Landesarbeitsgericht Hamm
Quelle: Justiz NRW

Landesarbeitsgericht Hamm: Massenentlassungen an den Dura-Standorten Plettenberg und Kirchhundem-Selbecke – Berufungstermine stehen an

14.08.2019

Die 18. Kammer des Landesarbeitsgerichts Hamm verhandelt am Freitag, den 16. August 2019 um 10.00 Uhr, 10.45 und 12.00 Uhr über die ersten Berufungsverfahren im Zusammenhang mit Massenentlassungen von Unternehmen der Dura-Gruppe. Die in der Automobilzulieferbranche tätigen Unternehmen hatten im September 2018 mehrere hundert Beschäftigte an drei Standorten in Nordrhein-Westfalen spätestens zum 30. April 2019 gekündigt. Die Betriebe sind inzwischen stillgelegt. Die Kündigungsschutzklagen der Beschäftigten blieben vor den Arbeitsgerichten Iserlohn und Siegen in erster Instanz ohne Erfolg. Nun hat das Landesarbeitsgericht Hamm über die in nahezu sämtlichen Verfahren von Arbeitnehmerseite eingelegten Rechtsmittel zu entscheiden. Dabei stehen Rechtsfragen im Zusammenhang mit den Voraussetzungen von Massenentlassungen sowie die Auswirkungen einer zwischenzeitlichen Neugründung der Gruppe am Standort Lüdenscheid im Mittelpunkt. Dort ist etwa seit Mai 2019 die Dura Automotive Systems GmbH tätig. Sie betreibt ein Technical & Engineering Center mit zumindest rund 100 Beschäftigten. Diese haben zum Teil zuvor den Belegschaften der stillgelegten Betriebe angehört.

Zum Hintergrund: Im September 2018 haben zwei der weltweit agierenden Dura-Gruppe zugehörige deutsche Unternehmen verlautbart, drei in Nordrhein-Westfalen ansässige Betriebe zum 30. April 2019 schließen und den dortigen Belegschaften kündigen zu wollen. Betroffen davon sind das Werk der Dura Automotive Plettenberg Leisten & Blenden GmbH mit zuletzt rund 570 Beschäftigten, das Werk der Dura Automotive Body & Glass Systems GmbH ebenfalls in Plettenberg mit rund 270 Beschäftigten sowie ein Gemeinschaftsbetrieb beider Unternehmen in Kirchhundem-Selbecke mit ca. 90 Beschäftigten. Beide Unternehmen sind konzernrechtlich mit der Dura Holding Germany GmbH verbunden. Diese gehört wiederum der Dura Gruppe mit Hauptsitz in den USA an. Bei der dortigen Konzernobergesellschaft soll angesichts fortgesetzt defizitärer Ergebnisse der drei Standorte schon im April 2018 die Stilllegungsentscheidung gefallen sein.

Beim Landesarbeitsgericht Hamm sind gegenwärtig rund 450 Verfahren anhängig, welche mit den Entlassungen bei den beiden Dura-Unternehmen im Zusammenhang stehen. Aktuell kommen stetig weitere Rechtsmittelverfahren hinzu, da bislang nicht alle Kündigungs-schutzklagen erstinstanzlich entschieden sind oder insoweit noch Rechtsmittelfristen laufen.

(LAG Hamm 18 Sa 232/19 u. a.)

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