Gebäude Oberlandesgericht Hamm
Quelle: Justiz NRW

Oberlandesgericht Hamm: Justizdelegation aus Murcia zu Gast am Oberlandesgericht Hamm

Austausch zu Massenverfahren, Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz

Knapp anderthalb Jahre nach Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung in Murcia hat das Oberlandesgericht Hamm in der vergangenen Woche Gäste aus Spanien zum Gegenbesuch empfangen. Eine Delegation der Justiz der Region Murcia lernte dabei die Arbeitsweise der nordrhein-westfälischen Justiz kennen.

Die Präsidentin des Oberlandesgerichts Hamm, Gudrun Schäpers, und der Präsident des Obersten Gerichtshofs der Region Murcia (Tribunal Superior de Justicia de la Región de Murcia, TSJMU), Manuel Luna Carbonell, hatten die Vereinbarung am 22. Mai 2025 unterzeichnet. Luna Carbonell nannte damals als Ziel eine engere europäische Vernetzung der Justiz, die auf Vertrauen, Kollegialität und gemeinsamem Lernen beruht. Die Vereinbarung bildet dafür einen dauerhaften Rahmen – mit regelmäßigen Fachbesuchen, dem Austausch bewährter Praxis und gemeinsamen Modernisierungsprojekten.

Kern des Besuchs war ein Austauschprogramm des Europäischen Netzwerks für justizielle Aus- und Fortbildung (EJTN). Drei Richterinnen und Richter sowie zwei höhere Justizbeamtinnen (sogenannte Letradas) begleiteten eine Woche lang ihre Kolleginnen und Kollegen am Oberlandesgericht Hamm und an Dortmunder Gerichten. Die Gäste nahmen an Sitzungen teil und führten Fachgespräche, unter anderem über die elektronische Akte, Verhandlungen per Videokonferenz, Mediation und die Bewältigung von sowie die Geschäftsverteilung bei Massenverfahren.

In der zweiten Wochenhälfte stieß eine weitere Delegation des TSJMU und des spanischen Justizministeriums hinzu. Gemeinsam besuchten beide Delegationen das Ministerium der Justiz des Landes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Den Abschluss bildete am Freitag im Oberlandesgericht Hamm ein Fachvortrag zu Projekten der Künstlichen Intelligenz und der robotergestützten Prozessautomatisierung, die in der deutschen Justiz bereits eingesetzt oder entwickelt werden.

Mit einer gravierten Glasplatte dankten die spanischen Gäste Präsidentin Schäpers für ihren Beitrag zur Fortentwicklung und Vertiefung der Partnerschaft und des Austauschprogramms. Sie selbst sieht in dem Besuch die Fortsetzung ihrer Reise nach Murcia: „Im Mai vergangenen Jahres durfte ich in Murcia die Kooperationsvereinbarung unterzeichnen. Mir war von Anfang an wichtig, dass diese Vereinbarung gelebt wird. Genau das geschieht jetzt: Mit dem Gegenbesuch führen wir fort, was wir in Murcia begonnen haben. Ob Digitalisierung, Massenverfahren oder Künstliche Intelligenz – der Austausch über Länder- und Kulturgrenzen hinweg bereichert beide Seiten.“

Große-Kreul
Pressedezernent