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Theaterlabor der JVA Schwerte begeistert mit „Der Gefangene“

Eine Geschichte von Schuld, Bestrafung und Sühne
Das Theaterlabor Schwerte präsentierte am 19.11.2019 ihre aktuelle Produktion „Der Gefangene“ von Peter Brook und Marie Hélène Estienne in einer Erstaufführung in deutscher Sprache im Rahmen der „Knastkulturwoche 2019“ des Ministeriums der Justiz Nordrhein-Westfalens.

Mehr als 80 Zuschauer folgten der eindrucksvollen Darstellung der gefangenen Darsteller, unterstützt durch die Theaterpraktikantin Daniela Blanck. Regie führte Dirk Harms Ev.Pfarrer/Theaterpädagoge BuT.

In „Der Gefangene“ wird eine Geschichte von Schuld, Bestrafung und Sühne erzählt. Der junge Mavuso überrascht seinen Vater bei dessen Inzest mit der Tochter, seiner Schwester Nadia. Doch sie wollte diese Beziehung, aus der heraus sie ein Kind gebiert. Mavuso liebt seine Schwester mehr als er es als Bruder sollte und tötet aus Hass und Eifersucht seinen Vater.

Dafür bestraft wird er von seinem Onkel Ezekiel, der ihm die Oberschenkel durchbohrt. Anschließend landet Mavuso für eine Weile im Gefängnis um danach durch seinen Onkel in die Wüste geführt zu werden, wo er allein draußen vor einem Gefängnis sitzen muss um etwas zu „richten“ - ausgesetzt der ständigen Versuchung, den Ort zu verlassen.

Mavuso geht in sich, und vegetiert mehr als zehn Jahre in seiner Einsamkeit. Die Dorfbewohner wollen ihn loswerden. Seine Schwester will ihn dazu bringen, mit ihr und ihrer Tochter neu zu beginnen. Doch Mavuso bleibt, sogar als das Gefängnis abgerissen wird, alle übrigen Insassen fort oder hingerichtet sind. Bleibt, um mit sich mit seiner Tat zu konfrontieren, bis er das Gefängnis in sich aufgenommen hat und er sich von sich selbst befreit hat.

Während der Probenzeit fand eine gemeinsame Probe mit Marie Hélène Estienne (Autorin) und dem gesamten Ensemble des „Theatre des Bouffes du Nord“ aus Paris statt.

Das Theaterlabor Schwerte ist ein Projekt der Gefangenen und der evangelischen Gefängnisseelsorge der JVA Schwerte unter der Leitung von Pfarrer Dirk Harms (Theaterpädagoge BuT). Es wurde im Januar 2004 gegründet. Seitdem findet einmal jährlich, in der Regel im Herbst, eine Aufführungsreihe statt. Der Rest des Jahres ist angefüllt mit physischem Training, ausgiebigen Proben, Stück- und Bühnenentwicklung. Alle Aufführungen finden innerhalb der Anstalt statt, dass und die Tatsache, dass alle Spieler in der Regel Gefangene in der JVA Schwerte sind, ist das Besondere an diesem Theater.

Peter Brook (*1925) gilt als einer der letzten noch lebenden Erneuerer des Theaters des 20. Jahrhunderts und ist ein Visionär einer neuen Art des Sehens. In den siebziger Jahren begründete er „The international Ensemble of Theatre Research“ in Paris, dessen Standort das „Theatre des Bouffes du Nord“ wurde. Bekannt wurde das Ensemble durch die Inszenierung der Verdichtung Vogelgespräche“ des Sufi-Dichters Fariduddin Attar und des indische Epos „Mahabharata“.

Grundlegende Pflichtlektüre für alle Theaterschaffenden ist sein Buch „Der leere Raum“, in dem er die Grundlagen eines schlackenfreien Theaters formulierte. 2019 wird er mit dem „Prinzessin von Asturien-Preis“ (er gilt als der spanische Nobelpreis) als bester Regisseur des 20.Jahrunderts ausgezeichnet.

Marie Hélène Estienne kam in den siebziger Jahren zum „International Theatre Ensemble“ und arbeitet als Dramaturgin und Autorin seitdem eng mit Peter Brook zusammen.

Knastkulturwoche
vom 18. - 24.11.2019 in der Justizvollzugsanstalten des Landes.