf das Netzwerk der Düsseldorfer Opferhilfe vorstellen.

Ich selbst freue mich darauf, einem hoffentlich großen Publikum an interessierten Bürgerinnen und Bürgern die seit dem 1. Januar dieses Jahres im Strafverfahrensrecht verankerte Psychosoziale Prozessbegleitung näher erläutern zu dürfen.

Weitere Informationen zu der Veranstaltung finden Sie auf der Internetseite des Landgerichts Düsseldorf.

Ich danke Ihnen herzlich für Ihre Aufmerksamkeit!


Für Fragen, Kommentare und Anregungen steht Ihnen zur Verfügung: pressestelle@jm.nrw.de