Diplom-Rechtspflegerin (FH) / Diplom-Rechtspfleger (FH)

Sie repräsentieren das Gericht und bearbeiten wie Richterinnen / Richter sachlich unabhängig und weisungsfrei die Ihnen übertragenen Aufgaben.

Was erwartet Sie?

Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger arbeiten bei den Gerichten, Staatsanwaltschaften und in der Justizverwaltung. Sie sind ein selbständiges Organ der Rechtspflege. Die Aufgaben, die ihnen durch das Gesetz zur selbständigen und eigenverantwortlichen Entscheidung übertragen werden, waren früher zumeist den Richterinnen und Richtern vorbehalten.

In der freiwilligen Gerichtsbarkeit treffen Rechtspflegerinnen / Rechtspfleger wesentliche Entscheidungen in Grundbuchsachen, nehmen fast alle Eintragungen im Handels- und Vereinsregister vor, erteilen familien- und betreuungsgerichtliche Genehmigungen und werden ebenso im Nachlassverfahren zur Erteilung von Erbscheinen, Testamentseröffnungen und Nachlasssicherungen tätig.

Rechtsuchenden helfen sie, indem sie zum Beispiel ihr mündlich vorgetragenes Klagebegehren ordnen, auslegen und aufnehmen. In Zivil-, Familien- und Strafverfahren setzen sie die zu erstattenden Kosten einschließlich der Rechtsanwaltsvergütung fest.

Sie bearbeiten Insolvenzsachen, führen Zwangsversteigerungen durch und sind im Bereich der Vollstreckung von Geld- und Haftstrafen tätig.

Und schließlich finden sie ein breites Betätigungsfeld im Rahmen der Justizverwaltung, d. h. in der Geschäftsleitung eines Gerichts oder einer Staatsanwaltschaft sowie in den Personalverwaltungen, den Bau-, Haushalts- und IT-Abteilungen.

Kurz: Mit ihrem täglichen Einsatz vor Ort und ihrer zuverlässigen Arbeit stärken sie in besonderer Weise das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in das Funktionieren der Justiz und leisten damit einen wichtigen Beitrag für den Rechtsfrieden.



Was müssen Sie mitbringen?

Einstellungsvoraussetzungen Quelle: Justiz NRW

Der Beruf der Rechtspflegerin / des Rechtspflegers gehört zur Laufbahngruppe 2, erstes Einstiegsamt in der Justiz des Landes Nordrhein-Westfalen.

Bewerberinnen und Bewerber für den Beruf der Rechtspflegerin / des Rechtspflegers müssen folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • eine zu einem Hochschulstudium berechtigende Schulbildung oder ein gesetzlich als gleichwertig anerkannter Bildungsstand
  • zum Zeitpunkt der Einstellung regelmäßig noch nicht 39 Jahre alt und damit zum Zeitpunkt der Verbeamtung auf Probe noch nicht 42 Jahre alt; als schwerbehinderter oder gleichgestellter behinderter Mensch (§ 2 Absatz 3 Sozialgesetzbuch IX regelmäßig noch nicht 42 Jahre bzw. noch nicht 45 Jahre alt.
  • Deutsche / Deutscher im Sinne des Artikels 116 des Grundgesetzes oder die Staatsangehörigkeit eines anderen Mitgliedstaates der Europäischen Union
  • Eintreten für die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes
  • charakterliche, geistige, körperliche und gesundheitliche Eignung für die Laufbahn; von schwerbehinderten Menschen wird nur das für die Laufbahn erforderliche Mindestmaß körperlicher Eignung verlangt
  • Dienstfähigkeit aus amtsärztlicher Sicht
  • die Bereitschaft in vielfältigen Aufgabengebieten bei Gericht und Staatsanwaltschaften selbständig tätig sein zu wollen und eigenständig Entscheidungen zu treffen

Wie erfolgt der Berufseinstieg? Welche Perspektiven haben Sie?

Die Ausbildung erfolgt im Beamtenverhältnis auf Widerruf. Dieses Beamtenverhältnis endet nach der bestandenen mündlichen Prüfung mit dem akademischen Grad „Diplom-Rechtspflegerin (FH)“ / „Diplom-Rechtspfleger (FH)“. Bei entsprechenden Leistungen ist die Übernahme in das Beamtenverhältnis auf Probe unter Verleihung des Amtes „Justizinspektorin“ / „Justizinspektor“ aber sehr wahrscheinlich. Nach einer dreijährigen Probezeit ist eine Übernahme in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit möglich.

Insbesondere Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger sollten sich kontinuierlich fort- und weiterbilden, um im dynamischen Rechtssystem immer auf der Höhe der Zeit zu sein. Dafür veranstalten das Ministerium der Justiz, die Justizakademie des Landes Nordrhein-Westfalen in Recklinghausen sowie die Fachhochschule für Rechtspflege Nordrhein-Westfalen in Bad Münstereifel regelmäßig fachwissenschaftliche Seminare und Arbeitstagungen.

Darüber hinaus bietet die nordrhein-westfälische Justiz vielseitige Einsatz- und Entwicklungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel:

  • Abordnungen an Ministerien des Bundes und des Landes, insbesondere an das Ministerium der Justiz des Landes Nordrhein-Westfalen
  • Einsatz im Fortbildungsbereich der Justizakademie des Landes Nordrhein-Westfalen, als Dozentin / Dozent an der Fachhochschule für Rechtspflege des Landes Nordrhein-Westfalen oder als Dozentin / Dozent im Rahmen der Ausbildung der Justizwachtmeisterinnen / Justizwachtmeister, der Justizfachangestellten und des Gerichtsvollzieherdienstes, Tätigkeit in Prüfungsausschüssen
  • Einsatz in deutschlandweiten und nordrhein-westfälischen Justiz IT-Projekten, Einsatz in IT-Verfahrenspflegestellen
  • Einsatz in der internen Organisationsberatung der Justiz
  • Tätigkeit als Bezirksrevisorin / Bezirksrevisor und Prüferin / Prüfer der Gerichtsvollzieherinnen / Gerichtsvollzieher, Einsatz im Bereich der Innenrevision
  • Übernahme von Leitungsfunktionen in der Justiz, beispielsweise als Geschäftsleiterin / Geschäftsleiter eines Gerichts

Für Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger besteht außerdem die Möglichkeit zur Weiterqualifizierung zur Amtsanwältin / zum Amtsanwalt bei den Staatsanwaltschaften sowie zur Teilnahme am Modulstudiengang Verwaltungsbetriebswirtschaftslehre.


Wie viel verdienen Sie in der Ausbildung?

Besoldung Quelle: Justiz NRW

Die Besoldung von Rechtspflegerinnen und Rechtspflegern in Nordrhein-Westfalen erfolgt nach dem Landesbesoldungsgesetz – LBesG NRW, Besoldungsgruppe A LBesO NRW. Der Berufseinstieg erfolgt in der Besoldungsgruppe A 9, wobei die Besoldung mit zunehmender Erfahrung in Stufen ansteigt und sich durch Zuschläge – z. B. einen Familienzuschlag – erhöhen kann. In Krankheitsfällen wird eine Beihilfe gewährt. Darüber hinaus besteht Anspruch auf Versorgung nach den beamtenrechtlichen Grundsätzen. 

Es werden für die Beamtinnen und Beamten auf Widerruf Anwärterbezüge nach der Besoldungsgruppe A 9, Landesbesoldungsgesetz – LBesG NRW gezahlt. Sie betragen derzeit für Ledige 1.306,- Euro brutto pro Monat. (Stand: Januar 2019)

Hinzu kommen derzeit noch: Vermögenswirksame Leistungen monatlich 6,65 EUR.

Bei Vorliegen der Voraussetzungen wird ferner Kindergeld gezahlt.


Wie sieht die Ausbildung aus?

Die Ausbildung beginnt immer zum 1. August eines Jahres. Die Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger absolvieren eine dreijährige Laufbahnausbildung im dualen Studium. Sie erhalten in wechselnden Blöcken die fachwissenschaftliche Ausbildung an der Fachhochschule für Rechtspflege Nordrhein-Westfalen in Bad Münstereifel (insgesamt 24 Monate) und die fachpraktische Ausbildung an verschiedenen, möglichst wohnortnahen Gerichten und Staatsanwaltschaften in Nordrhein-Westfalen (insgesamt zwölf Monate). Mit dem Bestehen der Staatsprüfung zur Diplom-Rechtspflegerin (FH) / zum Diplom-Rechtspfleger (FH) erwerben die Studierenden die Befähigung für die Laufbahngruppe 2, erstes Einstiegsamt in der Justiz des Landes Nordrhein-Westfalen.

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Was werden Sie in der Ausbildung lernen?

Während des fachwissenschaftlichen Studiums lernen die Studierenden in Gruppen von 20 bis 25 Anwärterinnen und Anwärtern u. a.

  • Zivil- und Zivilprozessrecht,
  • Zwangsvollstreckungsrecht in das bewegliche und unbewegliche Vermögen,
  • Recht in der freiwilligen Gerichtsbarkeit,
  • Straf-, Strafverfahrensrecht und Strafvollstreckungsrecht,
  • Insolvenzrecht sowie
  • soziale, wirtschaftliche und rechtspolitische Zusammenhänge in Europa.

In den fachpraktischen Studienabschnitten wenden die Studierenden ihre im fachwissenschaftlichen Studium erworbenen Kenntnisse in der Praxis an, z. B. bei

  • Zivil-, Familien-, Nachlass-, Register- und Grundbuchsachen,
  • Zwangsversteigerungs- und Zwangsverwaltungssachen,
  • Insolvenzsachen,
  • Strafvollstreckungssachen sowie
  • Justizverwaltungssachen.

Weitere Informationen zu den Ausbildungsinhalten...


Wie können Sie sich bewerben?

Einstellungstermin ist der 1. August eines jeden Jahres. Die Bewerbung ist grundsätzlich nur online möglich (ab dem 1. Juli für das Folgejahr): www.bewerbungsportal-justiz-nrw.de

Eine frühzeitige Bewerbung – etwa ein Jahr vor Ausbildungsbeginn – wird empfohlen.

Bitte beachten Sie, dass regelmäßig zeitnah nach Beginn der Bewerbungsfrist die ersten Auswahlverfahren durchgeführt werden und dass sich hierdurch naturgemäß die Chance auf eine Einstellung zum Ende der Bewerbungsfrist deutlich verringert bzw. spät eingehende Bewerbungen nicht mehr berücksichtigt werden können! Grundsätzlich ist nach Schließung des Bewerbungsportals eine schriftliche Bewerbung noch möglich, diese hat allerdings geringe Aussicht auf Erfolg!

Bewerbungen von Frauen, schwerbehinderten und gleichgestellten behinderten Menschen im Sinne des § 2 Absatz 3 des Sozialgesetzbuches IX und von Menschen mit Migrationshintergrund sind ausdrücklich erwünscht.

Für interessierte Schülerinnen und Schüler besteht die Möglichkeit, bei den Amtsgerichten ein Praktikum zu absolvieren.

Detaillierte Auskünfte zu Einstellungsvoraussetzungen, erforderlichen Bewerbungsunterlagen und zum Ablauf des Auswahlverfahrens erteilen gerne:

Oberlandesgerichtsbezirk Düsseldorf
Susanne Deckers, Telefon: 0211 4971-396
Martina Herfs, Telefon: 0211 4971-511
E-Mail: gd.ausbildung@olg-duesseldorf.nrw.de
Internet: www.olg-duesseldorf.nrw.de

Oberlandesgerichtsbezirk Hamm
Ruth Rosenthal, Telefon: 02381 272-4714
E-Mail: gd.ausbildung@olg-hamm.nrw.de
Internet: www.olg-hamm.nrw.de

Oberlandesgerichtsbezirk Köln
Ursula Bytomski, Telefon: 0221 7711-938
E-Mail: ursula.bytomski@olg-koeln.nrw.de
Internet: www.olg-koeln.nrw.de

Martina Wohlan, Telefon: 0221 7711-739
E-Mail: ausbildung@olg-koeln.nrw.de
Internet: www.olg-koeln.nrw.de