Strafakte
Quelle: Justiz NRW

Psychosoziale Prozessbegleitung

Mit der ab dem 1. Januar 2017 im Strafverfahrensrecht verankerten psychosozialen Prozessbegleitung soll besonders belasteten Opfern bestimmter schwerer Straftaten ein Opferunterstützungsdienst mit dem Ziel emotionaler und psychologischer Unterstützung im Strafverfahren zur Seite gestellt werden.

Die psychosoziale Prozessbegleitung umfasst eine qualifizierte Betreuung, Informationsvermittlung und Unterstützung während des gesamten Ermittlungs- und Strafverfahrens mit dem Ziel, Belastungen zu reduzieren und durch weitgehende Stabilisierung des Opfers sekundäre Viktimisierung zu vermeiden.

Psychosoziale Prozessbegleitung soll verletzten Zeuginnen und Zeugen Sicherheit und Orientierung vermitteln und ihnen ein Verständnis der Prozesse des Strafverfahrens erleichtern. In diesem Sinne bildet sie eine Schnittstelle zu den sonstigen Akteuren des Strafverfahrens und der Opferhilfe.

Psychosoziale Prozessbegleitung stellt dabei eine Ergänzung zu den bestehenden Angeboten der Opfer- und Zeugenbetreuung und -beratung dar. Sie übernimmt nicht die Wahrnehmung der Aufgaben anderer Professionen, insbesondere nicht

  • der juristischen Beistandschaft und Verfahrensvertretung sowie der Rechtsberatung

    Psychosoziale Prozessbegleitung ist im Gegensatz zur rechtlichen Vertretung verletzter Personen durch Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte geprägt durch die nicht rechtliche Unterstützung und ergänzt damit die rechtlich geprägte Nebenklagevertretung. Erfolgreiche psychosoziale Prozessbegleitung setzt danach voraus, dass sich die Begleitperson jeglicher rechtlichen Beratung der verletzten Person enthält.

  • der Ermittlungsbehörden und der Opferberatung durch Polizei und private Träger

    Die Begleitperson darf keinerlei Aufklärung des der Tat zu Grunde liegenden Sachverhalts betreiben und insbesondere die Zeugenaussage der verletzten Person nicht beeinflussen. Infolgedessen werden im Rahmen der psychosozialen Prozessbegleitung keine Gespräche über den im Strafverfahren behandelten Sachverhalt (die Tat) geführt.

  • der (Psycho-)Therapie.

Die psychosoziale Prozessbegleiterin/der psychosoziale Prozessbegleiter hat insbesondere das Recht, „bei Vernehmungen des Verletzten und während der Hauptverhandlung gemeinsam mit dem Verletzten anwesend zu sein“ (§ 406g Absatz 1 Satz 2 StPO).

Psychosoziale Prozessbegleitung kann in jedem Stadium des Ermittlungs- und Strafverfahrens in Anspruch genommen werden. In besonderen Fällen besteht ein Anspruch auf Beiordnung einer psychosozialen Prozessbegleiterin/eines psychosozialen Prozessbegleiters. Die Kosten für die Inanspruchnahme der Begleitung trägt (nur) im Fall der Beiordnung die Staatskasse.