Geschwister sollen in Prozess um verhungerten Jungen aussagen


Mittwoch, 07. Februar 2018 17.00 Uhr


Arnsberg (dpa) - Im Prozess um den verhungerten Zweijährigen Anakin in Nordrhein-Westfalen ist die Strafkammer am Landgericht Arnsberg erneut in die Beweisaufnahme eingetreten. Das Gericht will noch die vier ältesten Geschwister als Zeugen anhören. Das älteste Kind der angeklagten zehnfachen Mutter ist inzwischen volljährig. Ursprünglich waren am Mittwoch bereits das Plädoyer der Verteidigung und das Urteil erwartet worden. Es soll jetzt geklärt werden, wie die Kinder den Zustand ihrer kleinen Geschwister in den Wochen vor Anakins Tod gesehen haben.

Der Mutter wird Körperverletzung mit Todesfolge im Fall des Zweijährigen und gefährliche Körperverletzung durch Unterlassen im Fall einer damals neun Monate alten Tochter vorgeworfen. Das Plädoyer der Staatsanwaltschaft, die bereits eine Haftstrafe von drei Jahren und acht Monaten gefordert hatte, ist mit der neu angesetzten Zeugenanhörung hinfällig.

Die beiden Kinder waren im Winter 2014 bis auf die Knochen abgemagert. Das Mädchen konnten die Ärzte retten, der Junge starb. Ein psychiatrischer Gutachter hält die Mutter für schuldfähig.

Die 41-Jährige hatte im Prozessverlauf erklärt, sie habe um den kritischen Zustand der beiden Kinder gewusst. Zum Arzt ging sie im Fall des Jungen zu spät. In sozialen Netzwerken schrieb sie später an eine Pflegemutter, sie habe gelogen, um ihren Kindern eine Aussage zu ersparen und eine Bewährungsstrafe zu erreichen. Der Prozess wird am 20. Februar fortgesetzt.