Wirtschaftsreferent
Quelle: Justiz NRW

Portrait

Über die Tätigkeit des Wirtschaftsreferenten/der Wirtschaftsreferentin
Spezialwissen gefragt - Buchhaltung, Bilanzierung und Betriebswirtschaft.

Zur effektiven und intensiven Verfolgung der Wirtschaftskriminalität hat das Land Nordrhein-Westfalen bereits im Jahr 1968 als erstes Bundesland als neuen Dienstzweig des höheren Dienstes die Institution der Wirtschaftsreferentin bzw. des Wirtschaftsreferenten bei den Schwerpunktstaatsanwaltschaften für Wirtschaftsstrafsachen geschaffen. Wirtschaftsreferentinnen und Wirtschaftsreferenten werden als justizinterne Sachverständige und Berater der Staatsanwälte in solchen Verfahren eingesetzt, welche nach der Begehungsweise des zugrunde liegenden Tatvorwurfs oder aufgrund des Umfangs des verursachten Schadens geeignet sind, die wirtschaftliche Ordnung erheblich zu stören oder das Vertrauen der Allgemeinheit auf die Redlichkeit des geschäftlichen Verkehrs zu beeinträchtigen.

Zu den häufigsten Wirtschaftsstraftaten, welche durch Wirtschaftsreferentinnen und Wirtschaftsreferenten bearbeitet werden, gehören neben der Insolvenzverschleppung insbesondere auch unterschiedliche Arten des Betrugs - hierzu zählen unter anderem der Kapitalanlagebetrug einschließlich des so genannten Churnings, der Subventions- oder auch der Kreditbetrug -, Untreuetatbestände, Börsen- und Marktpreismanipulationen und nicht zuletzt auch Straftaten im Zusammenhang mit der Finanzberichterstattung im Unternehmenssektor sowie Steuerstraftaten. Im Rahmen von Wirtschaftsstrafverfahren treten Wirtschaftsreferentinnen und Wirtschaftsreferenten entweder als Sachverständige oder als sachverständige Zeugen vor Gericht auf.

Sind sie in einem Verfahren nicht mit der Erstattung eines Gutachtens beauftragt, werden die Wirtschaftsreferentinnen und Wirtschaftsreferenten im Rahmen der Ermittlungen unterstützend tätig. Hierbei sind sie beispielsweise mit der Sichtung und Auswertung beschlagnahmter Dokumente und Datenträger, mit der Unterstützung bei Vernehmungen und Durchsuchungsmaßnahmen oder mit der Beurteilung der sich ergebenden wirtschaftlichen und wirtschaftsrechtlichen Fragen befasst.

Das von den Wirtschaftsreferentinnen und Wirtschaftsreferenten benötigte Spezialwissen beinhaltet neben umfassenden betriebswirtschaftlichen Kenntnissen auch tiefgreifende Kenntnisse aus den Bereichen des Steuer(straf)rechts und der Rechnungslegung sowohl nach handelsrechtlichen als auch nach internationalen Standards. Sie müssen über umfangreiche Kenntnisse aus den Gebieten des Insolvenzrechts, des Gesellschaftsrechts - hier insbesondere des GmbH- und des Aktienrechts -, des Bank- und Kapitalanlagerechts und insbesondere auch des Wirtschaftsstrafrechts verfügen. Zur Erfüllung dieser Aufgaben ist es aufgrund des Umfangs der regelmäßig zu verarbeitenden Datenmengen notwendig, dass sich die Wirtschaftsreferentinnen und Wirtschaftsreferenten neben Standardprogrammen auch einschlägiger Spezialsoftware bedienen, um eine zeitnahe und verlässliche Auswertung und Informationsgewinnung zu gewährleisten.

Darüber hinaus sind Kenntnisse des Straf- und des Strafprozessrechts ebenso unabdingbar wie ein gutes Verständnis für Zahlen sowie die Fähigkeit des kriminalistischen Denkens.