BASIS IT-Verfahren im Justizvollzug
Das Buchhaltungs- und Abrechnungssystem im Strafvollzug (BASIS) ist ein länderübergreifendes Projekt und stellt die IT-Unterstützung bei den Justizvollzugsanstalten des Landes sicher.
Das Buchhaltungs- und Abrechnungssystem im Strafvollzug (kurz BASIS) stammt in seinen Ursprüngen aus den Anfängen der 2000er Jahre und unterstützt mittlerweile jegliche Geschäftsbereiche einer Justizvollzugsanstalt.
BASIS ist ein länderübergreifendes Projekt, dem gegenwärtig die Bundesländer Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen (federführend), Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein sowie das Großherzogtum Luxemburg angehören.
Das Verfahren BASIS kann aufgrund der vielfältigen Skalierbarkeit auf die Bedürfnisse einzelner Anwendungsbereiche – insbesondere vor dem Hintergrund unterschiedlicher Gesetzesgrundlangen der Länder - durch umfangreiche Parametersteuerungen eingehen.
Die Zahl der Nutzer beläuft sich in Nordrhein-Westfalen auf 8.500, länderübergreifend arbeiten etwa 19.000 Bedienstete mit BASIS.
Server
Betriebssystem: Red Hat Enterprise Linux (RHEL)
Datenbank Oracle
Applikationsserver JBoss
Benutzer-Frontend:
PC Betriebssystem: W11, Linux
JAVA
Die Bereitstellung moderner IT-Anwendungen erfolgt heutzutage browserbasiert. Dies bietet den Vorteil, dass die Anwendung an nahezu jedem Arbeitsplatz aufgerufen werden kann, ohne weitere Software für den Betrieb der Anwendung bereitstellen zu müssen.
Vor diesem Hintergrund erfolgt aktuell eine vollständige Neugestaltung des Frontend unter Berücksichtigung der Vorgaben zur Barrierefreiheit. So wird die uneingeschränkte Nutzung des Programms durch Jedermann ermöglicht. Es ist beabsichtigt die neue Oberfläche von BASIS bis Ende des Jahres 2026 auszurollen.
Im Zuge des Re-Designs erfolgt eine Umbenennung in BASIS.VMS (VollzugsManagementSystem). Die Anwendung wird in vollständig neuer Aufmachung erscheinen.
Der folgende Screenshot veranschaulicht das "look-and-feel" von BASIS.VMS:
Das Verfahren BASIS verfügt über eine zentrale Komponente, die einerseits eine Grundlage für Datensicherungen und andererseits eine umfangreiche Datenbasis für Auswertungen und zentrale Datenpflege bietet. Unter Nutzung dieser Daten ist ein Datawarehouse (DWH) bei IT.NRW eingerichtet worden. Aus dem Verfahren BASIS werden gezielt Rohdaten zu verschiedenen Fragestellungen zum DWH übermittelt und dort für weitere Auswertungen bereitgestellt. Diverse Auswertungen konnten bereits in Zusammenarbeit mit dem Datenauswertungszentrum der Justiz (DAZ) entwickelt und über das Management-Informationssystem (MIS) einem berechtigten Personenkreis zur Verfügung gestellt werden.
Auch für Controlling-Zwecke stellt BASIS Kennzahlen bereit, die u.a. für das Verfahren EPOS.NRW von großer Bedeutung sind.
Das Verfahren BASIS deckt alle wichtigen Geschäftsvorfälle in einer Justizvollzugsanstalt ab und unterstützt die Anwenderinnen und Anwender bei den regelmäßig anfallenden Arbeitsvorgängen. Dazu zählen insbesondere:
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Medizinischer Dienst
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Besuch
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Disziplinarstrafen
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besondere Sicherungsmaßnahmen
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Anordnungen nach § 119 StPO
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Einkauf
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Freistellungen nach §§ 33 und 34 StVollzG NRW
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Freizeitgestaltung der Gefangenen
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Gelder der Gefangenen
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Haftraumverwaltung
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Lohnbuchhaltung der Gefangenen, Lohnersatzleistungen
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Schnittstellen
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Schriftverkehr
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Statistiken
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Strafzeitberechnungen und zentrale Auswertungen
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Verfahrensbereich VL (Versorgung und Logistik), der den gesamten Verpflegungsbereich der Gefangenen vom Einkauf über die Speiseplanung bis zur Nährwertberechnung unterstützt.
Der Fachverfahrensbereich Arbeitsverwaltung (in NRW: Arbeit und Berufliche Integration) ist durch eine eigene Steuerungskomponente hoch flexibel anpassbar. Hierdurch besteht die Möglichkeit auf ändernde Gesetzgebungen – wie beispielsweise zuletzt die Neuregelung der Vergütung der Gefangenen in Nordrhein-Westfalen - reagieren zu können. Die Partnerländer können BASIS auf ihre jeweiligen landesspezifischen Gesetzgebungen durch Parameterstellungen individuell anpassen.
Im Fachverfahrensteil Medizinischer Dienst ist eine Schnittstelle zur Übernahme von Laborergebnissen eingerichtet. Außerdem besteht eine weitere Schnittstelle zu Telemedizindienstleistern.
Darüber hinaus existieren weitere Schnittstellen zum Landesarchiv, zu staatsanwaltschaftlichen und polizeilichen Verfahren.
BASIS ist in der Lage eine SEPA-Datei zu erstellen, die durch eine Zahlungsverkehrssoftware automatisch weiterverarbeitet werden kann.
Für Gefangene steht ein Auskunftsterminal zur Verfügung, welches beispielsweise einen aktuellen Überblick über eigene Gelder sowie die eigene Beschäftigungssituation bietet:
Das Infoterminal ist um weitere Auskunftsfunktionen flexibel erweiterungsfähig und hat das Potential, eine Grundlage für die Antragstellung und die elektronische Kommunikation zwischen Gefangenen und Justizvollzugsanstalt darzustellen.
Einen Überblick über den organisatorischen Aufbau vermittelt die Aufbauorganisation.
Die Entwicklungsumgebung wird ebenso wie die Produktivumgebung fortlaufend aktualisiert. Sowohl die eingesetzte Betriebssystemsoftware als auch die Datenbank und Applikationsserversoftware sind auf aktuellem Stand und bieten weiterhin die Grundlage für eine moderne Fachanwendung.
Das Interesse an dem Datenaustausch mit dem Verfahren BASIS steigt stetig. Daher befinden sich weitere Schnittstellenanbindungen im Aufbau. Beispielsweise werden derzeit die Entwicklung weiterer Schnittstellen im Fachverfahrensbereich medizinischer Dienst vorangetrieben. Auch eine Schnittstelle zwecks Teilnahme am KONSENS-Mitteilungsverfahren ist verfügbar. Zudem besteht die Möglichkeit, bargeldlosen Zahlungsverkehr in BASIS abzuwickeln.
Außerdem ist kurzfristig die Anbindung des elektronischen Gerichts- und Verwaltungspostfach (eGVP) an BASIS vorgesehen. Hierdurch wird die Teilnahme am elektronischen Rechtsverkehr (eRV) unterstützt.
Marc Husemann (Leiter der Verfahrenspflegestelle BASIS)
IT- Leitstelle bei der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Senne,
Tel. 0521/4041 -331, E-Mail: marc.husemann@it-justizvollzug.nrw.de
Semja El Khaoula (Stellvertretende Leiterin der Verfahrenspflegestelle BASIS)
IT- Leitstelle bei der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Senne,
Tel. 0521/4041 -3384, E-Mail: semja.elkhaoula@it-justizvollzug.nrw.de